Der Mond ist aufgegangen. Als Projektionsfläche für Romantik, Eroberungs- und Entdeckungsfantasien beschäftigt sich die Schweizer Künstlerin Zilla Leutenegger mit dem Erdtrabanten. Zur Eröffnung des PalaisPopulaire in Berlin schuf sie eine faszinierende Installation unter dem Titel »Moondiver II« . HIER geht es weiter →
Erstmals werden jetzt in der Leipziger Galerie Beuteltier-Art Bilder des kubanischen Malers Zenen Vizcaino Ortiz aus privater Sammlung gezeigt. Zur Eröffnung lese ich aus meinen Kolumnen und werde dabei von dem Leipziger Musiker Rocco Weiß begleitet. HIER geht es weiter →
Ingo Insterburg, eine Institution der Westberliner Kleinkunstszene der Sechziger Jahre, wurde mit zunehmendem Alter wunderlich und auch ein wenig verbittert. Vor allem sein Hass auf Trinker und Raucher, er hatte beiden Lastern selbst ausgiebig gefrönt, wurde zur fixen Idee. Als Komiker, Kabarettist, Sänger, Musiker, Instrumentenbauer, Dichter, Maler und Zeichner war Insterburg eine Legende. Bis kurz vor Schluss trat er noch öffentlich auf und brachte seine Fans zum Lachen. Nun besucht der schräge Geselle seine viel besungenen Mädchen im Himmel.
»Erst wenn der Sarg verzinkt / Der Raucher nicht mehr stinkt«, reimte der Künstler, dem der Darmkrebs das Leben raubte. Als erklärter Suchtgegner hatte Ingo Insterburg hunderte ähnlicher hintergründiger Zwei-, Drei- und Vierzeiler im Angebot, die er auch in selbst publizierten Büchern verbreitete. »Raucher- und Trinker-Lyrik« oder auch »Ekel-Lyrik« betitelte er seine selbst gestalteten und illustrierten skurrilen Publikationen.
Schon in seinen bereits vor einem Vierteljahrhundert entstandenen »35 Märchen« polemisierte der Barde gegen Nikotin, in dem beispielsweise einer Ratte namens Johanna Rindfleisch ein (Raucher)bein nach dem anderen abgenommen wird. Selbst hatte er sein Leben total umgekrempelt, war zum Vegetarier und Marathonläufer geworden.
Ingo, der sich nach seinem Geburtsort Insterburg nannte, zählte als künstlerisches Multitalent zum komödiantischen Erbe der Sechziger Jahre. Nach einem Studium der Kunstpädagogik spielte er als »Guitar-Ingo« gemeinsam mit dem Schauspieler Klaus Kinsky Bert-Brecht-Balladen, die auf Schallplatte erschienen. Später traf man ihn in verrauchten Westberliner Studentenkneipen, wo er Gitarre spielte, sang und auf verschiedenen selbst gebastelten Instrumenten wie der Stuhlbein-Klarinette, der mit den Füßen gespielten Tannenbaum-Geige, dem Eimer-Cello oder der Melkeimer-Gitarre spielte. Insterburg war erfindungsreich, schlagfertig und zugleich ein virtuoser Musiker.
1967 schlug die Geburtsstunde von »Insterburg & Co«. Das Quartett der »Blödelbarden« umfasste neben dem Namensgeber die Herren Karl Dall, Jürgen Barz und Peter Ehlebracht. Nach Auftritten in Radio Bremens »Musikladen« wurde die Truppe schnell bekannt. Bald waren die vier fest im Fernsehprogramm integriert und auch Stammgäste in der von Hans Rosenthal moderierten ZDF-Ratesendung »Dalli Dalli«. Die Insterburgs tingelten durch die Republik, im Berliner Reichskabarett in der Ludwigkirchstraße konnte ich das Quartett anno 1972 zum Eintrittspreis von DM 7,00 erleben. Schon damals war Karl Dall der Star der Blödel-Barden, Ingo agierte mehr im Hintergrund.
»Ich bin eine Persönlichkeit und steh im öffentlichen Leben / Immer voll Witz und Heiterkeit, so will es nun die Masse eben«, dichtete Ingo Insterburg über sich selbst. Er machte damit das Geheimrezept seines Erfolges deutlich: Mit Pfiff und Humor immer dicht am Massengeschmack entlang. Die Insterburgs machten Musik, erzählten dumme Witze und klöppelten Verse. Sogar zu einem Hit brachten sie es mit Ingos Reim-Lied »Ich liebte ein Mädchen …«, das vom Publikum begeistert aufgegriffen und mit immer neuen Versen fortgesetzt wurde.
Kein Erfolg hält ewig. Und als die Nachfrage nachließ und die Säle nicht mehr ausverkauft wurden, löste Ingo Insterburg nach mehr als einem Vierteljahrhundert das Quartett auf und zog ab 1994 als Solist weiter. Er schrieb Bücher, darunter eine ulkige, mit Zeichnungen, Denkschriften, Fotos, Knittelversen und Märchen gespickte Autobiographie »Die ersten 23456 Tage meines Lebens. Keine Dichtung und nur Wahrheit«, die es leider nur noch antiquarisch gibt.
2012 ging er mit Lothar »Black« Lechleiter vom einstigen Duo »Schobert und Black« zusammen und tourte als »Insterburg & Black«. 2014 bekam Insterburg für sein bisheriges Lebenswerk als Kleinkünstler den »smago! Award«, einen dem Schlager gewidmeten deutschen Musikpreis. Im Frühjahr 2018 stand der 84-jährige noch auf der Bühne. Dann kam der Krebs, Ingo siedelte in ein Charlottenburger Hospiz um, wo er am 27. Oktober 2018 verstarb.
»Seh‘ ich einen Leichenwagen, eine Leich‘ zum Kirchhof fahren, sage ich, das muss es geben, alle Leute wollen leben«, schrieb sich der geniale Musiker und Texter selbst ins Stammbuch. Eigentlich wollte er aufgrund der Kosten einer Feuerbestattung in einen Vulkan auf Lanzarote springen: »Das kostet gar nix«. Doch dafür hat am Ende die Kraft nicht mehr gereicht. Wer sein Grab auf dem Dahlemer Waldfriedhof besucht, hört ihn dort vielleicht noch singen …

Für den Neuköllner Hamady-Clan heiligt Gier jedes Mittel Alle Fotos: © 2018 Turner Broadcasting System Europe Limited – a WarnerMedia Company / Wiedemann & Berg Television GmbH & Co.
Wem gehört Berlin? – Libanesischen Großfamilien wie den Hamadys und den al-Saafis, brutalen Rockerbanden wie den Cthulhus oder tschetschenischen Killersoldaten? Den Berlinern jedenfalls gehört die Stadt schon lange nicht mehr. In einer Orgie von Gewalt kämpfen in dem beeindruckend realistischen Gangster-Drama 4Blocks Verbrecherbanden um Vorherrschaft und Einfluss, während Polizei und Justiz weitgehend hilflos die blutigen Reste wegwischen dürfen. HIER geht es weiter →

Besucher der Kölner Reinkarnation Art Academy vor Michael Hutters Triptychon »Der Triumph des Fleisches« Fotos: © Ruprecht Frieling
Michael Hutters verstörende Bilderwelt erinnert an Hieronymus Bosch: Außerirdische Monster und Schlingpflanzen mit Krakenarmen umspinnen bildschöne junge Frauen. Der skelettierte Tod beobachtet ein junges Paar beim Liebesspiel. Nackte Menschen versuchen verzweifelt, grässliche Monstren zu bändigen. Affen zeigen den Schönen einen Spiegel und damit ihre Vergänglichkeit. Überall lauert Gier, Geilheit, Gewalt. Ruprecht Frieling hat den Künstler mit der unheimlichen Phantasie in Köln getroffen.
Der Maler, Illustrator und Autor Michael Hutter lebt in Köln. Die Visionen von Himmel und Hölle, von Fegefeuer und Jüngstem Gericht, die von der katholischen Amtskirche als Kinderschreck farbenprächtig beschworen werden, wühlten den 1963 geborenen bereits in jungen Jahren auf. Nun spiegeln sie sich in seinen Arbeiten wider.
Michael Hutter spürte früh sein Interesse, sich mit Pinsel und Farbe auszudrücken. Von 1983 bis 1986 war er Schüler an der ehemaligen FH Köln im Fachbereich Freie Malerei bei Professor Karl Marx. Kurz darauf entstanden die ersten Gemälde-Zyklen.
Hutter zeigt Lust und Laster, wie sie in den sieben Todsünden gepredigt werden: Wollust, Zorn, Neid, Völlerei, Hochmut, Trägheit und Habgier sind Gegenstand seiner Arbeit. Für ihn ist Gott das wahre Monster, und die Hölle existiert auf Erden. Dabei wohnt allem Sündenfall ein hocherotisches Spannungsmoment inne, bei dem vor allem das weibliche Geschlecht erstaunlich aktiv ist.
Der Maler erinnert sowohl thematisch als auch technisch an den niederländischen Renaissance-Maler Hieronymus Bosch (1450-1516), dessen teils rätselhafte Darstellungen unverändert faszinieren. Wie Bosch verewigt Hutter in Öl auf Holz dämonische Fabelwesen und Figuren neben zwei- und vierbeinigen Wesen mit teils abscheulichen Tierköpfen. Seine Bestiarien sind in hohem Maße allegorisch angelegt.
»Dem erbärmlichen Geist ist es zu eigen, stets nur Klischees und niemals eigene Einfälle zu verwenden.« Hieronymus Bosch
Analog zum Triptychon »Der Garten der Lüste« von Bosch hat Michael Hutter das dreiteilige Tafelwerk »Der Triumph des Fleisches« geschaffen.
Im linken Flügel kommt eine Menschenkette einen Berg hinunter, auf dessen Gipfel ein Unterseeboot ähnlich einer Arche Noah gestrandet ist. An der Spitze dieser Prozession porträtiert sich der Künstler am Gängelband einer stolzen Frau als mageres Äffchen mit steifem Genital sogar selbst.
Auf dem rechten Flügel des Dreiteilers tanzen Nackte befreit einen Reigen um einen Obstbaum, auf dem Äpfel der ewigen Jugend wachsen und lieben sich in Blütenkelchen.
Auf der Mitteltafel kämpfen Menschen nahezu verzweifelt gegen Monsterwesen, die sie gebären und wieder verschlingen. Im Hintergrund fährt ein Dampfzug über eine hohe Brücke in Richtung Stadt.
Die fauchende Lokomotive taucht auch in seiner Arbeit »Exodus – Der letzte Zug« auf. Während eine endlos lange Schlange merkwürdig gewandeter Gestalten aus einer mittelalterlichen Stadt im eisigen Hochgebirge flieht, entgleist der letzte Zug mitsamt seiner Waggons auf einem Viadukt und stürzt Feuer speiend und laut krachend in die Tiefe.
Das Gemälde wirkt wie eine Illustration der letzten Zeile des berühmten Gedichts »Weltende« von Jakob van Hoddis aus dem Jahre 1910: »Eisenbahnen fallen von den Brücken.« Hutters Bildwelt ist Apokalypse pur, wenn sich des »eisernen Himmels blutende Tore« (Hoddis) öffnen. Seine Dystopie in Öl wirkt gleichermaßen erschreckend wie erlösend.
Die Hölle schafft sich selbst. Wir Menschen sind die wahren Dämonen. Das ist das Gesetz unserer Natur.
Mehr über Michael Hutter: https://www.kunstkrake.de

Als Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason erstmals Ginger Baker von »The Cream« erlebte, wollte er ab sofort nur noch mit zwei Bass-Drum spielen … Alle Fotos: © Ruprecht Frieling
Die 1965 gegründete Band Pink Floyd gilt als eine der innovativsten und experimentierfreudigsten Gruppen der Rockgeschichte. Einen ausgezeichneten Überblick gibt noch bis zum 10. Februar 2019 die soeben in Dortmund eröffnete sehenswerte »Pink Floyd Exhibition«. Ruprecht Frieling hat sie besucht. HIER geht es weiter →

Verfremdetes Detail aus der Installation »Let’s Eat Outdoors Today« von Damien Hurst © Ruprecht Frieling
Was ist das Lieblingsgericht eines Protagonisten aus deinem jüngsten Buch, fragt mich Vanessa Carduie vom Blog der Schicksalsweber. Die Frage ist gemein, denn sie richtet sich ausschließlich an Belletristik-AutorInnen.
Als Verfasser von Non-Fiction, also als Sachbuchautor, bekommen meine Protas nämlich nichts zu essen. Schlimmer noch: Es gibt überhaupt keine Protagonisten! HIER geht es weiter →

Mein erstes Buchmanuskript war ein Tatsachenroman, der die Drogentransporte der seinerzeit in Westberlin stationierten US-Streitkräfte schilderte.
Es war die Zeit des Vietnam-Krieges, den die amerikanische Regierung angezettelt hatte, um ein liebenswertes Land und seine Bewohner mit Napalm und Splitterbomben zu zerstören, pardon: von den bösen Kommunisten zu befreien …

Ruprecht Frieling: »Irrer Professor«, »Trauriger Hofnarr«, »Kleiner König«, »Schräger Vogel« (»Hofstaat I«)
Um mich vom Scheiben abzulenken, schenkte mir meine Traumfrau vor Jahren einen Malkasten, und es ist unglaublich, wie leicht und unbeschwert ich mich seitdem an die Staffelei setze und in fetten Farben rühre. Meist komme ich mir vor wie ein spielendes Kind, und selten bin ich so tiefenentspannt und gut drauf wie beim Malen. HIER geht es weiter →

Neugierige Eichhörnchen inspirieren mich beim Schreiben Foto © Ruprecht Frieling
Mein schönstes Erlebnis in meiner jahrzehntelangen Laufbahn als Autor und Verleger war die Begegnung mit einer alten Dame, die vom Krebs zerfressen im Krankenhaus lag und auf Vater Hein wartete. HIER geht es weiter →
