facebook
linkedin
tumblr
twitter
youtube
email
pinterest
  • Home
  • Aktuell
  • Bücher
  • Bilder
  • Wunder
  • Radio
  • TV
  • Stiftung
  • Schlaraffen
  • Bibliothek
  • Kontakt

Weihnachtspost im Zeichen der Corona-Pandemie

Dezember 22, 2020
by Ruprecht Frieling
Corona, Kolumnen, Prinz Rupi
11 Comments
Fortnum Mason
Corona-Pandemie: Wird Weihnachten künftig ein Fest der Entbehrungen?

Weihnachtspost in Zeiten der Corona-Pandemie

Live-Bericht von Prinz Rupi

Anno 2020 verfügten wir über mehr Zeit denn je, und – dennoch oder vielleicht deswegen – hatte ich nicht mitbekommen, wie mit der Geschwindigkeit eines Asteroiden das Weihnachtsfest heranstürmte. Geschenke zusammentragen, verpacken und expedieren? Das hätte längst erledigt sein müssen.

Coronare Uhren ticken anders: Das Hamsterrad steht still, es geht gemächlicher und unaufgeregter zu. Ich schiebe alles auf die lange Bank, und gehe erst zwei Tage vor Weihnachten entspannt zur Post. Die haben mich bisher stets rausgehauen in Sachen Termintreue, warum sollte es ausgerechnet 2020 anders sein?

Warnungen vor kilometerlangen Warteschlangen trug ich im Gepäck. – Wartezeiten? – Kümmert mich nicht! Ich lebe doch in einem besseren Berliner Bezirk!

siegel rupi FERTIG
Prinz-Rupi-Siegel: Markenzeichen für Qualität

Nachdem der Empfangschef des Supermarkts meiner Karosse bereits in der Tiefgarage des Filialgeschäfts entgegengekommen war, eilten zwei kleinwüchsige livrierte Pagen herbei. (Nein, sie waren nicht stark pigmentiert, falls wer fragt.) Sie entluden meine Weihnachtspost, schulterten klaglos Briefe, Päckchen und Pakete und trugen alles, präsidiert vom würdigen Zerberus, ins Erdgeschoss des Lebensmittelgeschäfts. Dort bedienten gleichzeitig (!) zwei Nachfahren der guten alten Post hinter einer Scheibe aus spuck- und schussfestem Glas ihre hoch geschätzten Kunden.

Der Truppenführer der Sicherheitsleute war bereits per Funk von meinem Eintreffen informiert. Lächelnd machte er eine ausladende Bewegung über den Schauplatz, eine endlose Schlange Wartender, die außerhalb des Marktes bis weit in die Straße ragte. Obwohl sie gerade von einem Nieselregen verwöhnt wurden, sprangen auf seinen Wink ein halbes Dutzend Frauen und Männer glücklich lachend aus der Schlange. Sie hoben mich sanft in die Höhe und trugen mich an allen anderen vorbei zu einem in abweisendes Betriebsgelb getunkten, mit Werbezeug beklebten Postschalter.

Der Diensthabende grüßte sogleich und nickte ehrfurchtsvoll. Er rückte seinen Mundschutz zurecht, fuhr sich mit der cellophanierten Hand über das fettig glatte Haar, das rückseits in einem Stummelschwänzchen mündet und rückte seine runde Panzerbrille zurecht. Bedächtig nahm das Präzisionsinstrument die Päckchen und Pakete einzeln entgegen, die ihm die kleinwüchsigen Pagen, es sind wohl Zwillinge, auf eine Waage stapelten.

Er untersuchte jeden einzelnen Karton auf die richtige Bemaßung sowie eine ordnungsgemäße Frankatur. Aus den Augenwinkeln fixierte er ein Paket, das fast einen ganzen Zentimeter über die festgeschriebene Höhe herausragte und schaute mich kurz an.

Models betteln auf Oxford Street 1
Diese beiden ausgemergelten Damen, die verzweifelt um ein Almosen betteln, können sich nicht mal eine Maske leisten …

Um die Nichtigkeit der Sache ebenso wie seine Stellung zu bedeuten, machte er eine wegwerfende Handbewegung. Wer mag sich schon über Petitessen aufregen oder gar fälliges Nachporto fordern! Ich antwortete ihm mit dem verständnisvollen Zucken des rechten Zeigefingers und bedeute ihm, sein Amt zu vollziehen.

Auf einem silbernen Tablett präsentierte er abschließend die Belege der Sendungen, die einer der Knaben in meine einladend geöffnete Brieftasche legte.

Unter dem Frohlocken der inzwischen pudelnassen Wartenden wurde ich wieder zu meiner Kutsche geleitet und mit einem Geschenk des Hauses bedacht, einem lebensgroßen Weihnachtsmann aus feinster Schweizer Schokolade.

Frohe Weihnachten!

Rupi, der Prinzipielle

PS. Und dann bin ich aus diesem schönen Traum erwacht …

Bitte verbreite diesen Beitrag!
Über den Verfasser
Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi schreibt seit einem halben Jahrhundert Bücher und schwimmt dabei vergnügt gegen den Strom.
Teile den Beitrag
11 Comments
  1. Auguste 22. Dezember 2020 at 23:18 Antworten

    Wie immer, mein Prinz, köstlich und sehr bildhaft formuliert – genau das Richtige für meine momentane Corona-Stimmung . Danke .

    • Prinz Rupi 22. Dezember 2020 at 23:29 Antworten

      Dankeschön 🙂
      Ohne Humor kommen wir nur gebeugt durch die Krise!

  2. Michael 22. Dezember 2020 at 23:54 Antworten

    Ist es nicht schön, überall auf Freunde zu treffen. Herrlich die Situation beschrieben. Und wer es selbst erlebt hat in der Reihe zu stehen, ist ein wenig neidisch ob so guter Behandlung. Schöne Weihnachten! LG

    • Prinz Rupi 23. Dezember 2020 at 00:00 Antworten

      Lieber Micha, wären wir gelernte DDR-Bürger, wäre uns das Schlangestehen ins Blut gewaschen worden. Aber so???
      Deshalb bin ich lieber Prinz und nutze meine Stellung schamlos aus 😉

  3. Chris 23. Dezember 2020 at 08:25 Antworten

    … und dann bist du aufgewacht, und es regnete noch immer?
    Die Schlange zu den gelben Schaltern reichte schon bis in deine Küche?

    Träum weiter, mein Prinz – und coronafreie Festtage!

    • Prinz Rupi 23. Dezember 2020 at 09:36 Antworten

      Genau. Alles selbst erlebt, und ich musste tatsächlich für einen Zentimeter Übergröße löhnen.

  4. Careca 23. Dezember 2020 at 11:44 Antworten

    Ja, sehr schön beschrieben. Sensationell gut. Habe mich königlich amüsiert!

    Ging mir übrigens gestern genau so (und nicht anders). Der Filialleiter, der mich höchstpersönlich und eigenhändig an der Schlange vorbei trug, antwortete auf meine verwirrte Frage „Warum?“ mit servilem Kopfnicken und einem devotem „Der Kunde ist König“. Nur einen Weihnachtsmann in Stanniol mit respektvoller Widmung, den erhielt ich nicht. Weder in klein noch in groß.
    Als ich deinen Bericht las, hatte ich sofort meinen Beschwerdebrief über meinen RA veranlasst. Na die sollen mich mal kennenlernen, diese rücksichtslosen, gelben Postschnecken, die!!!

    • Prinz Rupi 23. Dezember 2020 at 13:42 Antworten

      Unerhört! Meinen Freunden gebührt unbedingt eine königlich kundige Behandlung. Auch und gerade wenn sie in München leben!

      Immer dieses Nord-Süd-Gefälle 😉

  5. Renate Lang 24. Dezember 2020 at 14:43 Antworten

    Wunderbar! Die Post bietet stundenlangen Unterhaltungsstoff für jede_Begegnung in diesen Tagen. Gerne tausche ich unser beider königlichen postgeschichten am Gartenzaun aus.
    Habt schöne Tage
    Renate

    • Ruprecht Frieling 25. Dezember 2020 at 00:53 Antworten

      Der Gedanke vom Austausch am Gartenzaun erinnert mich an die Gespräche zwischen Helga und Marianne (Freshtorge). Das würde ausgezeichnet passen❣️
      https://youtu.be/Q5-o_BLxOxg

  6. Ludwig, Elke 28. Dezember 2020 at 23:37 Antworten

    Es gefällt mir und ist witzig, die Gartenzaun – Gespräche. Ich mag es gern wenn Witz dabei ist.
    Mehr kann ich dazu nicht sagen, aber mehr Gartenzaungespräche mag ich hören und sehen. Macht Spaß!

Bitte sag deine Meinung und schreib einen Kommentar Antwort abbrechen

*
*

Durchsuche meinen Blog:



Newsletter gratis!

Klicken und bestellen


Die jüngsten Blogeinträge:

  • Die Welt ist bunt – Jim Avignon in Leuna
  • »Der Ritt auf dem Oktopus« ist erschienen
  • Prinz Rupi im Literaturradio: »Folge deinem Stern«
  • Wer sich nicht bewegt, verschwindet
  • Make Love with Bollerwagen: Prinz Rupi auf Himmelfahrt
  • Das Heiligtum der Schlaraffen: der Ahalla-Schrein
  • Ein Theremini für Stummfilmpianist Graf Bothmer
  • Der visionäre Redakteur – Porträt des Chefredakteurs der Schlaraffen-Zeitung
  • Ritter von der Rolandnadel – die Schlaraffen erstmals öffentlich
  • Wie Angst lenkt – und warum sie ein gefährliches Machtinstrument ist
  • Der Uhu – Symbol der Weisheit, Hüter des Geistes, Bruder im Scherz
  • Neues Buch von Prinz Rupi – »Chaos, Karma, Katastrophen«
  • Der Karajan vom Schillerplatz – eine persönliche Leseempfehlung
  • Mama Lauda im Heustadel – Hochzeit im Idyll
  • Der lachende Uhu – ein schlaraffischer Lyrik-Wettbewerb
  • Sippenhaft 2.0 – Die moralische Verurteilung durch Nähe
  • Verlernen wir das Lesen?
  • Leipziger Buchmesse 2025: TikTok, Tüll und Tausende Teilnehmer
  • Wie man einen alten Ochsen in Gang bringt. Eine Allegorie
  • Was ist Erfolg? Oder: Scheitern als kreativer Prozess
  • Bleib dir selbst treu!
  • Gedicht-Wettbewerb »Der lachende Uhu«
  • Buchrevolution 2025: Selfpublishing im Turbomodus – Wie KI den Markt überschwemmt
  • Ein Leben für die Kultur: Zum Abschied von Manfred Eichel
  • Zyn – die moderne Sucht
  • Fesselnde Porträts: Prinz Rupis »Der Karajan vom Schillerplatz«
  • Lesekultur im Wandel: Überlebt das Buch?
  • Lexika im digitalen Zeitalter: Warum gedrucktes Wissen unersetzlich bleibt
  • Die Weisheit des Hofnarren oder: Die Last der Sorgen
  • Prinz Rupi liest Groteske von Hermann Harry Schmitz
  • Abschied mit Wehmut: Clown-Museum Leipzig schließt
  • Abschied von John Mayall: Der Vater des britischen Blues
  • Teuflisches Opern-Spektakel: »Der Freischütz« in Bregenz
  • Spektakulär: Steampunk Meißen 2024
  • Kunst trifft Natur: Prinz Rupis Meisterwerke im Rosengarten Forst
  • Schreiben bleibt die schönste Nebensache der Welt …
  • Girl from Tokyo – ein Prompt im Vergleich
  • Warum wir essen, wie wir essen: Eine Reise in die Vergangenheit
  • BoD vs. KDP/Amazon: Über Leistungsversprechen und »Compliance«
  • Ein Jahrhundert Franz Kafka: Die zeitlose Relevanz eines literarischen Genies
  • Ich habe einen Joint gedreht – was nun? Ein Ratgeber für Kiffer
  • Leipzig im WGT-Fieber: Das Festival der Schwarzen Szene
  • Die Geschichte vom Zeitvertreib und der verlorenen Stunde
  • HILFE: Mein Hund hat AD(H)S!
  • Der Nussknacker-Modus
  • Für alle Freunde des Western: »Das Grenzerbuch«
  • Neuerscheinung: »Die Schöpfung« von Prinz Rupi
  • Siegfried Sack † – Der sakrale Bildhauer
  • Lutz Görner ist tot. Ein Abschied
  • Möhrenmassaker im Osterland
  • Leipziger Buchmesse zwischen Tradition und Trend
  • Fotograf Jürgen Henschel: Der Mann mit der Leiter
  • Prinz Rupi im Jahr des Drachen
  • Wenn schwarze Schweine träumen
  • Der Mythos von der Unentbehrlichkeit
  • Tausche Zement gegen Hemingway
  • Unsere Zukunft ist in Gefahr. Prinz Rupi sagt NEIN!
  • Prinz Rupi spricht Friedrich Nietzsche: »Vereinsamt«
  • KRISENMODUS – Wort des Jahres 2023
  • PISA-STUDIE: Brauchen wir überhaupt noch Schulen?
  • Leinwand-Lyriker RALPH TURNHEIM rockt den Stummfilm
  • CHRISTIAN MORGENSTERN: Die unmögliche Tatsache
  • Fünf Lehren über das Geld aus »DER KLEINE PRINZ«
  • Dunkel war’s, der Mond schien helle
  • Sprachverwirrung Deluxe: Wenn DIKTATSOFTWARE zum Dichter mutiert
  • Dampf & Design: Werdau im STEAMPUNK-Fieber
  • Literarisches Comeback: „DER BÜCHERPRINZ“ auf der Frankfurter Buchmesse
  • JOHN McLAUGHLIN – Legende des Fusion
  • BUCHBERLIN 2023 im Bild: Ein Fest für Buchliebhaber
  • Oper EUGEN ONEGIN in Barcelona
  • CHRIS FARLOWE und Colosseum: Auftritt der alten Meister
  • Mit Zahnrad, Zylinder und Magie: STEAMPUNK im sächsischen Freital
  • NEW HEALING FESTIVAL: ein Fest der Sinne
  • Schönheit hat ihren Preis
  • Prinz Rupis »Ring des Nibelungen«: Keine Sekunde Langeweile
  • Mampe zeigt 100 KI-BILDER zum Thema Elefanten
  • Mit Zahnrad und Zylinder: Meißen taucht in STEAMPUNK ein
  • Prinz Rupi lässt bei Mampe 100 ELEFANTEN fliegen
  • Hitze, Haut und Humor: Ein morbides Sommerabenteuer
  • Prinz Rupi zeigt Steampunk-Kunst in Meißen
  • Frisch auf die Ohren: Gratis-Hörbücher vom »Roboter Archimedes«
  • John Lennons »Yellow Submarine« jetzt im Lügenmuseum
  • »Angriff der Killerkekse«: Sarkasmus und schwarzer Humor treffen auf Alltagssituationen
  • »Stress im Cyberspace«: Prinz Rupis sarkastischer Blick auf die digitale Welt
  • Interview mit NAPOLEON BONAPARTE: »Die Feder ist mächtiger als das Schwert«
  • Patricia Strunk: Anwältin wird Fantasy-Autorin
  • PUPSALOT IST DA!
  • Ist Text-Ki ein stochastischer Papagei?
  • Clemens Brentano: Alliteration als Stilmittel
  • Orgelmusik trifft KI-Bildersymphonie
  • Uwe Kullnick: »Prinz Rupi ist der kreativste Mensch, den ich persönlich kenne«
  • Martin Regenbrecht: Büchermachen ist ein Vergnügen
  • Das liebestolle Krokodil – Eine KI-Groteske
  • Was ist Künstliche Intelligenz? – Die KI antwortet im Interview
  • Helmut Rosenthal – Der Lionel Hampton von Hermsdorf
  • Sensationsfund in Sachen OTTO BÖGEHOLZ
  • Die Legende vom Schlaraffenland
  • Chris Farlowe: Eine lebende Legende des Blues
  • Ki für Einsteiger: Der Tanz ums goldene Kalb
Sämtliche Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird anwaltlich verfolgt. © Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi, Berlin
IMPRESSUM / DATENSCHUTZ / KONTAKT
Cookie-Zustimmung verwalten
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt. Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
  • Optionen verwalten
  • Dienste verwalten
  • Verwalten von {vendor_count}-Lieferanten
  • Lese mehr über diese Zwecke
Einstellungen ansehen
  • {title}
  • {title}
  • {title}