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Crowdfunding für Kunstprojekte: Mit Moos mehr los

Dezember 12, 2018
by Ruprecht Frieling
Crowdfunding, Schwarmfinanzierung
5 Comments
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Mit Moos mehr los

Mit mehr Moos ist auch im Kulturbereich entschieden mehr los • Fotos: ©Ruprecht Frieling

Crowdfunding, also das Sammeln von Geld für ein konkretes Projekt, kommt zunehmend auch in der Kunstszene in Mode. Allerdings ist es ein schwieriges und für den Ruf eines Künstlers durchaus riskantes Unterfangen.

Der Begriff »Crowdfunding« stammt aus dem englischen Sprachraum und setzt sich aus den Begriffen »crowd« (»Gruppe«) und »funding« (»Finanzierung«) zusammen. Es geht dabei um die Finanzierung eines Projektes durch eine Personengruppe. Im Deutschen wird gern die Bezeichnung »Schwarmfinanzierung« verwendet.

 

So funktioniert Crowdfunding

 

Startnext Logo gruen weiss

Logo von startnext.de, der größten deutschen Crowdfunding-Plattform

Eine Crowdfunding-Aktion ist durch eine Mindestkapitalmenge gekennzeichnet, die durch die Fans und Unterstützer eingezahlt sein muss, bevor die eigentliche Produktion startet. Im Verhältnis zur Mindestkapitalmenge leistet jeder Crowdfunder nur einen geringen finanziellen Anteil. Für seinen Einsatz erhält er dafür eine entsprechend gestaffelte Gegenleistung, beispielsweise ein Exemplar des zu produzierenden Werkes, eine namentliche Erwähnung, eine Einladung zu einer Veranstaltung oder eine private Lesung in den eigenen vier Wänden. Je phantasievoller dieses Dankeschön ist, desto höher ist die Chance, dass es angenommen wird.

Die Kommunikation und Abwicklung erfolgt über spezielle Plattformen. Größte deutsche Crowdfunding-Plattform ist startnext.de. Die Community hat seit Gründung im Jahre 2010 über 60 Millionen Euro gesammelt und damit fast siebentausend Projekte realisiert.

International ist Kickstarter.com die größte Plattform. Sie wurde am 28. April 2009 ins Leben gerufen und zielt darauf, die Umsetzung kreativer Projekte zu ermöglichen. Praktisch kommt Kickstarter nur für englischsprachige Projekte infrage.

Die Anmeldung und Einreichung eines Projektes ist für Gründer kostenlos. Nur in dem Fall, dass der gewünschte Betrag erreicht wird, entstehen geringe Gebühren, von der die Plattform lebt. Wird das Ziel innerhalb der vorgegebenen Zeit nicht erreicht, bekommen alle ihr Geld zurück, und es fallen keine Kosten an.

 

Empfehlungen für Starter

 

BuchBerlin 2018

Voll cool: Verlegerin Sandra Vogel finanzierte den »Bienenblues« per Crowdfunding

Wer sich überlegt, sein Projekt über eine Schwarmfinanzierung zu realisieren, sollte anfangs den Verlauf ähnlicher Projekte beobachten. Sinnvoll ist es auch, selbst als Unterstützer tätig zu werden, um das Procedere besser zu verstehen. Neun von zehn Startern unterstützen zuerst ein anderes Projekt, um Crowdfunding richtig kennenzulernen. Auch darüber lassen sich andere Menschen als Unterstützer gewinnen, denn wer nur nimmt, aber nie gibt, wird kaum ein positives Echo erzeugen.

Startnext hat einen Leitfaden für interessierte Gründer veröffentlicht. Daran kann jeder prüfen, ob sein Vorhaben passt. Klug ist es auf jeden Fall, sich vorher mit anderen Foundern auszutauschen, um von ihren Erfahrungen zu lernen. Die Szene ist hilfsbereit und offen. Entscheidend ist in dieser Phase, seine Ideen auf den Punkt zu bringen.

Um konkret loszulegen, wird ein Projektentwurf erarbeitet und ein Pitch-Video erstellt. Darunter versteht man ein möglichst kurzes Video-Statement, in dem der Starter sein Vorhaben vorstellt und begründet, warum er das Geld braucht. Die Argumentation »Ich habe kein Geld, also gebt mir was« ist dabei sicher wenig erfolgreich. Es geht vielmehr darum, dem Zuschauer zu verdeutlichen, welchen Stellenwert das Projekt hat und welchen Nutzen es ihm und/oder der Gemeinschaft eröffnet. Authentizität spielt hierbei die entscheidene Rolle.

BuchBerlin 2018 43

Victoria Hohmann, Verlegerin des VHV-Verlages, finanzierte eine Anthologie im Crowdfunding

Im dritten Schritt bittet der Starter Freunde, Fans und Follower, sich das bisher erstellte Projekt anzusehen und konstruktives Feedback zu geben. So können Verbesserungen eingearbeitet werden, bevor das Projekt auf die Menschheit losgelassen wird. Je mehr Personen ein Vorhaben von Anbeginn an unterstützen, desto besser wird es. Ohne Fanbase loszulegen, kann böse ins Auge gehen. Es geht darum, die passende Zielgruppe für ein Projekt gezielt anzusprechen, um die Idee in die Welt hinauszutragen.

Abschließend wird das Fundingziel kalkuliert, also der benötigte Betrag errechnet und die Finanzierungszeit angegeben. Dann wird das Projekt zur Überprüfung freigegeben, und sobald Startnext seinen Segen erteilt, geht es los.

Jetzt sind der Starter und sein Team gefragt. Es gilt, möglichst schnell möglichst viele Leute auf die Projektseite zu locken, um Fans und konkrete Unterstützer zu bekommen. Blogbeiträge helfen hier ebenso wie Veröffentlichungen in den sozialen Medien. Je pfiffiger eine Kampagne gemacht ist, desto größer ist die Chance, in der vorgegebenen Zeit den gewünschten Betrag zu erzielen. Dabei besteht auch durchaus die Chance, mehr Geld zu sammeln als ursprünglich erhofft. Damit kann das Fundingziel erhöht werden.

Am Ende des Finanzierungszeitraums wird bilanziert. Ist alles gut gelaufen, bedankt man sich bei seinen Unterstützern und versendet nach Fertigstellung die verabredeten Dankeschöns. Aber auch, wenn man das Ziel nicht erreicht, ist es eine Selbstverständlichkeit, sich bei denen, die geholfen haben, zu bedanken. In dem Fall bekommen die Unterstützer ihr eingezahltes Geld zurück.

 

Wie viel Geld kann man sammeln?

 

Das Fundingziel kann in beliebiger Höhe angesetzt werden. Es sollte allerdings im Verhältnis zum erwarteten Ergebnis realistisch bleiben.

Eines der bislang größten Crowdfunding-Projekte fand im Dezember 2011 statt. Für den geplanten Kinofilm zur TV-Serie »Stromberg« sammelte die Firma Brainpool innerhalb einer Woche die Plansumme von 1 Million Euro. In dem Fall spielte allerdings eine Gewinnerzielungsabsicht mit in die Überlegungen ein, die im Ergebnis auch erfüllt wurde.

krautreporter2014 suchten 25 Journalisten, die sich »Krautreporter« nannten, Geld für ihr Online-Magazin, das sich ausschließlich durch den Schwarm finanziert. 15.000 Unterstützer sollten gefunden werden, die bereit waren, einmalig einen Betrag von 60 Euro zu zahlen. Am Ende kamen statt der gewünschten 900.000 Euro fast 1 Million zusammen.

 

Crowdfunding für »Ein guter Plan«

 

ein guter plan

Das Projekt »Ein guter Plan« brachte fantastische € 190.192,00 zusammen

Eines der erfolgreichsten Buchprojekte in Deutschland war Terminkalender, Lebensplaner und Sachbuch zugleich. Er hieß »Ein guter Plan« und funktionierte komplett offline für ein Produkt aus Leinen und Papier.

5.504 Menschen unterstützten das Projekt auf Startnext. Kein anderes Projekt hatte bislang so viele Supporter.

Das Fundingziel war auf 15.000 Euro festgeschrieben. Tatsächlich kam die fantastische Summe von € 190.192,00 zusammen. Das entspricht 1.268 Prozent!

 

Crowdfunding für den »Ring des Nibelungen«

 

Video-Pitch für das Crowdfunding-Projekt »Ring des Nibelungen«

Für mein vierteiliges Live-Projekt »Der Ring des Nibelungen« mit Stefan Kaminski wollte ich einen Teil der Hörbuchkosten sammeln. Das Fundingziel hatte ich auf fünftausend Euro angesetzt. Die Fans machten begeistert mit: Fast zwanzig Prozent mehr gingen ein.

Die gesamte Aktion war allerdings weitaus kräftezehrender und anstrengender, als ich mir anfangs ausgemalt hatte. Es bedurfte intensiver PR- und Werbearbeit, um das Ziel zu erreichen. In Zeit umgerechnet, hätte ich das Geld sicherlich sehr viel leichter verdienen können als durch Crowdfunding. Aber ich bekam nicht nur das Geld.

Bildschirmfoto 2018 12 12 um 18.35.09

Ich gewann 99 hochaktive Unterstützer, die das Projekt begleiteten. Sie besuchten unsere Shows im Deutschen Theater Berlin, an der Frankfurter Oper, in Bayreuth, Dresden, München, Wien und anderen Orten, sie empfahlen unsere DVDs, Hörbücher und Opern(ver)führer und wurden damit auf ihren Kanälen aktive und zuverlässige Markenbotschafter. Dieser Mehrwert lässt sich nicht in Geld beziffern. Dies ist eins der unbezahlbaren Ergebnisse erfolgreichen Crowdfundings.

 

Crowdfunding für das Buch »Bienenblues«

 

Video-Pitch für das Crowdfunding-Projekt »Bienenblues«

Beim Buchprojekt »Bienenblues« taten sich Autorin Jasmin Köchls und Verlegerin Sandra Vogel zusammen. Sie erreichten für ihr cooles Projekt das Fundingziel von 7.500 Euro zur Produktion eines Hardcovers. Aufgrund des tollen Erfolges setzen sie ihr zweites Fundingsziel auf zehntausend Euro und konnten im Ergebnis stolze 9.667,00 Euro kassieren. Das sind knapp 30 Prozent über dem erwarteten Betrag.

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Das erfolgreiche Duo konnte damit abschätzen, dass ein lebhaftes Interesse an dem Buch und seinem brandaktuellen Thema bestand. Das verlegerische Risiko konnte im Ergebnis mit Hilfe von 245 Unterstützern erheblich minimiert werden. Und auch in diesem Fall schwärmen jetzt 245 Markenbotschafter aus, um bienenfleißig das Buch zu umwerben.

 

Wenn Crowdfunding schief geht

 

2018 12 01 Crowdfunding Vera Nentwich

Auch das mögliche Scheitern sollte vor Beginn einer Kampagne bedacht werden

Es ist für jeden Starter bitter, wenn eine Aktion floppt und das Fundingziel nicht erreicht wird. Hier gilt es zu analysieren, was schief lief.

Existierte kein Interesse oder kein Bedarf für das vorgestellte Projekt? Überschätzte der Gründer die Zahl seiner Fans und Unterstützer? War das Projekt mangelhaft vorbereitet? Gab es unzureichende Kommunikation zwischen Starter und Zielgruppe?

Es reicht keinesfalls, zu behaupten, die ganze Welt würde auf ein Projekt warten. Abgesehen davon, dass derartige Sprüche von kritischen Lesern belächelt werden, fragt sich doch jeder, warum er denn in einem derartigen Fall überhaupt angebettelt wird.

Andererseits ist ein Flop kein Weltuntergang. Wer ein gutes Nischenprodukt vorweisen kann, der wird auch entsprechende Unterstützung finden. Er muss nur alles richtig machen. Der Schwarm wird es dann schon richten. Immerhin enden weit mehr als die Hälfte aller Crowdfunding-Projekte in Deutschland erfolgreich.

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