
Wie können Aussteller der abgeblasenen Leipziger Buchmesse 2020 ihr eingesetztes Kapital retten? Onkel Dagobert weiß Rat. Montage: © Ruprecht Frieling unter Verwendung einer Dagobert-Duck-Figur von Egmont/Ehapa
Die kurzfristige Buchmessen-Absage der Leipziger Buchmesse 2020 und die zögerliche Politik der Messeleitung zeigen enorme wirtschaftliche Auswirkungen auf die gesamte Buchwelt. Werbeetats der Kleinverleger und der auf eigene Kosten tätigen Autoren (Self-Publisher) sind teilweise schwer getroffen. Um alles zu tun und Verluste in Grenzen zu halten, trage ich an dieser Stelle alle Möglichkeiten zusammen, um zu helfen. Ziel soll sein, so viel wie möglich vom eingesetzten Kapital zurück zu erhalten. Die Informationslage ändert sich allerdings derzeit schnell. Deshalb aktualisiere ich diesen Beitrag kontinuierlich. Keep tuned!
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Produziert der literarische Nachwuchs Schrott oder Qualitätsliteratur? Letztlich liegt alles in der Hand des Schaffenden selbst @depositphotos
Wird literarische Qualität unter Self-Publishern eigentlich ebenso großgeschrieben wie unter Autoren, die für Verlage schreiben? Zahlreiche Kritiker auch aus den eigenen Reihen unterstellen der Masse der Autoren auf eigene Kosten, aus Ruhmsucht und Geldgier »Schrott« zu produzieren. Einige wehren sich nun dagegen. Doch wo liegt die Wahrheit?

Seit rund 200 Jahren werden Schreib»claviere« und Schreibmaschinen entwickelt und genutzt •Bild: © Prinz Rupi
Kollegen, die sich vor die Schreibmaschine setzen und auf einen Rutsch druckreife Texte in die Tasten hauen, habe ich immer bewundert. Ich kenne Autoren, die es in einer einzigen Nacht geschafft haben, einen Science-Fiction-Roman zu verfassen und diese Leistung dutzendfach vollbrachten. Das Manuskript würdigten sie dann keines weiteren Blickes. Sie sandten es direkt an ihren Verlag, der es redigierte und herausgab. – Ich kann das nicht, aber um beim Schreiben kontinuierlich Leistung zu erbringen, nutze ich die klassische Regel »Nulla dies sine linea« = »Kein Tag ohne Zeile«.
Stets habe ich mich schwerer getan mit der Schreiberei als jene leichtfüßig über die Tastatur eilenden Kollegen. An manchen Sätzen fummele ich endlos, selbst kürzere Texte schreibe ich mitunter mehrfach um und feile am Ausdruck. Wer derart viel Energie in sein Geschreibsel fließen lässt, träumt zwangsläufig davon, ein wenig schneller schreiben zu können, kurz: produktiver zu sein und den inneren Schweinehund, der sich liebend gern aufs Sofa legen möchte, zu überwinden. Der Vergleich mit Thomas Mann, von dem behauptet wird, er habe für manchen Satz ein bis zwei Wochen gebraucht, tröstet dabei nicht wirklich.

Im 35. Band seines Werkes »Naturalis historia« (»Die Geschichte der Natur«) prägt Plinius den berühmten Satz „Nulla dies sine linea“
Ich gestehe, ich habe bisweilen zu allem Lust, nur nicht zum Schreiben. Dabei versuche ich mir schon optimale Bedingungen zu schaffen, damit die Sache flutscht. Ruhe, Getränke und Süßigkeiten sollen den Workflow fördern. Doch dann kommt der Reiz, schnell ein paar Mails lesen und beantworten zu müssen, in die Kneipe von Facebook zu gehen und einen Absacker bei Twitter zu nehmen.
Doch genau das ist die Krux am Beruf des Autors: Er ist zum Schreiben verflucht, ob er nun Lust hat oder nicht.
Jeder gute Vorsatz braucht eine Losung. »Nulla dies sine linea«, lautet mein entsprechendes Motto, das übrigens von einem Römer namens Plinius stammt, der offensichtlich wesentlich disziplinierter arbeitete als ich. Dieser Gaius Plinius Secundus d. Ä.war ein Universalgelehrter, der vor zweitausend Jahren lebte und von dessen zahlreichen Schriften das Werk »Naturalis historia« (»Die Geschichte der Natur«) erhalten geblieben ist.
»Kein Tag ohne Linie«lautet die wörtliche Übersetzung der Devise, die ursprünglich für die Malerei stand, später jedoch vor allem auch in der literarischen Welt Einzug hielt und die Notwendigkeit des täglichen Lesens und Schreibens betont.
Im 35. Buch seiner Naturgeschichte kommt Plinius ausführlich auf die Malerei zu sprechen, eine Kunst, die einst als »nobilis«galt, bevor sie im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Rom von Blattgold und Marmor verdrängt wurde. Bei der Beschreibung berühmter Maler und ihrer Werke bemerkt der Gelehrte, wie wichtig ihm die Darstellung der Entwicklung der Malerei sei. Er erwähnt den Griechen Apelles als größten Maler der Antike und beschreibt dessen kollegialen Wettstreit mit seinem Landsmann Protogenes, bei dem es darum ging, wer die feinere Linie malen könne. Apelles hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, niemals einen Tag vergehen zu lassen, ohne sich durch das Ziehen einer Linie in seiner Technik zu vervollkommnen.
Im Hause Protogenes habe sich Apelles in Abwesenheit des Hausherrn durch eine mit dem Pinsel gemalte Linie von höchster Feinheit vorgestellt. Diese versuchte der Hausherr seinerseits, nachdem er allein aufgrund der Qualität der gemalten Linie den Urheber identifiziert hatte, mit einer noch feineren Linie zu übertreffen. Schließlich ergänzte Apelles die vorhandenen beiden Linien mit einer dritten, und so ging es lustig weiter. Das tägliche Malen einer Linie wurde zum Sprichwort: »Nulla dies sine linea – kein Tag ohne Linie« heißt es seitdem und gilt vielen Künstlern und Literaten als Richtschnur.
Der Maler Paul Klee brachte es allein in seinem vorletzten Lebensjahr auf zwölfhundert tagebuchartige Arbeiten. 1938 notierte er den berühmten Satz aus der »Historia Naturalis«in seinen Oeuvrekatalog unter der Werknummer 365, einer Zeichnung mit dem Titel »Süchtig«.
Klees Arbeit »Kein Tag ohne Linie« gilt als bestimmendes biografisches Merkmal des Expressionisten und steht in direktem Zusammenhang mit der Entwicklung seines Spätwerks. Es scheint, als habe Klee wie wild gegen den nahenden Tod angemalt.

»Der Große Schreibende« heißt eine von Reinhard Pfeiffer geschaffene Skulptur, die vor der Villa Pegasus in Berlin steht. Sie zeigt den Autor, der sich schreibend öffnet, sein Gewand sind Manuskriptseiten ©Sammlung Frieling
War die tägliche »Linie« ursprünglich ein feiner Pinselstrich, so wurde er in Folge gern erweitert gebraucht. Philosoph Friedrich Nietzsche pflegte den Leitspruch, und Schriftsteller Emile Zola ließ ihn als persönliches Motto über dem mächtigen Kamin in seinem Arbeitszimmer anbringen. Wer das zum Museum erhobene Domizil des Schriftstellers in Médan nahe Paris besucht, und sein Arbeitszimmer bewundert, erfährt, dass der Autor jeden Tag zwischen neun und dreizehn Uhr am Schreibtisch zu finden war, um mindestens vier bis fünf Seiten zu schreiben. Der Mann war produktiv: Ohne eiserne Disziplin hätte Zola es kaum auf mehr als zwanzig umfangreiche Romane gebracht.
Literaturkritiker Walter Benjamin greift in seiner Arbeit »Die Technik des Schriftstellers in dreizehn Thesen«den Gedanken von Plinius als These auf: »Nulla dies sine linea – wohl aber Wochen«. Damit unterstreicht er die Notwendigkeit, jeden Tag, und das sind sieben Tage pro Woche, schöpferisch tätig zu sein. Ab und zu aber seien kreative Urlaube gestattet, die ein Atemholen ermöglichen.
In einer weiteren These führt er dazu aus: »Höre niemals mit Schreiben auf, weil dir nichts mehr einfällt. Es ist ein Gebot der literarischen Ehre, nur dann abzubrechen, wenn ein Termin (eine Mahlzeit, eine Verabredung) einzuhalten oder das Werk beendet ist«.
Danke, Walter Benjamin! So gesehen bin ich auf einem guten Weg. Schauen wir mal, was mir morgen vor die Tasten kommt. Oder sollte ich erst einmal Kreativurlaub machen?
Prinz Rupi

Autorin Tanja Neise, hier mit Viola Hoffmann, überzeugt nicht nur im Newsletter mit ihrer herzlichen Art. Foto: © Ruprecht Frieling
Jedem Gemüsehändler wird heute von Marketing-Opas eingetrichtert, er brauche dringend einen eigenen Newsletter, wenn er morgen noch seinen Eckladen betreiben wolle. Aus der daraus folgenden Sintflut wächst die Insel aus Plastikmüll im Indischen Ozean, die sich inzwischen bis zum Spam-Gebirge erstreckt. HIER geht es weiter →

Der Prozess der Konzentration ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Beherrschung der Kunst des Schreibens © Depositphoto
»Man muss es nur verstehen, seinen Geist auf einen einzigen Punkt zu konzentrieren und sich genügend zu vertiefen, um die Halluzination herbeizuführen und den Traum von der Wirklichkeit der Wirklichkeit selbst unterschieben zu können«, schreibt Joris K. Huysmans in seinem zum Klassiker avancierten Roman »Gegen den Strich«. Doch das ist leichter gesagt als getan. HIER geht es weiter →

Literatur auf der Parkbank im Berliner Tiergarten: Sogar ein Ehepaar, das in Bahrain lebt, kam, um sich auf Parkbank Nr. 42 Geschichten von Prinz Rupi vorlesen zu lassen. Sämtliche Fotos: © Ruprecht Frieling
Trotz erbarmungsloser Hitze trafen sich am Sonntag, dem mit 39 Grad bislang heißesten Tag des Jahres, 50 Autoren aus Berlin, Brandenburg und Meck-Pomm. Sie lasen auf dem Event »Literatur auf der Parkbank« im Berliner Tiergarten jeweils vier Stunden lang aus ihren Werken. Dabei wurden nicht nur (nach einer wissenschaftlichen Untersuchung des Berichterstatters) 236 Liter Schweiß vergossen, es wurden auch zahlreiche Bücher an Besucher und Spaziergänger verkauft. Am Abend trafen sich die Akteure zu einer Party im Café Tiergarten, um bei Wasser, Limo und Bier die Lebenssäfte wieder aufzutanken und sich näher kennenzulernen. HIER geht es weiter →

Ob ein Text bei einer Tasse Kaffee aus dem Ärmel geschüttelt wird oder tagelanges Mühen erfordert, ist im Ergebnis unerheblich. Foto: Depositphoto
Der englische Schriftsteller und Essayist Anthony Burgess ging als »lebendige Schreibmaschine« in die Literaturgeschichte ein. Der Verfasser des Endzeitromans »Clockwork Orange« und von sprachgewaltigen Biografien über Shakespeare, Joyce und Hemingway schrieb zeitlebens aus dem Stand treffsichere Texte, die vor Drucklegung kaum überarbeitet werden mussten. HIER geht es weiter →

Prinz Rupi umwirbt Poppy J. Anderson, eine der Starautorinnen auf der 8. LoveLetterConvention in Berlin • SÄmtliche Fotos: © Ruprecht Frieling
„Du gehst zur LoveLetterConcention?“, lacht eine Bekannte, „dann kannst du ja deiner Frau künftig herzerweichende Liebesbriefe schreiben!“ – Nun, perfekte Liebesbriefe kann ich nach dem Besuch zwar immer noch nicht verfassen, aber ich habe einen tiefen Einblick in eine Literaturszene bekommen, der in dieser Form wohl nirgendwo anders in Europa geboten wird. Es geht auf der LoveLetterConvention, kurz LLC genannt, nämlich um den Liebesroman, es geht um Romance. HIER geht es weiter →
