
»Ceci n´est pas une pipe« … Das ist auch keine Pfeife. Hommage an René Magritte. KI-Kunstwerk von Prinz Rupi
Die Motive des Surrealisten René Magritte gehören zu den bekanntesten Bilderfindungen des 20. Jahrhunderts: das sich unter Decken umarmende Paar, der riesige Apfel in einem Zimmer, die Wolken, die durch ein Haus ziehen – und natürlich »Ceci n´est pas une pipe«, geschrieben unter das Bild einer Pfeife, damit wir auf immer realisieren, dass nichts so ist, wie es scheint. Und dass ein Bild immer ein Bild bleibt und nie Wirklichkeit wird. HIER geht es weiter →

Besucher der Kölner Reinkarnation Art Academy vor Michael Hutters Triptychon »Der Triumph des Fleisches« Fotos: © Ruprecht Frieling
Michael Hutters verstörende Bilderwelt erinnert an Hieronymus Bosch: Außerirdische Monster und Schlingpflanzen mit Krakenarmen umspinnen bildschöne junge Frauen. Der skelettierte Tod beobachtet ein junges Paar beim Liebesspiel. Nackte Menschen versuchen verzweifelt, grässliche Monstren zu bändigen. Affen zeigen den Schönen einen Spiegel und damit ihre Vergänglichkeit. Überall lauert Gier, Geilheit, Gewalt. Ruprecht Frieling hat den Künstler mit der unheimlichen Phantasie in Köln getroffen.
Der Maler, Illustrator und Autor Michael Hutter lebt in Köln. Die Visionen von Himmel und Hölle, von Fegefeuer und Jüngstem Gericht, die von der katholischen Amtskirche als Kinderschreck farbenprächtig beschworen werden, wühlten den 1963 geborenen bereits in jungen Jahren auf. Nun spiegeln sie sich in seinen Arbeiten wider.
Michael Hutter spürte früh sein Interesse, sich mit Pinsel und Farbe auszudrücken. Von 1983 bis 1986 war er Schüler an der ehemaligen FH Köln im Fachbereich Freie Malerei bei Professor Karl Marx. Kurz darauf entstanden die ersten Gemälde-Zyklen.
Hutter zeigt Lust und Laster, wie sie in den sieben Todsünden gepredigt werden: Wollust, Zorn, Neid, Völlerei, Hochmut, Trägheit und Habgier sind Gegenstand seiner Arbeit. Für ihn ist Gott das wahre Monster, und die Hölle existiert auf Erden. Dabei wohnt allem Sündenfall ein hocherotisches Spannungsmoment inne, bei dem vor allem das weibliche Geschlecht erstaunlich aktiv ist.
Der Maler erinnert sowohl thematisch als auch technisch an den niederländischen Renaissance-Maler Hieronymus Bosch (1450-1516), dessen teils rätselhafte Darstellungen unverändert faszinieren. Wie Bosch verewigt Hutter in Öl auf Holz dämonische Fabelwesen und Figuren neben zwei- und vierbeinigen Wesen mit teils abscheulichen Tierköpfen. Seine Bestiarien sind in hohem Maße allegorisch angelegt.
»Dem erbärmlichen Geist ist es zu eigen, stets nur Klischees und niemals eigene Einfälle zu verwenden.« Hieronymus Bosch
Analog zum Triptychon »Der Garten der Lüste« von Bosch hat Michael Hutter das dreiteilige Tafelwerk »Der Triumph des Fleisches« geschaffen.
Im linken Flügel kommt eine Menschenkette einen Berg hinunter, auf dessen Gipfel ein Unterseeboot ähnlich einer Arche Noah gestrandet ist. An der Spitze dieser Prozession porträtiert sich der Künstler am Gängelband einer stolzen Frau als mageres Äffchen mit steifem Genital sogar selbst.
Auf dem rechten Flügel des Dreiteilers tanzen Nackte befreit einen Reigen um einen Obstbaum, auf dem Äpfel der ewigen Jugend wachsen und lieben sich in Blütenkelchen.
Auf der Mitteltafel kämpfen Menschen nahezu verzweifelt gegen Monsterwesen, die sie gebären und wieder verschlingen. Im Hintergrund fährt ein Dampfzug über eine hohe Brücke in Richtung Stadt.
Die fauchende Lokomotive taucht auch in seiner Arbeit »Exodus – Der letzte Zug« auf. Während eine endlos lange Schlange merkwürdig gewandeter Gestalten aus einer mittelalterlichen Stadt im eisigen Hochgebirge flieht, entgleist der letzte Zug mitsamt seiner Waggons auf einem Viadukt und stürzt Feuer speiend und laut krachend in die Tiefe.
Das Gemälde wirkt wie eine Illustration der letzten Zeile des berühmten Gedichts »Weltende« von Jakob van Hoddis aus dem Jahre 1910: »Eisenbahnen fallen von den Brücken.« Hutters Bildwelt ist Apokalypse pur, wenn sich des »eisernen Himmels blutende Tore« (Hoddis) öffnen. Seine Dystopie in Öl wirkt gleichermaßen erschreckend wie erlösend.
Die Hölle schafft sich selbst. Wir Menschen sind die wahren Dämonen. Das ist das Gesetz unserer Natur.
Mehr über Michael Hutter: https://www.kunstkrake.de
Der niederländische Ausnahmekünstler Jan Bouman ist am 16. Juli 2019 um 17:15 auf seine letzte Reise gegangen. Jan war ein halbes Jahrhundert lang mein bester Freund. Ich danke einem wundervollen Mann für fünfzig lange Jahre unverbrüchliche Freundschaft.
Kennengelernt habe ich Jan Bouman in den wilden 68er-Jahren im damaligen Westberlin. Er bewohnte mit seiner wundervollen Frau, der Künstlerin Beatrix Fey und ihrem 1969 geschlüpften Sohn Silvan eine Zwei-Zimmer-Dachgeschosswohnung mit Aussenklo im Kreuzberger Mehringdamm 49. Diese Wohnung übernahm ich von Familie Bouman, als sie nach Enschede zogen.
Jan Bouman wurde am 11. Oktober 1945 im niederländischen Enschede geboren. Er ging nach Westberlin und besuchte von 1968 bis 1973 die Hochschule für Bildende Künste in Westberlin. Dort stellte er im Mai-Salon des Hauses am Lützowplatz aus, und ich entdeckte seine Bilder.
Es folgten zahlreiche Einzelausstellungen in Berlin, Göttingen, Amsterdam, Utrecht, Eschede, Deventer, Hengelo, Den Haag, Zwolle.
Den ersten Katalog mit Arbeiten von Jan Bouman veröffentlichte ich 1983 unter dem Titel »Ebenen der Wirklichkeit« in meinem damaligen Berliner Verlag. Der Titel ist bisweilen noch antiquarisch lieferbar.
Das Vorwort zum Katalog schrieb ich unter Pseudonym, da Jan den Text auf niederländisch übersetzen wollte. In dem Sprachumfeld klang „Johannes Baathorn“ holländischer und seriöser als „Ruprecht Frieling“.
Der Katalog schuf einen Einblick in Boumans eigene, unverwechselbare Bildsprache. Diese lässt sowohl Einflüsse der Meister der Altarbilder des Münsterlandes, flämischer Primitiver, Hieroynmus Bosch und Pierro della Francesca bis hin zu Max Beckmann, de Chirico und Dali erkennen.
Homepage des Künstlers: www.janbouman.com

1976: Der dreißigjährige Jan Bouman als spritziger junger Künstler voller Träume, Hoffnungen und Phantasien in Bentheim

Der siebzigjährige Jan Bouman in seinem Atelier in Enschede, Braamlanden: abgeklärt, weise und immer zu einem Spaß für den fotografierenden Freund bereit
Zahlreiche Pastelle von Jan Bouman entstanden in unserem gemeinsamen Zusammenwirken. Häufig war mein Wappentier, die Schnee-Eule, Gegenstand der Arbeiten. Die Zusammenarbeit mit Jan Bouman war stets eine besondere Freude: Er verstand es meisterhaft, Bilder, von denen ich eine genaue Vorstellung in meinem Kopf trug, diese aber nur verbal wiedergeben konnte, zu verstehen und zu visualisieren.
Jan Boumans Illustrationen fanden häufig Verwendung als Titel. Für meine Lebensabschnittsgeschichte „Der Bücherprinz“ malte und zeichnete er eine Schneeeule, die Bücher aus einem Zylinder zaubert. Von dann an bestellte ich Eulen-Pastelle in allen Variationen.
Kubanische Kunst ist im Kommen. Ein Beispiel für die Qualität der Arbeiten kubanischer bildender Künstler ist Zenen Vizcaino Ortiz.
Zenen Vizcaino Ortiz wurde 1962 in der kubanischen Hauptstadt Havanna geboren. Er besuchte die »Academia de Bellas Artes San Alejandro« und absolvierte sie erfolgreich im Jahre 1990. Die Kunsthochschule »San Alejandro« ist die älteste und angesehenste Ausbildungsstätte für bildende Künstler auf Kuba. Sie befindet sich im Vorort Marianao und wurde 1818 von dem französischen Maler Jean Baptiste Vermay ins Leben gerufen.
1990 trat Zenen Vizcaino Ortiz erstmals mit einer viel beachteten Einzelausstellung »De Buena Tinta. (Malas Palabras …)« in Havannas Centro de Arte in die Öffentlichkeit.
Mittlerweile hat der Künstler an mehr als 50 Ausstellungen in aller Welt teilgenommen und dabei zahlreiche Preise und Auszeichnungen kassiert.
Zenen Vizcaíno Ortiz malt in realistischer Manier in Öl. Seine Arbeiten sind durch zahlreiche surreale Elemente und Verfremdungen gekennzeichnet. Bei den hier vorgestellten Arbeiten aus privater Sammlung handelt es sich um Ölgemälde, die der Künstler auf alten Mustertapeten ausführte. Der Malgrund lässt die weichen Farben, in denen der Künstler arbeitet, wundervoll kontrastieren und hervortreten.
Kontakt zum Künstler über frieling@aol.com

Manische Wiegenlieder
Zierfische in Fensterbuchten,
starren stumm auf Straßenschluchten.
Zwei Schatten wühlen dort in Tonnen,
Frau Sonne onaniert voll Wonnen.
Enthüllt: Denkmal für Prinz Rupi
Von Dr. Karel Kaoß,
Kulturredaktion BLOGSDORFER ANZEIGER
Berlin (Eigenbericht). Im Park des Berliner Prinzenpalais wurde soeben eine lebensgroße Skulptur enthüllt, die der sächsische Bildhauer Knut van der Vinzburg zum 60. Geburtstag von Prinz Rupi geschaffen hat. Sie zeigt den Hausherrn als das, was er wirklich ist: ein Blechkamerad.
Der als »Bücherprinz« bekannte Autor und Verleger wird in dem Kunstwerk als Schreibender dargestellt. Neben dem Stuhl, auf dem er im Gehrock thront und mit spitzer Feder ein Buch schreibt, beflügelt ihn eine verschmitzt schauende Schneeeule. Auf dem rechten Fuß der feuerverzinkten Figur tanzt ein beschwipstes Wundertier, das der Künstler »PapaRupil« nennt. Die Skulptur wurde in der Schönbrunner Kunstschmiede Aurin aus getriebenem Blech gefertigt und mit Eisenglimmer veredelt.
Knut van der Vinzburg, der Schöpfer des Denkmals, erblickte 1964 in Dresden das Licht der Welt. Schon als Kind fiel sein Talent in einem Zeichenzirkel auf. Nach einer Ausbildung zum Kunstschlosser arbeitete er in der Denkmalpflege von Elbflorenz. 1988 gaben die DDR-Behörden seinem Ausreiseantrag nach Westberlin statt. Mit dem Meisterbrief in der Tasche kehrte er 1996 wieder nach Dresden zurück und arbeitet seitdem als freischaffender Maler, Kunstschmied, Restaurator und Metallgestalter.
Vinzburgs besonders Interesse gilt dem Surrealismus: »Der Surrealismus verschafft Zutritt in nie erreichbare Dimensionen und bringt mit seinen ausgemalten Phantasien einen unverwechselbaren Hauch der Realität«, meint der Farbvisionär, für dessen Werk expressive Farbgestaltung und ein deutlicher Drang zur geometrischen Form typisch sind.
Mehr über den Künstler findet sich auf folgender Seite: http://mal-kunst.de/

Eine großartige Version von Jarrys Drama „König Ubu“ zeigt das Wandertheater „Ton & Kirschen“ Fotos: © W. R. Frieling
Einer der ältesten Texte, der dem Surrealismus ebenso wie Dada zugeordnet wird, stammt von dem französischen Autor Alfred Jarry und heißt König Ubu (im Original: Ubu Roi). Das Drama in fünf Akten wird sowohl gern im Französischunterricht gelesen als auch auf der Bühne von alternativen Theaterensembles aufgeführt und erfreut sich in jüngerer Zeit wachsender Beliebtheit.
Vater Ubu ist ein genusssüchtiger fetter Wanst, der nur an sich und seine heiß geliebte Leberwurst denkt. Der ständig wüst schimpfende Ubu steht aber auch als Metapher für das Monster, das im Menschen steckt. Er verkörpert die Fleisch gewordene Lust am Fressen, Rauben und Morden.
Mit Hilfe seiner Frau, die ihn aufstachelt und mittels einiger Getreuer, denen er Privilegien verspricht, ermordet Ubu den König von Polen, übernimmt die Staatsgewalt und setzt sich selbst die Krone auf. Als König Ubu presst er fortan seine Untertanen aus und lässt dabei alle Widersacher ebenso schnell beseitigen wie die reichen Adligen, deren Besitztümer er sich aneignet.
Die alten Eliten sind ihm zu kostspielig, für das Geld könne man besser Leberwurst konsumieren. Sie enden im Schnellverfahren in der Enthirnungsmaschine.
König Ubu will schließlich den russischen Zaren unterwerfen und zieht gegen Moskau. Dabei erweist er sich als feige und ängstlich. Während seine Leute sterben, macht er sich zynisch aus dem Staub und flieht mit seiner Frau und einem Teil der geraubten Schätze nach Frankreich, wo er als Doktor der Pataphysik unterschlüpft.
Autor Alfred Jarry schuf mit dem kritischen Text einen nahezu zeitlosen Kommentar zu gewissenlosen Machtmenschen und Diktatoren, der heute ebenso gültig ist wie vor mehr als 100 Jahren. Vor allem mit Ubus berühmten Schimpftiraden löste er bei der Uraufführung in Paris anno 1896 einen handfesten Theaterskandal aus. Erst viel später sollten Kritiker erkennen, dass dem exzentrisch-genialen Autor ein Wurf gelungen war, der den Beginn des modernen Dramas in Frankreich kennzeichnet.

Jarrys Text ist von teilweise ätzender Komik und mischt Techniken der burlesk-derben Commedia dellarte mit intellektueller Sprachkomik. Mit teilweise absurden Pointen assoziiert er Gedanken über die Verführbarkeit des Menschen durch das Ungeheuer, das ein Teil seiner selbst ist und dem er nur allzu gern gehorcht.
Der Autor überzeichnet das Böse und überspannt den Bogen dabei derart, dass Grauen in Gelächter umschlägt. So wird der Schauder zur Groteske, und indem dem Rezipienten keine andere Chance bleibt, als sich lachend zu distanzieren, mag er die Furcht vor dem Wiederaufleben einer Diktatur abbauen, deren zyklisches Auftauchen Jarry lange vor der Ära des Faschismus in der Natur des Individuums festmachte.
Von Alfred Jarry (1873 1907) stammt auch der Roman Heldentaten und Ansichten des Doktor Faustroll. Dieses Werk gilt als Gründungsdokument der von dem Autor erfundenen Pataphysik, der Wissenschaft von den imaginären Lösungen, die der Blogger Trithemius gern zitiert. In dem Werk wird die abenteuerliche Seereise des Doktors der Pataphysik Faustroll mit einem Gerichtsvollzieher und einem Pavian auf der Seine beschrieben.
Alfred Jarry: König Ubu
Verlag Reclam, Ditzingen 1995
ISBN 978-3150094464
80 Seiten 2,60
