
Möchte Menschen mit Kunst glücklich machen: Susanne Höhne betreibt in Leipzig die Galerie »Beuteltier-Art« • Fotos: © Ruprecht Frieling
Im Dezember 2016 eröffnete Susanne Höhne im Leipziger Stadtteil Plagwitz eine Galerie mit dem ungewöhnlichen Namen »Beuteltier-Art«. Inzwischen hat sich das Ladenlokal zu einem Geheimtipp für diejenigen etabliert, die Originalkunst zu kleinem Preis kaufen wollen.
Aller Anfang ist schwer für jemand, der seine vier Wände gern mit Kunst beleben möchte, die nicht von der Stange stammt und nüchternen IKEA-Charme ausstrahlt. Doch in den meisten Fällen scheitert dies am fehlenden Zugang zum Kunstmarkt und an den dort geforderten Preisen. Susanne Höhne beispielsweise traute sich lange Zeit nicht in Galerien, die mit ihrem Publikum gern eine abgehobene, eigene Welt schaffen, um sich das Flair des Besonderen zu verleihen. Sie fühlte sich dort meistens unwohl, fehl am Platz, fand manche Kunstwerke zwar faszinierend, jedoch unerschwinglich.
Nach dem Abitur konnte sich die Leipzigerin nicht vorstellen, eines Tages von Kunst leben zu können. Sie studierte Druck- und Verpackungstechnik und fand als frisch gebackene Ingenieurin schnell Arbeit. Zehn Jahre lang erlebte sie Höhen und Tiefen der Branche in einer Firma, die sie als Projektleiterin eingestellt hatte. Dann kriselte das Unternehmen, sie verlor ihre Stelle und machte sich erstmals bewusst, in welchem Hamsterrad sie ein Jahrzehnt als Angestellte gelaufen war.
»Das war der ideale Moment, mein eigenes Ding zu machen«, erzählt die junge Frau. Die zu ihren Füßen auf dunkelrotem Teppichboden ruhende Dackeldame Vara wedelt dazu mit dem Schwanz, als wolle sie bestätigen, dass auch ihr Hundeleben eine neue Richtung gebraucht hätte. Doch um den Stern zu entdecken, dem man folgen will, muss man tief in sich hineinhorchen, und dann fällt es einem wie Schuppen von den Augen, und alles wird klar. Susanne gewann diese Klarheit bei einem Kurzbesuch in Amsterdam. Dort besuchte sie Kreativmärkte und »The Public House of Art«. Diese ungewöhnliche Konzeptgalerie begeisterte sie spontan, weil sie hochwertige Kunstwerke zu erschwinglichen Preise anbietet.
Der Funken wurde zum Steppenbrand, aus einer Idee wurde ein Plan. Susanne wälzte Bücher, beobachtete Kunstprojekte, quälte sich mit Ämtern und Behörden, fand geeignete Künstler und Lieferanten und machte sich mit allen Aspekten der Selbstständigkeit vertraut. Im Ergebnis mietete sie im Leipziger Westen in der Könneritzstraße 24 ein geräumiges Ladenlokal. Die Räumlichkeiten wurden in eine gemütliche eingerichtete Galerie verwandelt, die ohne Schwellenangst betreten werden kann. Der Stadtteil Plagwitz ist im Moment angesagt. Diese Gegend ist jung, kreativ, bunt. Jede Woche sprießen hier neue Läden und Lokale aus dem Boden, wo sich Studenten, Künstler und Start-up-Unternehmen tummeln.
Bei der Namensfindung ließ sich die frisch gebackene Galeristin von ihrer Lieblingslektüre, den kultigen »Känguru-Chroniken« des Bloggers Marc-Uwe Kling inspirieren. Klings vorlautes, unzähmbares und bisweilen anarchistisch auftretendes Känguru sollte als Symbol dienen, die Galerie wurde »Beuteltier-Art« getauft. »Meine Galerie ist ebenso klein und frech und hält sich nicht an die Regeln des konventionellen Kunstmarkte wie das Känguru«, erklärt Susanne Höhne.
»Mein Ziel ist, möglichst viele Menschen für Kunst zu begeistern und ein Publikum zu erreichen, das sich sonst nicht in Galerien traut. Der eine meint, er habe zu wenig Ahnung von Kunst, weiß vielleicht nicht, mit Bildern umzugehen oder sich dazu zu äußern. Viele Leute verstehen auch kaum, warum manche Kunstwerke erschwinglich und andere extrem teuer sind.«
Im Dezember 2016 war es dann endlich soweit. Susanne Höhne eröffnete ihren Kunstpalast und zog von Anfang an viel Aufmerksamkeit auf sich. Das Konzept, Originalkunst zu moderaten Preisen anzubieten und nicht den Aspekt einer möglichen Wertsteigerung in den Vordergrund zu stellen, ging auf.
Eine Ausstellung folgte auf die andere, inzwischen hat es die Galeristin sogar gewagt, sich auf einer Kunstmesse zu präsentieren. Neue Künstler melden sich bei ihr, es gibt Lesungen und Gespräche, aus den roten Zahlen des ersten Jahres wurden schwarze Zahlen, und inzwischen steht das kleine Unternehmen auf sicheren finanziellen Beinen. Dabei weiß sie genau, dass neben dem großen Spaß, den der Betrieb einer Galerie beschert, die harte Arbeit steht, Kunst auch zu verkaufen.
Es sieht derzeit ganz danach aus, als könne Susanne Höhne bald von ihrem Traum leben und gleichzeitig Menschen, die sich für Kunst interessieren, den Zugang erleichtern. Kunstinteressierte verlieren Berührungsängste, Künstler erhalten Wertschätzung für ihre Arbeit und können zu angemessenen Preisen verkaufen.
Eine Konstellation, die für alle Beteiligten Vorteile bietet.
Ruprecht Frieling

Langsam erlischt das Licht. Stumm flimmern erste Filmsequenzen über die große Leinwand. Das Publikum spitzt die Ohren. Augenblicklich erwacht am Flügel ein Pianist: Stephan Graf von Bothmer greift wie elektrisiert in die Tasten und erweckt den Streifen zum Leben. Er ist die Hauptattraktion des Abends.
Von Charly Chaplin über Laurel & Hardy zu Klassikern wie »Metropolis« und anderen ausgegrabenen Klassikern des Stummfilms zeigt der Stummfilmpianist, was Musik aus einem Film machen kann. Er begeistert damit ein stetig wachsendes Publikum. Prinz Rupi traf Graf von Bothmer zum Gespräch über dessen künstlerische Arbeit und die nächsten Projekte.
Video: Graf von Bothmer begleitet Laurel & Hardy
Stephan Graf von Bothmer verwandelt Stummfilm zum Event. Er erweckt damit die weitgehend vergessene siebente Kunstform wieder zum Leben. Das stumme Kino hatte sich in den »goldenen« Zwanzigern als populärstes Unterhaltungsmedium etabliert und sich auch den Status als eigene Kunst erkämpft. Die Kunst der Regisseure und Akteure erreichte eine bis heute unübertroffene visuelle Ausdruckskraft, die dann aber durch den Tonfilm bald in Vergessenheit geriet. Wie ein Zeremonienmeister beschwört der Graf nun in seinen Stummfilm-Konzerten den Charme der Vergangenheit und macht Staunen über die Macht der Musik. Auf fünf Kontinenten ist er bereits aufgetreten, mehr als 600 Stummfilme hat er inzwischen vertont.

Stummfilmpianist Stephan von Bothmer und Schauspieler Harald »Der Bergdoktor« Krassnitzer zu Gast bei Ingo Nommsen in der ZDF-Live-Sendung »Volle Kanne«
Bothmer ist ein Maniac. Frühmorgens rast er in Düsseldorf zum ZDF in die Live-TV-Sendung »Volle Kanne«, dann sofort mit dem Zug zurück nach Berlin. Unterwegs werden telefonisch Dinge geregelt, Verabredungen getroffen und die sozialen Medien bedient. Die Bundesbahn hat wie immer Verspätung, ungeduldig wartet bereits ein Fahrzeug am Berliner Hauptbahnhof auf ihn. Schnellstmöglich geht es weiter nach Potsdam zum Fernsehstudio. Auch der RBB will den Mann, der in der Berliner Passionskirche ein Festival mit spektakulären Stummfilmkonzerten veranstaltet, interviewen. In letzter Sekunde landet er dort. In Bothmers Büro ist derweil der Teufel los. Telefone klingeln. Rechner glühen. Pakete mit Werbematerialien werden in dem kleinen Büroraum auf einen Haufen gestapelt. Wir verschwinden zum Gespräch in einem ruhigen Raum.
Ruprecht Frieling: Graf von Bothmer ist seit Jahren eine Institution im Bereich des musikalisch unterlegten Stummfilms. Wie hast du eigentlich angefangen?
Stephan Graf von Bothmer: Lange bevor ich überhaupt Stummfilme kannte, habe ich diese Musik angefangen zu entwickeln. Tatsächlich habe ich meinen ersten Stummfilm vor 20 Jahren vertont, eher zufällig. Aber es hat mich total umgehauen, einfach ein Riesenspaß! Von dem Konzert habe ich ein Video (noch auf VHS) an verschiedene Veranstalter geschickt. Es ging dann ziemlich schnell. Es war damals unüblich, den Pianisten bei der Ankündigung zu nennen, genannt wurde nur der Stummfilm. Ich habe vorgeschlagen, das anders zu machen, damit die Leute, die von meiner Art begeistert sind zu mir kommen können, und jene, die von anderen Musikern mehr angesprochen werden, eben zu denen gehen. Nach meiner Überzeugung folgt nämlich Popularität aus Klarheit.
Damit hast du dich aber eher unbeliebt gemacht und wurdest nicht wieder gebucht.
Richtig. Ich hatte noch verschiedene Vorschläge, wie man die Aufführungen attraktiver machen kann. Damals war es üblich, vor der Veranstaltung einen Filmwissenschaftler auftreten zu lassen, der den Film erst mal schlecht machte. Für ein Publikum, das kein primär wissenschaftliches Interesse hat, war das vollkommen destruktiv. Es lief dann so ab, dass der Film riesig im Vordergrund stand und dazu einer auf dem Klavier herumdudelte, der den Film vielleicht vorher noch nie gesehen hatte und im Dunkel saß.
Du wolltest dem Publikum mehr bieten?
Ich hatte mich vorher vier bis sechs Wochen auf jeden einzelnen Film vorbereitet. Deshalb behaupte ich, auch eine höhere filmmusikalische Qualität zu liefern. Meine Veranstaltungen sollten das Niveau eines klassischen Konzertes bieten. Ein Konzert mit Film. Dazu schuf ich den Begriff »Stummfilm-Konzert«.
Mit dieser Idee bist du herumgezogen und hast versucht, Partner zu finden …
… aber keiner interessierte sich dafür und sah die Chance einer Finanzierung. Also habe ich auf mein eigenes Risiko einen Konzertsaal gemietet. Und zwar gleich für sieben Konzerte, damit die, die ich begeistern kann, auch wieder kommen können. Das war in der Kreuzberger Passionskirche, die damals als Konzertsaal richtig populär war. In meiner Naivität hatte ich einen Trumpf gezogen, was ich erst aus den Medien erfuhr.
In der Passionskirche zu spielen, das hatte was!
Dort mit Stummfilmen anzukommen war ein vollkommener Bruch. Da spielten damals internationale Größen. Allerdings musste ich den dreifachen Eintritt nehmen aufgrund der Mehrkosten, die ich an der Backe hatte. Es kamen trotzdem statt der sonst üblichen zwei Dutzend Leute plötzlich 200 Zuhörer – auf einen Schlag! Für das zweite Stummfilm-Konzert habe ich Willi Sommerfeld ausgegraben. Da kamen 220 Leute, und dann drei Mal 450 – wir waren ausverkauft. Damit war für mich klar, das weitermachen zu wollen.
Der Stummfilm brauchte einen Enthusiasten, der das nach vorne treibt.
Am Ende habe ich 64 Konzerte in einem Jahr allein in Berlin an verschiedenen Orten gespielt. Neben den Leuchtturmprojekten buddelte ich mit meinem Team auch unbekannte Filme aus. Für mich zählt die Vielfalt: Wer sechs Konzerte miterlebt hat, ist schon ein kleiner Stummfilm-Experte. Es ist leider inzwischen schwer geworden, weil die Filmlizenzen, aber auch Saalmiete und Werbung sehr teuer geworden sind. Ich habe manchmal den Eindruck, mehr Zeit mit Rechnen zu verbringen als am Flügel …

Ein seltener Genuss: »Nosferatu« von Friedrich Wilhelm Murnau in Verbindung mit Chor und Orchester @Birgit Meixner/Pandig/Deutsche Kinemathek
Wenn du also einen Film wie »Nosferatu« zeigen willst, musst du erst einmal tief in die Tasche greifen?
Ich möchte hier nicht ins Detail gehen. Aber die Rechte sind nicht abgelaufen und für eine Aufführung dieser Filme muss man mitunter sehr viel Geld bezahlen. Das ist schade, denn ich würde gerne mehr Menschen begeistern und am Ende könnte ich den Rechteinhaber dann sogar mehr Geld zahlen als jetzt. Eine Tournee durch große Hallen, die dem Stummfilm-Genre insgesamt einen neuen Stellenwert hätte geben können, wurde so verhindert. Meine Veranstaltungen sind aber auch sonst viel teurer, weil aufwendiger, als andere.
Video: Bothmer und Chor zu »Nosferatu«. Schaurig schön
Lässt sich dieser Konflikt irgendwie lösen?
Ich würde mich gerne mit den Rechteinhabern zusammensetzen und ein ganz neues Veranstaltungs- und Vermarktungskonzept besprechen, das ich entwickelt habe. Dieses würde auch die Digitalisierung weiterer wunderbarer Filme enthalten. Was mich persönlich angeht: Meistens bin ich ja nicht selbst Veranstalter, sondern werde gebucht. Ich musste lernen, nicht den Pianisten, sondern Shows anzubieten. Die werden auf Veranstaltungsmessen verkauft.
Auch da holt mich wieder das Problem ein, dass Filme anders gehandelt werden, als Konzerte. Ich kann bei den meisten Rechteinhabern nur eine Aufführung für einen bestimmten Tag an einem bestimmten Ort kaufen. Und auch erst dann erfahre ich den Preis, der sich für jede Aufführung ändern kann. Den Veranstaltungen muss ich aber auf der Messe schon mitteilen, was die Show kostet. Das ist so aber unmöglich. Am Ende macht es die Sache für mich und für die Veranstalter unnötig schwer und es kommen weniger Aufführungen zustande.

Auf fünf Kontinenten ist Graf von Bothmer bereits aufgetreten und mehr als 600 Stummfilme hat er inzwischen vertont ©Ruprecht Frieling
Du zeigst auch Filme, für die kein »kollektives Unterbewusstsein« besteht. Damit hast du ein noch höheres Risiko als mit berühmten Stummfilmen.
Jetzt habe ich beispielsweise einen ganz, ganz tollen Film im Festivalprogramm: »Wunder der Schöpfung«. Es gibt Filme, die seit Jahrzehnten in den Archiven schlummern. Es macht mir einen Riesenspaß, diese Filme wieder aufzuführen und zu beweisen, dass sie ein Publikum finden. Zugpferd ist dabei natürlich meine musikalische Interpretation.
Funktioniert dein unternehmerisches Konzept so, dass du ein Gesamtpaket anbietest an Städte, Gemeinden und regionale beziehungsweise kommunale Einrichtungen zuzüglich undefinierbare Lizenzkosten?
Das stimmt, das Geheimnis ist das Gesamtpaket. Oft ist es auch ein Konzept für einen bestimmten charismatischen Ort oder eine Ausstellung. Meistens muss ich aber einen Endpreis sagen. Wie gesagt: Film- und Musikwirtschaft passen hier nicht zusammen.
Parallel dazu möchte ich zeigen, was noch geht. Und das mache ich, wenn ich selbst Veranstalter bin, so wie jetzt im Festival. Dazu grabe ich ständig Neues aus, im Vorjahr beispielsweise den Martin-Luther-Film. Der existiert nur in einer ausführbaren Fassung, weil ich mit meinem privaten Geld die Premiere ermöglichte. Alte Filme müssen restauriert werden, damit sie überhaupt aufgeführt werden können. Diese wichtige Arbeit hat das Bundesarchiv durchgeführt.
Ich habe ihn gleich vierzig Mal gezeigt, und es stellte sich heraus, dass es sich um einen extrem beeindruckenden Film und ein wichtiges Zeitdokument handelt.
Wenn ich selbst Veranstalter bin, kann ich auch die Show weiterentwickeln. Ich zeige Vorfilme, beispielsweise eine Kinowerbung von 1912 oder coole Animationsfilme. Die Veranstaltung hat dann etwas vom Varieté mit mehreren Nummern, wo das Kino ja auch entstand.

Musik und Pyro-Technik unterstützen die Vorführung von Fritz Langs Filmepos »Metropolis« aus dem Jahr 1925/26 @Maya von Bothmer
Schön ist auch ein Genre-Gegensatz, wenn der Hauptfilm beispielsweise ein Space-Film ist, ist ein sehr poetischer Vorfilm super, bei einer Tragöde nehme ich mindestens einen lustigen Vorfilm. Es ist übrigens viel schwieriger, kurze Filme zu begleiten, weil man exakt auf dem Punkt sein muss. Das hat etwas Virtuoses an sich, das vom Publikum entsprechend honoriert wird. Es gibt auch Infotainment und Musik ohne Film. Dieses Experimentierfeld brauche ich und das ermöglicht mir das Festival in der Passionskirche.
Dort habe ich dich mit »Metropolis« erlebt, in dessen Vorführung du sogar beim großen Untergang ein Feuerwerk eingebaut hast. Ein Erlebnis ohnegleichen, selbst wenn man den Film schon kennt.
Ich liebe die Show auch, das rockt richtig. Ich gehe über den Film hinaus, aber so, dass er nicht untergebuttert wird, sondern unterstützt. Er wird viel größer, tiefer und noch spektakulärer. Weil wir Feuer, Dampf und Explosionen sehr gezielt einsetzen – wie die Musik. Um das Publikum zu locken, benötigt man immer ein paar Saalfüller. Solche Highlights sind Stan-und-Olli-Programm (»Dick und Doof«), »Berlin, Symphonie einer Großstadt« und »Nosferatu«. Begeisterten Menschen kann man dann auch die echten Meisterwerke zeigen.
Du hast »Die kleinen Strolche« von Hal Roach ausgegraben, die kenne ich noch aus früher Jugend aus dem Fernsehen. Wir bist du denn darauf gekommen, du bist doch viel zu jung für diese Serie?
Doch, die habe ich noch im Fernsehen gesehen! Mit meinen Kindern habe ich die Filme an Sonntagen angesehen und sie entscheiden lassen, welche drei Folgen in mein Programm aufgenommen werden sollen. Das Programm wurde also von Kindern entschieden!

Fritz Lang schuf 1928/29 den Science-Fiction-Stummfilm »Frau im Mond« @Birgit Meixner/Deutsche Kinemathek
Dein nächstes Programm steht unter dem Titel »50 Jahre Mondlandung«.
Es geht um Space und Science-Fiction. Ich habe sechs Science-Fiction Filme im Programm. »Metropolis« ist ja auch ein Science-Fiction-Film. Dazu gibt es aber auch weiterhin die bewährten Rubriken: Komödien und Berlin-Filme.
Der russische Kult-Klassiker »Aelita« ist auch dabei. Die Romanvorlage von Alexej Tolstoi hatte bereits im Jahr 1922 in der jungen Sowjetrepublik Furore gemacht. Zwei Jahre später kam dann die Verfilmung in die Kinos.
Genau. Ich behaupte sogar, dass dieser Roman die russische Affinität zum Weltraum entscheidend mit beeinflusst hat. Der russische Vorsprung in der Weltraumforschung hat ja dann die Amerikaner überhaupt erst dazu bewogen, auf den Mond zu fliegen. Diese Filme sind also ein bisschen mit Ursache für die Mondlandung!
Dann gibt es »Algol«, einen deutschen Spielfilm aus dem Jahre 1920 von Hans Werckmeister.
Darin spielt der geniale Emil Jannings einen Grubenarbeiter, der von einem Außerirdischen vom Planeten Algol den Bauplan einer Maschine bekommt, die dessen unerschöpfliche Energie anzapft und ihn damit zum übermächtigen Menschen macht.
Richard Wagners »Rheingold«-Thema: Der Ring der Macht!
Stimmt. Das ist, wie bei den Rheintöchtern, auch ein wenig erotisch konnotiert, insgesamt ein großartiger Film. Ein Vorläufer von »Metropolis«, er geht aber in eine etwas andere Richtung. Der Protagonist möchte eigentlich, dass niemand mehr so hart im Bergbau für sein Brot arbeiten muss und sozialisiert die Hälfte seiner Erlöse. Aber er bringt die anderen Staaten in Abhängigkeit und stürzt die Welt ins Unglück, erkennt dies jedoch erst, als seine Frau bei einem Maschinenunglück ums Leben kommt. Auf eine gewisse Weise führt dieser Film den Glauben, den wir ja heute immer noch haben, dass man allein durch technischen Fortschritt beispielsweise die Erderwärmung verhindern könnte, ad absurdum. Wir müssen vor allem unser Handeln ändern.
»Das Wunder der Schöpfung« hattest du vorhin schon erwähnt.
In dem Film geht es darum, die Wunder der Schöpfung der Erde und des Weltalls zu zeigen. Es ist ähnlich wie eine Vorführung im Planetarium, mit Kapiteln über die Erde, das Sonnensystem und den tieferen Weltraum.
Dazu fällt mir spontan Gustav Holst mit seiner Planeten-Sinfonie ein. Baust du seine Musik ein oder zitierst sie?
Holst ist der Vater der Filmmusik, seine Suite entstand 1914. Hört man heute die Filmmusik zu »Star Wars«, dann wird man an ihn erinnert. Speziell gehe ich auf ihn aber nicht ein.
Das »Wunder der Schöpfung« ist eigentlich eher populärwissenschaftlich angelegt, ursprünglich ein Lehrfilm.
Die hochästhetischen Animationen sind heute noch spektakulär. Der Film ist in sechs Abschnitte aufgeteilt und endet mit der Relativitätstheorie. Es ist das erste Mal, dass Einsteins damals noch sehr junge Theorie im Film vorkommt. Der Zuschauer erlebt eine fiktive Reise in Lichtgeschwindigkeit und die damit verbundenen merkwürdigen physikalischen Phänomene.
Aber wie löst du die Darstellung der Relativitätstheorie musikalisch?
Das habe ich schon mal gelöst und zwar habe ich in der Sternwarte Treptow gespielt. Die haben das größte Teleskop Europas und auf der Bühne in dieser Sternwarte hat Einstein seine Relativitätstheorie vorgestellt. Exakt 100 Jahre später habe ich auf eben genau derselben Bühne diesen wunderbaren Film präsentiert dürfen. Musikalisch ist es eine Art wundersame Klangzauberei, mit der ich versuche, meine Zuschauer in den Film hinein zu saugen.
Das gelingt dir ausgezeichnet, und ich vermute, das spürst du auch, wenn du in die Tasten haust.
Stimmt. Ich habe mal einen Marathon veranstaltet und 30 Stunden lang Stummfilme gezeigt. Das habe ich kräftemäßig nur durchgehalten, weil ich unglaublich viel positive Energie von Publikum bekam. Danach kann man regelrecht süchtig werden.
Der manische Graf! – Gibt es eigentlich so etwas wie eine »richtige« Filmmusik?
Bei »Algol« beispielsweise kann ich das schwere Stampfen der Maschine auf dem Klavier darstellen und die Macht der Technik hörbar machen. Wenn es gut läuft, kann das Publikum im übertragenen Sinne das Schmieröl riechen. Ich kann aber auch ein kleines Thema leise in Moll spielen, weil ich mich als Mensch so klein fühle gegenüber dieser gigantischen Maschine. Beides sagt dasselbe aus: die übermächtige Kraft der Maschine, die Faszination, das Bezwingen der Naturgewalten, den menschlichen Größenwahn und das hilflose Staunen des Betrachters – aber auf vollkommen gegensätzliche Weise. Welche der beiden Musiken besser ist, ist überhaupt nicht klar! Das hängt doch vom Publikum und auch von mir selbst ab, oder nicht?
Dazu braucht es künstlerische Intuition …
Meine Kompositionen sind wie Netze, mit Abzweigungen und verschiedenen Optionen. Welche Musik ich zu den jeweiligen Szenen spiele, entscheide ich jeden Abend neu. Dazu versuche ich intuitiv zu erspüren, wie das Publikum tickt. Schüler wollen tendenziell eher das Stampfen der Maschine hören, die wollen soundmäßig weggeblasen werden, ältere Semester mögen die komplexere Darstellung. Das entscheide ich vom Energiefeld des Publikums. Ich kann auch wechseln: erst die mechanische Kraft und dann eine musikalische Metamorphose in die Emotionalität. Entscheidend ist, das Publikum mitzunehmen. Diese Herausforderung macht mir riesig Spaß. Ich kann zur genannten Szene auch ein Vogelmotiv spielen, also etwas, das der Zuschauer überhaupt nicht sieht. Unterbewusst nimmt das Publikum über die Musik wahr: die industrielle Revolution verdrängt die Natur. Diese politische Erkenntnis steckt ja auch im Film! Man muss sie nur freilegen.
Auch in »Metropolis« mündet die ohnmächtige Wut der Menschen in einer gewissen Maschinenstürmerei nach der Devise, zerhacken wir die Maschine, ist das Problem gelöst.
Ähnlich ist es mit den heutigen Globalisierungsängsten. So glauben wir, wenn wir Atomkraftwerke abschalten, die EU zertreten oder TTIP blockieren, ist das Problem weg. Ist es aber nicht. Das ist in diesem alten Film alles schon vorhanden, die Musik macht es wieder lebendig.
Mit deiner Musik kannst du enorm suggestiv arbeiten und Doppelbotschaften schicken, denn Musik wird sehr viel tiefer aufgenommen als das Bild und läuft über unser Bauchhirn. Du hast also stets die Möglichkeit, zweisprachig zu arbeiten.
Mehr noch: Ich kann mit den Händen zwei unterschiedliche Stimmungen erzeugen. Oder mit jedem Finger …
Ein Element deiner Kunst, Subbotschaften zu senden und zu steuern, ohne Untertitel zu benötigen?
Derzeit versuche ich ein Experiment, dass ich im Vorprogramm zeige. Es handelt sich um ganz verrückte, schnell geschnittene Aufnahmen: Ein Mensch fährt im Taxi durch New York, draußen sind absurde Szenen von verrückten Leuten. Mit meiner Musik kann ich den Eindruck erwecken, draußen tobe der Wahnsinn, das Unrecht, vielleicht ist es Gotham City. Es gibt aber auch eine andere Betrachtungsweise: Spiele ich eine eher romantische Musik mit einer bestimmten Melancholie liegt plötzlich das Augenmerk des Zuschauers nicht mehr auf der Stadt, sondern auf dem Fahrgast, auf dem Menschen. Für meine Zuschauer kommt jetzt ein Mensch nach jahrelanger Abwesenheit wieder nach Hause, in die Stadt, die er so liebt, mit allen ihren Verrücktheiten. Ich habe manchmal den Eindruck, mit der Musik Texte übermitteln zu können.
Das hat was von Zauberei …
Filmmusik ist nicht nur eine Verstärkung von Gefühlen, es ist eben auch der Subtext, der unterlegt ist, die Begründung, warum das jetzt in diesem Moment so geschieht.
Noch mal zurück zu dem geplanten Festival. Das läuft bis März 2019 mit 21 Aufführungen in der Kreuzberger Passionskirche?
Ganz genau! Und wir freuen uns riesig darauf. Die besten Komödien, die schönsten Berlinfilme, die abgefahrensten Space- und Science-Fiction-Filme. Und noch einige Specials, die über den Stummfilm hinausgehen.
Da scheint ein Workaholic am Werk zu sein. Du machst ja eigentlich auch alles so gut wie allein von der Vorbereitung über das Marketing bis zur Durchführung.
Ja, das ist ein Problem. Ich bin kein gelernter Unternehmer und habe in den vergangenen Jahren auch viel falsch gemacht. Da ich im Herzen Lehrer bin, habe ich in Praktikanten viel Energie gesteckt und heimlich gehofft, dass sie vielleicht bleiben. Die zogen aber weiter, und die ganze Geschichte hat eigentlich mehr Energie gekostet als Nutzen gebracht. Das habe ich aber erst sehr spät gemerkt. Dann habe ich eine Zeit lang ganz alleine gearbeitet, da bin ich fast umgefallen. Vor einem Jahr habe ich eine Mitarbeiterin eingestellt, es ist wunderbar! Aber es fällt mir auch schwer, zu delegieren, das Projekt ist sehr auf mich zugeschnitten und jede Show ist anders, mit anderen Problemen, die einfach die 20 Jahre Erfahrung erfordern.
Wie lautet eigentlich deine Berufsbezeichnung? Filmpianist? Stummfilmpianist?
Viele bezeichnen mich als Stummfilmpianist. Ich nenne mich Pianist und Komponist und lass das lieber offen. Ich mache ja auch anderes.
Was ist die herausragende Fähigkeit eines Stummfilmpianisten, also dein USP? Wie weit unterscheidest du dich von einem Konzertpianisten oder einem Organisten?
Das ist natürlich genau reingepiekt! Meine Technik, einen Film zu vertonen, unterscheidet sich von jedem anderen, weil ich nach einem anderen Grundprinzip arbeite. Ich nenne es, den Zuhörer in den Film hinein zu saugen. Das führt zu einer vollständig anderen Haltung. Als klassischer Pianist muss ich mein Stück spielen, egal was das Publikum tut. Wenn einer rausgeht, darf ich mich nicht durcheinanderbringen lassen. Ich hingegen höre die ganze Zeit auf das Publikum und reagiere, denn letztendlich übersetze ich den Film für meine Zuschauer. Ich spüre sehr schnell anhand der Publikumsreaktionen, ob ich sie packe. Im Gegensatz zu jedem anderen Filmkomponisten vertone ich einen Film nicht einmal, sondern bin jeden Abend auf der Bühne präsent und kann entsprechend die Musik variieren und weiterentwickeln. Für jede Szene habe ich fünf bis sechs Varianten, zwischen denen ich blitzschnell wechseln kann. Diese Möglichkeit hat ein klassischer Filmkomponist nicht. Es ist also nicht das Abspielen eines Stückes, es ist ein Kommunikationsvorgang. Zwischen Menschen. Es ist eine spontane Sache von Millisekunden.
Du bist Komponist, Pianist und Filmmusiker …
… das sind im Grunde drei verschiedene Tätigkeiten. Als Komponist muss ich die bewegten Bilder umsetzen können. Als Pianist muss ich es spielen können. Aber der Chef ist immer der Filmmusiker, der die Entscheidung trifft, wo die Reise hingeht.
Alles, was du spielst ist durchkomponiert?
Es ist wohl überlegt, sekundengenau, aber ich variiere es ständig. Beispiel: Stan und Olli. Es gibt diesen Running Gag, wo sich die beiden ihre Hüte falsch herum aufsetzen, also Stan setzt sich Ollis zu großen Hut auf und Olli Stans zu kleinen. Bei diesem Gag lachen die Leute immer, nur an einer Stelle lachen sie nicht. Man könnte vermuten, dass den beiden diese Szene nicht gelungen ist. Ich habe mir aber gedacht, dass ich es sein könnte, der etwas nicht richtig verstanden hat. Tatsächlich wird in der Szene davor, das Herunterfallen der Hüte durch eine Parallel-Handlung überlagert. Man übersieht das leicht. Also habe ich das Herunterfallen musikalisch unterstrichen. Man kann dann gar nicht woandershin schauen. Und siehe da: Beim Hut-Vertausch-Gag lachen alle! Welche Töne ich da genau spiele ist nicht so wichtig. Man muss die Mechanik des Gags verstehen! Die Entscheidung, das Herunterfallen zu unterstreichen ist zentral. Auf der zweiten Ebene kann ich jetzt den konkreten Tönen heute diese und morgen jene Färbung geben. Aber auf die Millisekunde präzise. Manchmal entscheide ich mich auch dafür, den Gag zu opfern und dafür eben diese Parallelhandlung wirken zu lassen. Beides geht.
Manchmal atme ich genau so wie die Darsteller, dadurch entsteht eine ganz besondere Nähe. Jeden Abend sitze ich vor der Tastatur und probiere etwas Neues aus. Und ich arbeite oft mit Archetypen. Diese Technik ist anstrengend, aber vielleicht mein Alleinstellungsmerkmal.
Neben der Filmmusikshow arbeitest du an einer Orgel-Space-Sinfonie.
Die Filmmusik-Show ist eine Entertainment-Show in der ich hinter die Kulissen blicken lasse und einige Geheimnisse der Filmmusik enttarne. Gerade schreibe ich an einem großen Werk für Orgel. Das geht ein wenig in die Richtung Deep Purple, Pink Floyd, Cream, Tangerine Dream – aber ohne direkte Zitate.
Psychedelische Musik …
Eben, und auf der Leinwand laufen Wahnsinns-Space-Visuals, aber keine Filme die ich vertone. Entscheidend ist dieses Mal die Musik. Ich spiele auf eine ganz andere Weise, ich denke, so haben die Wenigsten schon eine Orgel gehört. Soll ich dir ein Geheimnis verraten?
Immer raus mit den Geheimnissen!
Eigentlich kann ich gar nicht Orgel spielen. Ich habe keine einzige Orgelstunde in meinem Leben gehabt und gehe eher wie ein Kind an das gewaltige Instrument. Hier mal ziehen, da mal drücken, mich wegpusten lassen … Und plötzlich spiele ich im Königsberger Dom oder eröffne das 3. Internationale Orgelfestival in Kasachstan. Etwas Ähnliches mache ich auch am Klavier. Das war eigentlich eine Idee aus dem Publikum. Bei meiner »Piano Space Rhapsody« benutze ich auch Effekte, wie man sie von E-Gitarren kennt und moderne Loops.
Auf ein weiteres Special freue ich mich übrigens besonderes. Ich habe ein Programm mit den Pantomimen Bodecker und Neander erarbeitet. Die beiden sind fantastisch! Beide haben bei der Pantomime-Legende Marcel Marecau studiert. Ich vertone ihre Stücke, wir schaukeln uns gegenseitig richtig hoch. Es wird ein Fest!
Lesen Sie hier über ein gemeinsames Projekt von Graf Bothmer und Prinz Rupi.

Während Autofahrer und Rettungsdienste starken Schneefall fürchten, bereitet ein weißer Teppich dem Skiwanderer Vergnügen • Sämtliche Fotos: © Ruprecht Frieling
Vom Bildschirm blickt ein Wettergott sorgenvoll auf seine fröstelnden Zuschauer und orakelt kühl: »Es wird bitter, bitter kalt. Es wird so schrecklich kalt, dass wir selbst nicht genau wissen, wie kalt es wirklich werden wird.« Zitternd hüllt sich das Fernsehvolk in warme Decken, nachdem zuvor schon Schreckensberichte aus Moskau den Auftritt von Väterchen Frost mit vierzig und mehr Minusgraden bebilderten. Hier stürzen schlecht gewartete Hallen unter der Last der Schneemassen ein und begraben Menschen, dort rasen Autos auf spiegelglatten Straßen ineinander und zerquetschen Leiber. Der Deutsche, der sich sonst nur noch bei Killerviren, Katastrophen oder Kriegen aus dem Schlummer schält, erwartet den Angriff der klirrenden Kälte und mummelt sich dick ein. HIER geht es weiter →

Ausschließlich aus Papier fertigt Mila mit geschickten Fingern Kleinplastiken und Figuren • Sämtliche Fotos: © Ruprecht Frieling
Papier dient Mila Vázquez Otero als Werkstoff für filigrane Skulpturen. Aus alten Zeitungen und Kleister formen die geschickten Hände der Skulpteurin zierliche Kleinplastiken und Figuren. Ruprecht Frieling besuchte die in Berlin lebende Künstlerin, die sich mit der Gestaltung von Papier-Maché einer weitgehend vergessenen Technik bedient.

Mila Vázquez Otero: »Der Bücherprinz ist kein Papiertiger, sondern ein Berliner Bär« • Sammlung Frieling
Die Altbauten im Herzen Charlottenburgs sind typisch für den Bezirk Berlins, in dem sich das verflossene Westberlin noch immer am deutlichsten gegen die Verschmelzung von Ost und West stemmt. Die gepflegt wirkenden gutbürgerlichen Wohnanlagen entstanden in der Gründerzeit. Teilweise existieren noch Seitenflügel und Gartenhäuser. Einige der Fassaden sind prächtig. Stuckausstattung suggeriert gediegene Wohnatmosphäre, liebevolle Sanierung und ein allgemeines Wohlfühlambiente. Erst an den ausgetretenen Treppenhäusern zeigt sich, wie viele hundert Menschen in diesen vier- bis fünfstöckigen alten Kästen wohnen.
Mila Vázquez Otero lebt in einer kleinen Wohnung im obersten Stock eines dieser Wohngebäude. Platz für ein eigenes Atelier gibt es dort nicht. Der Schreibtisch in ihrem Zimmer dient als Arbeitsplatz, die Küche ist Gesellschaftsraum. Dort schlürfen wir Tee, knabbern selbst gemachte vegane Plätzchen und sprechen über ihre Arbeit.

Mila Vázquez Otero präsentiert die Büste: »Junge Frau« nach einem Gemälde von Piero del Pollaiuolo, das in der Gemäldegalerie in Berlin hängt
Die dunkelhaarige Spanierin modelliert Skulpturen aus Papier-Maché. Diese ursprünglich aus dem orientalischen Raum stammende Technik ist in Europa seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Krippenfiguren und Puppen wurden einstmals daraus gefertigt. Als preiswerter Werkstoff diente zum Ausklang des 18. Jahrhunderts das Material sogar zur Innen- und Außendekoration von Schlössern und Kirchen und ersetzte den teuren Marmor. Im 19. Jahrhundert erlebte das Material seine Blütezeit, schuf die Basis für tausende Arbeitsplätze und begründete im Saarland sogar eine Pappmaché-Dynastie.
Mit der Erfindung vollsynthetisch, industriell produzierter Kunststoffe wie Bakelit Anfang des 20. Jahrhunderts geriet die Kunst des Gestaltens mit Papier in Vergessenheit. Pablo Picasso und Georges Braque setzten dann im Jahr 1912 die entscheidende Zäsur. Erstmals verwendeten sie in ihren Zeichnungen und Bildern »kunstfremde« Materialien wie Papier, die sie ihrem ursprünglichen Kontext entnahmen. In ihrer Traditionsfolge sieht Mila Vásquez Otero ihr Werk.
»Als Kind habe ich schon gern mit Ton gearbeitet und kleine Figuren gestaltet«, erzählt die 1978 im spanischen Galicien Geborene, »und in meiner Schulklasse war ich berühmt für meine Zeichnungen«. Dennoch dauerte es eine Weile, bis Mila Vázquez Otero Papier als ihr gemäßes Material entdeckte und ihre Kunstfertigkeit entfalten konnte.
Milas Vater war Schneider. Er liebte klassische Musik und hätte es wohl am liebsten gesehen, wenn das Töchterchen Musikerin geworden wäre. Die lernte dann auch brav Geige und Klavier. Doch nach dem Tod des Vaters und dem Abitur entschied sie sich für ein Studium der Kunstgeschichte.
Dies begann Mila in Santiago de Compostela und beendete es in Granada mit dem Master-Abschluss. Von dort zog sie im Rahmen des Erasmus-Austauschprogramms weiter nach Rom.
Die Liebe verschlug die zierliche Kunsthistorikerin schließlich nach Berlin. In der deutschen Hauptstadt jobbte sie in einer Galerie und hielt sich mit Spanisch-Unterricht über Wasser. Bei dem auf Kunst ausgerichteten Fernsehsender IkonoTV kuratierte sie Dokumentarfilme über Architektur und Kunst.
Doch obwohl sie in ihrer Wunschbranche tätig war, fehlte ihr etwas. Mila verzweifelte. Sie wusste aus eigenem Erleben, dass es mit zunehmendem Alter schwierig wird, einen langfristigen Job in einer Galerie zu finden. »Plötzlich dachte ich: Ich mache einen Kurs in einer Volkshochschule zum Thema Papier«, entschied sie temperamentvoll und traf damit ins Schwarze. Der Kurs entfachte ein inneres Feuer. Denn schon während der Weiterbildung entstanden vor ihrem inneren Auge Bilder der Arbeiten, die sie fertigen wollte.

»Mayurasana – Der Pfau«. Der Pfau (Mayurasana) ist die 10. Asana der zwölf Grundstellungen der Yoga Vidya Reihe • Sammlung Frieling
»Es ist nicht leicht, mit Papier zu arbeiten«, verrät Mila. »Das Material ist unflexibel und man kann nur in Etappen arbeiten. Vor allem die kleinen Figuren sind sehr schwierig.«
Die Skulptur wird von innen aufgebaut und geformt. Mila reißt Zeitungspapier in passende Streifen und Stücke, bestreicht das Material mit Kleister und legt es um eine Form von zerknülltem Papier. Sie klebt, faltet, knittert, presst, biegt, staucht, knickt, befeuchtet, modelliert, formt, spannt und schichtet das Material, das ihr als Tageszeitung ins Haus geliefert wird.
Schicht um Schicht entsteht und bald wird die gewünschte Form sichtbar. Größere Objekte werden im Inneren mit kleinen Metallstangen fixiert. Dann müssen die collagierten Papiere erst einmal ein paar Tage trocken, bevor weitergearbeitet werden kann. Aus diesem Grunde arbeitet die Künstlerin immer an mehreren Projekten gleichzeitig.
Im nächsten Arbeitsgang werden die Konturen der Plastik mit Schleifpapier nachgearbeitet. »Dann grundierst und lackierst du die Arbeit«, spinne ich den Faden weiter und erinnere mich an verschiedene Pappmaché-Arbeiten, die ich aus Museen kenne. Doch mit der Frage trete ich in ein Fettnäpfchen.
Mila funkelt mich empört an: »Ich bemale sie doch nicht!«.
Oooops! – Wie jetzt? »Aber wie entstehen denn sonst diese grandiosen Muster?«
»Ich arbeite ausschließlich mit Papier. Ich suche die Farben in den Papierfetzen und gestaltete alles ausschließlich daraus. Pinsel und Farben verwende ich grundsätzlich nicht.«
Gleich sehe ich mir ihre Arbeiten noch einmal genauer an und kann es kaum glauben. Die farbenfrohen Papiermaché-Skulpturen sind wie filigrane Mosaiken zusammengesetzt und wirken nur aus der Distanz wie gemalt. Tatsächlich sind die Plastiken komplett aus Papierfetzen gefügt. Ob es sich um Tiere, Büsten oder um eine Serie von Yoga-Positionen handelt: Milas Figurinen bestehen vollständig aus Papier, das am Ende des Trocknungsprozesses hart wie Holz wird. Das erinnert mich an Max Ernst, der selbst mit Papier arbeitete und die perfekte Collage mit dem perfekten Verbrechen verglich, denn »es fehlen die Indizien«.
Wie vertreibt man Kunstwerke aus Papier? Mila Vázquez Otero stellt auf Kunstmärkten aus, wo ich sie auch entdeckt habe. Diese Märkte bieten ihr den direkten Kontakt zum Menschen, sie spürt die Reaktionen der Besucher, genießt die Gespräche und auch die Anerkennung, die ihr für ihre Arbeit wichtig ist. Galerien verwehren diese direkte Möglichkeit und verlangen außerdem als Mittler happige Kommissionen, die verhindern, Kunst zu erschwinglichen Preisen anzubieten.
Über die individuelle Begegnung hinaus öffnet das Netz den Zugang zu Kunstfreunden in aller Welt. Auf der beachtenswerten Homepage der Skulpteurin finden sich Beispiele für die Serien, an denen sie bislang gearbeitet hat. In »Antitrophäen« schlägt sie umweltkritische Töne an, wenn sie eine Schildkröte zeigt, die sich im Plastikmüll verfangen hat und dem Untergang gewidmet ist. In einer anderen Arbeit trägt eine Eisbärin ihr Junges auf dem Rücken und treibt gefangen auf einer Eisscholle auf der Suche nach einem neuen Habitat.
Als typisch für ihre positiv-kritische Sichtweise und ihr Engagement für Natur und Umwelt kann die fröhlich springende Kuh Erica gesehen werden. Durch einen Instagram-Post ließ sich Mila zu dieser Figur inspirieren. Eine Kuh, die sich nicht mehr erheben wollte, wurde kurz vor der Schlachtbank von Tierfreunden gerettet und erstmals in ihrem Leben auf eine grüne Wiese gelassen. Übermütig sprang das Tier über die Weide und vollführte Freudensprünge. »Die Kuh Erica ist für mich ein Beweis, dass Tiere nicht nur eigene Wünsche haben, sondern auch über ein emotionales Bewusstsein sowie Selbstwahrnehmung verfügen«, kommentiert Vázquez Otero.
Aktuell arbeitet die Skulpturenkünstlerin an einer Serie über Alltagsmenschen im Gewand mythologischer Gottheiten. Sie stellt Menschen, die ihr begegnen, in Verbindung mit einem mythologischen Gott dar. Lediglich über den Kopf oder durch Details will Mila zeigen, dass es sich um eine Gottheit handelt.
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Crowdfunding, also das Sammeln von Geld für ein konkretes Projekt, kommt zunehmend auch in der Kunstszene in Mode. Allerdings ist es ein schwieriges und für den Ruf eines Künstlers durchaus riskantes Unterfangen.
Der Begriff »Crowdfunding« stammt aus dem englischen Sprachraum und setzt sich aus den Begriffen »crowd« (»Gruppe«) und »funding« (»Finanzierung«) zusammen. Es geht dabei um die Finanzierung eines Projektes durch eine Personengruppe. Im Deutschen wird gern die Bezeichnung »Schwarmfinanzierung« verwendet.
Eine Crowdfunding-Aktion ist durch eine Mindestkapitalmenge gekennzeichnet, die durch die Fans und Unterstützer eingezahlt sein muss, bevor die eigentliche Produktion startet. Im Verhältnis zur Mindestkapitalmenge leistet jeder Crowdfunder nur einen geringen finanziellen Anteil. Für seinen Einsatz erhält er dafür eine entsprechend gestaffelte Gegenleistung, beispielsweise ein Exemplar des zu produzierenden Werkes, eine namentliche Erwähnung, eine Einladung zu einer Veranstaltung oder eine private Lesung in den eigenen vier Wänden. Je phantasievoller dieses Dankeschön ist, desto höher ist die Chance, dass es angenommen wird.
Die Kommunikation und Abwicklung erfolgt über spezielle Plattformen. Größte deutsche Crowdfunding-Plattform ist startnext.de. Die Community hat seit Gründung im Jahre 2010 über 60 Millionen Euro gesammelt und damit fast siebentausend Projekte realisiert.
International ist Kickstarter.com die größte Plattform. Sie wurde am 28. April 2009 ins Leben gerufen und zielt darauf, die Umsetzung kreativer Projekte zu ermöglichen. Praktisch kommt Kickstarter nur für englischsprachige Projekte infrage.
Die Anmeldung und Einreichung eines Projektes ist für Gründer kostenlos. Nur in dem Fall, dass der gewünschte Betrag erreicht wird, entstehen geringe Gebühren, von der die Plattform lebt. Wird das Ziel innerhalb der vorgegebenen Zeit nicht erreicht, bekommen alle ihr Geld zurück, und es fallen keine Kosten an.

Voll cool: Verlegerin Sandra Vogel finanzierte den »Bienenblues« per Crowdfunding
Wer sich überlegt, sein Projekt über eine Schwarmfinanzierung zu realisieren, sollte anfangs den Verlauf ähnlicher Projekte beobachten. Sinnvoll ist es auch, selbst als Unterstützer tätig zu werden, um das Procedere besser zu verstehen. Neun von zehn Startern unterstützen zuerst ein anderes Projekt, um Crowdfunding richtig kennenzulernen. Auch darüber lassen sich andere Menschen als Unterstützer gewinnen, denn wer nur nimmt, aber nie gibt, wird kaum ein positives Echo erzeugen.
Startnext hat einen Leitfaden für interessierte Gründer veröffentlicht. Daran kann jeder prüfen, ob sein Vorhaben passt. Klug ist es auf jeden Fall, sich vorher mit anderen Foundern auszutauschen, um von ihren Erfahrungen zu lernen. Die Szene ist hilfsbereit und offen. Entscheidend ist in dieser Phase, seine Ideen auf den Punkt zu bringen.
Um konkret loszulegen, wird ein Projektentwurf erarbeitet und ein Pitch-Video erstellt. Darunter versteht man ein möglichst kurzes Video-Statement, in dem der Starter sein Vorhaben vorstellt und begründet, warum er das Geld braucht. Die Argumentation »Ich habe kein Geld, also gebt mir was« ist dabei sicher wenig erfolgreich. Es geht vielmehr darum, dem Zuschauer zu verdeutlichen, welchen Stellenwert das Projekt hat und welchen Nutzen es ihm und/oder der Gemeinschaft eröffnet. Authentizität spielt hierbei die entscheidene Rolle.

Victoria Hohmann, Verlegerin des VHV-Verlages, finanzierte eine Anthologie im Crowdfunding
Im dritten Schritt bittet der Starter Freunde, Fans und Follower, sich das bisher erstellte Projekt anzusehen und konstruktives Feedback zu geben. So können Verbesserungen eingearbeitet werden, bevor das Projekt auf die Menschheit losgelassen wird. Je mehr Personen ein Vorhaben von Anbeginn an unterstützen, desto besser wird es. Ohne Fanbase loszulegen, kann böse ins Auge gehen. Es geht darum, die passende Zielgruppe für ein Projekt gezielt anzusprechen, um die Idee in die Welt hinauszutragen.
Abschließend wird das Fundingziel kalkuliert, also der benötigte Betrag errechnet und die Finanzierungszeit angegeben. Dann wird das Projekt zur Überprüfung freigegeben, und sobald Startnext seinen Segen erteilt, geht es los.
Jetzt sind der Starter und sein Team gefragt. Es gilt, möglichst schnell möglichst viele Leute auf die Projektseite zu locken, um Fans und konkrete Unterstützer zu bekommen. Blogbeiträge helfen hier ebenso wie Veröffentlichungen in den sozialen Medien. Je pfiffiger eine Kampagne gemacht ist, desto größer ist die Chance, in der vorgegebenen Zeit den gewünschten Betrag zu erzielen. Dabei besteht auch durchaus die Chance, mehr Geld zu sammeln als ursprünglich erhofft. Damit kann das Fundingziel erhöht werden.
Am Ende des Finanzierungszeitraums wird bilanziert. Ist alles gut gelaufen, bedankt man sich bei seinen Unterstützern und versendet nach Fertigstellung die verabredeten Dankeschöns. Aber auch, wenn man das Ziel nicht erreicht, ist es eine Selbstverständlichkeit, sich bei denen, die geholfen haben, zu bedanken. In dem Fall bekommen die Unterstützer ihr eingezahltes Geld zurück.
Das Fundingziel kann in beliebiger Höhe angesetzt werden. Es sollte allerdings im Verhältnis zum erwarteten Ergebnis realistisch bleiben.
Eines der bislang größten Crowdfunding-Projekte fand im Dezember 2011 statt. Für den geplanten Kinofilm zur TV-Serie »Stromberg« sammelte die Firma Brainpool innerhalb einer Woche die Plansumme von 1 Million Euro. In dem Fall spielte allerdings eine Gewinnerzielungsabsicht mit in die Überlegungen ein, die im Ergebnis auch erfüllt wurde.
2014 suchten 25 Journalisten, die sich »Krautreporter« nannten, Geld für ihr Online-Magazin, das sich ausschließlich durch den Schwarm finanziert. 15.000 Unterstützer sollten gefunden werden, die bereit waren, einmalig einen Betrag von 60 Euro zu zahlen. Am Ende kamen statt der gewünschten 900.000 Euro fast 1 Million zusammen.
Eines der erfolgreichsten Buchprojekte in Deutschland war Terminkalender, Lebensplaner und Sachbuch zugleich. Er hieß »Ein guter Plan« und funktionierte komplett offline für ein Produkt aus Leinen und Papier.
5.504 Menschen unterstützten das Projekt auf Startnext. Kein anderes Projekt hatte bislang so viele Supporter.
Das Fundingziel war auf 15.000 Euro festgeschrieben. Tatsächlich kam die fantastische Summe von € 190.192,00 zusammen. Das entspricht 1.268 Prozent!
Video-Pitch für das Crowdfunding-Projekt »Ring des Nibelungen«
Für mein vierteiliges Live-Projekt »Der Ring des Nibelungen« mit Stefan Kaminski wollte ich einen Teil der Hörbuchkosten sammeln. Das Fundingziel hatte ich auf fünftausend Euro angesetzt. Die Fans machten begeistert mit: Fast zwanzig Prozent mehr gingen ein.
Die gesamte Aktion war allerdings weitaus kräftezehrender und anstrengender, als ich mir anfangs ausgemalt hatte. Es bedurfte intensiver PR- und Werbearbeit, um das Ziel zu erreichen. In Zeit umgerechnet, hätte ich das Geld sicherlich sehr viel leichter verdienen können als durch Crowdfunding. Aber ich bekam nicht nur das Geld.
Ich gewann 99 hochaktive Unterstützer, die das Projekt begleiteten. Sie besuchten unsere Shows im Deutschen Theater Berlin, an der Frankfurter Oper, in Bayreuth, Dresden, München, Wien und anderen Orten, sie empfahlen unsere DVDs, Hörbücher und Opern(ver)führer und wurden damit auf ihren Kanälen aktive und zuverlässige Markenbotschafter. Dieser Mehrwert lässt sich nicht in Geld beziffern. Dies ist eins der unbezahlbaren Ergebnisse erfolgreichen Crowdfundings.
Video-Pitch für das Crowdfunding-Projekt »Bienenblues«
Beim Buchprojekt »Bienenblues« taten sich Autorin Jasmin Köchls und Verlegerin Sandra Vogel zusammen. Sie erreichten für ihr cooles Projekt das Fundingziel von 7.500 Euro zur Produktion eines Hardcovers. Aufgrund des tollen Erfolges setzen sie ihr zweites Fundingsziel auf zehntausend Euro und konnten im Ergebnis stolze 9.667,00 Euro kassieren. Das sind knapp 30 Prozent über dem erwarteten Betrag.
Das erfolgreiche Duo konnte damit abschätzen, dass ein lebhaftes Interesse an dem Buch und seinem brandaktuellen Thema bestand. Das verlegerische Risiko konnte im Ergebnis mit Hilfe von 245 Unterstützern erheblich minimiert werden. Und auch in diesem Fall schwärmen jetzt 245 Markenbotschafter aus, um bienenfleißig das Buch zu umwerben.
Es ist für jeden Starter bitter, wenn eine Aktion floppt und das Fundingziel nicht erreicht wird. Hier gilt es zu analysieren, was schief lief.
Existierte kein Interesse oder kein Bedarf für das vorgestellte Projekt? Überschätzte der Gründer die Zahl seiner Fans und Unterstützer? War das Projekt mangelhaft vorbereitet? Gab es unzureichende Kommunikation zwischen Starter und Zielgruppe?
Es reicht keinesfalls, zu behaupten, die ganze Welt würde auf ein Projekt warten. Abgesehen davon, dass derartige Sprüche von kritischen Lesern belächelt werden, fragt sich doch jeder, warum er denn in einem derartigen Fall überhaupt angebettelt wird.
Andererseits ist ein Flop kein Weltuntergang. Wer ein gutes Nischenprodukt vorweisen kann, der wird auch entsprechende Unterstützung finden. Er muss nur alles richtig machen. Der Schwarm wird es dann schon richten. Immerhin enden weit mehr als die Hälfte aller Crowdfunding-Projekte in Deutschland erfolgreich.
Kaum zu glauben: Mein Kanal auf YouTube verzeichnet inzwischen mehr als 1 Million Besucher! Und es werden täglich mehr … HIER geht es weiter →

Der Schwedter Fotograf Frank Wiemeyer zeigt interessierten Besuchern sein für den deutschen Fotobuchpreis nominiertes Buch »Gebrochene Poesie Uckermark« Fotos: © Thomas Richert
Erstmals fand jetzt eine Buchmesse für Verlage, Autorinnen und Autoren aus Brandenburg in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam statt. Aussteller aus vielen Teilen des weiten Flächenlandes sowie der Landeshauptstadt zeigten große, kleine und preisgekrönte Buchkunst sowie Bücher mit und für Lyrik, Fotografie, Belletristik, Sach- und Künstlerbücher, populärwissenschaftliche Werke sowie eine Vorschau von Veröffentlichungen zum Fontane-Jahr. HIER geht es weiter →

Verkleidet euch als Blumen und die Bienen werden kommen! Sam Feuerbach, Mira Valentin mit Leibwächter Thomas Hertz und Prinz Rupi auf der BuchBerlin 2018. Sämtliche Fotos: ©Ruprecht Frieling
Rund 300 verlagsunabhängige Autoren, Kleinverleger und Dienstleister trafen auf der inzwischen fünften BuchBerlin zwei Tage lang mehr als dreitausend interessierte Fans von Büchern, die abseits des Mainstreams der großen Verlage blühen. Die Messe versammelte die Paradiesvögel der Literaturszene und gestaltete sich damit zu einem Blütenmeer von Menschen, deren Herzen für das geschriebene Wort brennen. HIER geht es weiter →
