facebook
linkedin
tumblr
twitter
youtube
email
pinterest
  • Home
  • Aktuell
  • Bücher
  • Bilder
  • Wunder
  • Radio
  • TV
  • Stiftung
  • Schlaraffen
  • Bibliothek
  • Kontakt

Kurzausflug in einer Höllenmaschine

April 10, 2020
by Ruprecht Frieling
Minimalismus, Musik, Musikgeschichte, Orchestermusik
4 Comments
Bitte verbreite diesen Beitrag!

Ausgewählte Musikstücke können gute Laune spenden und auch in Krisenzeiten Herzen zum Strahlen bringen. Der US-Komponist John Adams hat mit seinem vier Minuten kurzen Orchesterstück »Short ride in a Fast Machine« ein solches Kunstwerk der Gute-Laune-Musik geschaffen, das anspruchsvolle Zuhörer zum Lachen, rhythmischem Mitgehen und ekstatischem Vergnügen bringen kann.

Kurzausflug in einer Höllenmaschine

Von Ruprecht Frieling

John Adams »Short Ride in a Fast Machine« (zu deutsch etwa: »Kurzausflug in einer Höllenmaschine«) beginnt perkussiv mit dem durchgehenden Schlag auf eine Holzblocktrommel. Dieses Instrument mit seinem scharfen, trockenen Klang gibt während des gesamten Stückes präzise wie ein Metronom das Tempo vor. Dabei wird das Instrument jedoch von Streichern und Bläsern in seiner Stringenz attackiert. Sie versuchen mit geballter Energie, es aus dem Takt zu bringen. Es klingt, als laufe der Holzblock den ihn verfolgenden Instrumenten davon.

Um den Wettlauf und die Beschleunigung darzustellen, bedient sich der Komponist des Ostinato. So wird das künstlerische Mittel einer sich eigensinnig wiederholenden musikalischen Figur bezeichnet. Zugleich folgt er dem Gating-Konzept, bei dem bestimmte Tonhöhen plötzlich in ihrer Harmonie geändert und scheinbar durch keine Kadenz begrenzt werden.

Adams versteht sich als Post-Minimalist, der minimalistische Techniken in dramatischen Umgebungen einsetzt. Auf die Frage nach der Bedeutung des Titels seines Stücks meinte er: »Wissen Sie, wie es ist, wenn jemand Sie bittet, in einem abgefahrenen Sportwagen mitzufahren, und dann wünschen Sie, Sie hätten es nicht getan?«

John Adams´ Komposition animiert von dem Londoner Regisseur Victor Craven

Short Ride in a Fast Machine

Der Fahrtwind pfeift, die Maschine dreht voll auf und gibt Vollgas. Es gelingt dem Chauffeur, mit Fullspeed ein paar Takte zu entkommen. Doch die Verfolger holen mächtig auf, im Hintergrund gellen bereits ihre Fanfaren. Die temporeiche Jagd wird von mächtigen Schlägen auf die Kesselpauken, Rimshots auf dem Snare, Tambourin und Beckenschlag akzentuiert.

Kurz bevor sie die Höllenmaschine eingeholt haben, endet der Kurzausflug furios. In einem gewaltigen Crash wird die Maschine gegen die Wand gesetzt, und alles schweigt.

Der Komponist bedient sich der Methode harmonischer Dissonanz, indem er widersprüchliche Rhythmen hinzufügt, um die metronomische Stabilität des Holzblocks zu stören. Im Ergebnis hat John Adams mit seinem vier Minuten kurzen Orchesterstück »Short ride in a Fast Machine« ein Kunstwerk der Gute-Laune-Musik geschaffen, das aufmerksame Zuhörer zum Lachen, rhythmischem Mitgehen und ekstatischem Vergnügen bringen kann.

Die Zwillingsschwestern Christina & Michelle Naughton spielen John Adams ikonographisches Orchesterwerk »Short Ride in a Fast Machine«, arrangiert für vier Hände von Preben Antonsen

Der Komponist John Adams

John Adams ist ein höchst erfolgreicher US-Komponist und Klarinettist. Er schuf mehr als 60 Werke. Einem breiteren Publikum ist der 1947 geborene Minimalist durch seine Oper »Nixon in China« bekannt. Diese nimmt Bezug auf das Treffen des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon mit dem chinesischen Partei- und Staatschef Mao tse-tung (1987) anno 1972 in Peking.

John Adams composer

Komponist John Adams

Adams greift gern politische Themen auf und setzt diese musikalisch um. »Doctor Atomic« (2005) behandelt den Fall des Vaters der Atombombe, Robert Oppenheimer. »The Death of Klinghoffer« (1991) schildert die Kaperung des italienischen Ausflugsdampfers Achille Lauro durch die Palästinensische Befreiungsfront. Dabei wurde der 69-jährige jüdische Rollstuhlfahrer Leon Klinghoffer ermordet und über Bord geworfen.

Das Orchesterwerk »Short ride in a Fast Machine« von John Adams erlebte 1986 seine Premiere mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra. Ursprünglich war es für die britische »Last Night of the Proms« vorgesehen, dem prächtigsten Konzert des Jahres im britischen Königreich. Doch es wurde gleich zwei Mal abgesetzt:

1997 standen die Briten noch unter dem Schock des gewaltsamen Todes von Lady Di. Die erste Ehefrau des britischen Thronfolgers Prinz Charles und ihr Freund Dodi Al-Fayed kamen auf der Flucht vor einer Horde Paparazzi auf Motorrädern in einem Mercedes 280 S ums Leben. Deshalb passte schon der Titel des Werkes nicht ins Geschehen. Beim zweiten Versuch, am 15. September 2001, nur vier Tage nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York, stand Adams’ Stück wiederum auf dem Programm der »Proms«. Und zum zweiten Mal wurde es als unpassend gestrichen.

Erst 2014 wurde der Kurzausflug in der Höllenmaschine in London zur Aufführung gebracht. Dirigentin war die New Yorkerin Marin Alsop, die übrigens als erste Frau in der »Night of the Proms« den Stab führen durfte.

Bitte verbreite diesen Beitrag!
Über den Verfasser
Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi schreibt seit einem halben Jahrhundert Bücher und schwimmt dabei vergnügt gegen den Strom.
4 Comments
  1. Pingback: Hurra! Es regnet wieder Klopapier! - Wilhelm Ruprecht Frieling

  2. Pingback: Corona-Lektüre: Die Maske des Roten Todes von E. A. Poe

  3. Gottfried K. 30. Oktober 2022 at 00:42 Antworten

    Leider läuft keines der Musikvideos auf meinem Computer, der immerhin mit einem Ryzen-Prozessor und einer sehr modernen Grafikkarte ausgestattet ist.
    Wirklich schade!

    • Ruprecht Frieling 30. Oktober 2022 at 00:57 Antworten

      Kannst du die Videos auch nicht direkt auf YouTube sehen? – Dann verwendest du möglicherweise einen Adblocker, dann macht YouTube in jüngster Zeit Schwierigkeiten, weil sie von Werbung leben. Da hilft dann auch der schnellste Prozessor nicht weiter.

Bitte sag deine Meinung und schreib einen Kommentar Antwort abbrechen

*
*

Durchsuche meinen Blog:



Newsletter gratis!

Klicken und bestellen


Die jüngsten Blogeinträge:

  • »Der Ritt auf dem Oktopus« ist erschienen
  • Prinz Rupi im Literaturradio: »Folge deinem Stern«
  • Wer sich nicht bewegt, verschwindet
  • Make Love with Bollerwagen: Prinz Rupi auf Himmelfahrt
  • Das Heiligtum der Schlaraffen: der Ahalla-Schrein
  • Ein Theremini für Stummfilmpianist Graf Bothmer
  • Der visionäre Redakteur – Porträt des Chefredakteurs der Schlaraffen-Zeitung
  • Ritter von der Rolandnadel – die Schlaraffen erstmals öffentlich
  • Wie Angst lenkt – und warum sie ein gefährliches Machtinstrument ist
  • Der Uhu – Symbol der Weisheit, Hüter des Geistes, Bruder im Scherz
  • Neues Buch von Prinz Rupi – »Chaos, Karma, Katastrophen«
  • Der Karajan vom Schillerplatz – eine persönliche Leseempfehlung
  • Mama Lauda im Heustadel – Hochzeit im Idyll
  • Der lachende Uhu – ein schlaraffischer Lyrik-Wettbewerb
  • Sippenhaft 2.0 – Die moralische Verurteilung durch Nähe
  • Verlernen wir das Lesen?
  • Leipziger Buchmesse 2025: TikTok, Tüll und Tausende Teilnehmer
  • Wie man einen alten Ochsen in Gang bringt. Eine Allegorie
  • Was ist Erfolg? Oder: Scheitern als kreativer Prozess
  • Bleib dir selbst treu!
  • Gedicht-Wettbewerb »Der lachende Uhu«
  • Buchrevolution 2025: Selfpublishing im Turbomodus – Wie KI den Markt überschwemmt
  • Ein Leben für die Kultur: Zum Abschied von Manfred Eichel
  • Zyn – die moderne Sucht
  • Fesselnde Porträts: Prinz Rupis »Der Karajan vom Schillerplatz«
  • Lesekultur im Wandel: Überlebt das Buch?
  • Lexika im digitalen Zeitalter: Warum gedrucktes Wissen unersetzlich bleibt
  • Die Weisheit des Hofnarren oder: Die Last der Sorgen
  • Prinz Rupi liest Groteske von Hermann Harry Schmitz
  • Abschied mit Wehmut: Clown-Museum Leipzig schließt
  • Abschied von John Mayall: Der Vater des britischen Blues
  • Teuflisches Opern-Spektakel: »Der Freischütz« in Bregenz
  • Spektakulär: Steampunk Meißen 2024
  • Kunst trifft Natur: Prinz Rupis Meisterwerke im Rosengarten Forst
  • Schreiben bleibt die schönste Nebensache der Welt …
  • Girl from Tokyo – ein Prompt im Vergleich
  • Warum wir essen, wie wir essen: Eine Reise in die Vergangenheit
  • BoD vs. KDP/Amazon: Über Leistungsversprechen und »Compliance«
  • Ein Jahrhundert Franz Kafka: Die zeitlose Relevanz eines literarischen Genies
  • Ich habe einen Joint gedreht – was nun? Ein Ratgeber für Kiffer
  • Leipzig im WGT-Fieber: Das Festival der Schwarzen Szene
  • Die Geschichte vom Zeitvertreib und der verlorenen Stunde
  • HILFE: Mein Hund hat AD(H)S!
  • Der Nussknacker-Modus
  • Für alle Freunde des Western: »Das Grenzerbuch«
  • Neuerscheinung: »Die Schöpfung« von Prinz Rupi
  • Siegfried Sack † – Der sakrale Bildhauer
  • Lutz Görner ist tot. Ein Abschied
  • Möhrenmassaker im Osterland
  • Leipziger Buchmesse zwischen Tradition und Trend
  • Fotograf Jürgen Henschel: Der Mann mit der Leiter
  • Prinz Rupi im Jahr des Drachen
  • Wenn schwarze Schweine träumen
  • Der Mythos von der Unentbehrlichkeit
  • Tausche Zement gegen Hemingway
  • Unsere Zukunft ist in Gefahr. Prinz Rupi sagt NEIN!
  • Prinz Rupi spricht Friedrich Nietzsche: »Vereinsamt«
  • KRISENMODUS – Wort des Jahres 2023
  • PISA-STUDIE: Brauchen wir überhaupt noch Schulen?
  • Leinwand-Lyriker RALPH TURNHEIM rockt den Stummfilm
  • CHRISTIAN MORGENSTERN: Die unmögliche Tatsache
  • Fünf Lehren über das Geld aus »DER KLEINE PRINZ«
  • Dunkel war’s, der Mond schien helle
  • Sprachverwirrung Deluxe: Wenn DIKTATSOFTWARE zum Dichter mutiert
  • Dampf & Design: Werdau im STEAMPUNK-Fieber
  • Literarisches Comeback: „DER BÜCHERPRINZ“ auf der Frankfurter Buchmesse
  • JOHN McLAUGHLIN – Legende des Fusion
  • BUCHBERLIN 2023 im Bild: Ein Fest für Buchliebhaber
  • Oper EUGEN ONEGIN in Barcelona
  • CHRIS FARLOWE und Colosseum: Auftritt der alten Meister
  • Mit Zahnrad, Zylinder und Magie: STEAMPUNK im sächsischen Freital
  • NEW HEALING FESTIVAL: ein Fest der Sinne
  • Schönheit hat ihren Preis
  • Prinz Rupis »Ring des Nibelungen«: Keine Sekunde Langeweile
  • Mampe zeigt 100 KI-BILDER zum Thema Elefanten
  • Mit Zahnrad und Zylinder: Meißen taucht in STEAMPUNK ein
  • Prinz Rupi lässt bei Mampe 100 ELEFANTEN fliegen
  • Hitze, Haut und Humor: Ein morbides Sommerabenteuer
  • Prinz Rupi zeigt Steampunk-Kunst in Meißen
  • Frisch auf die Ohren: Gratis-Hörbücher vom »Roboter Archimedes«
  • John Lennons »Yellow Submarine« jetzt im Lügenmuseum
  • »Angriff der Killerkekse«: Sarkasmus und schwarzer Humor treffen auf Alltagssituationen
  • »Stress im Cyberspace«: Prinz Rupis sarkastischer Blick auf die digitale Welt
  • Interview mit NAPOLEON BONAPARTE: »Die Feder ist mächtiger als das Schwert«
  • Patricia Strunk: Anwältin wird Fantasy-Autorin
  • PUPSALOT IST DA!
  • Ist Text-Ki ein stochastischer Papagei?
  • Clemens Brentano: Alliteration als Stilmittel
  • Orgelmusik trifft KI-Bildersymphonie
  • Uwe Kullnick: »Prinz Rupi ist der kreativste Mensch, den ich persönlich kenne«
  • Martin Regenbrecht: Büchermachen ist ein Vergnügen
  • Das liebestolle Krokodil – Eine KI-Groteske
  • Was ist Künstliche Intelligenz? – Die KI antwortet im Interview
  • Helmut Rosenthal – Der Lionel Hampton von Hermsdorf
  • Sensationsfund in Sachen OTTO BÖGEHOLZ
  • Die Legende vom Schlaraffenland
  • Chris Farlowe: Eine lebende Legende des Blues
  • Ki für Einsteiger: Der Tanz ums goldene Kalb
  • 20 Begegnungen auf der BuchBerlin 2022
Sämtliche Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird anwaltlich verfolgt. © Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi, Berlin
IMPRESSUM / DATENSCHUTZ / KONTAKT
Cookie-Zustimmung verwalten
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt. Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
  • Optionen verwalten
  • Dienste verwalten
  • Verwalten von {vendor_count}-Lieferanten
  • Lese mehr über diese Zwecke
Einstellungen ansehen
  • {title}
  • {title}
  • {title}