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Wolf Wondratschek: Roman für nur einen Leser

April 15, 2015
by Ruprecht Frieling
Lyrik, Marketing, politisches Buch, Sammlung Frieling, Self-Publishing
5 Comments
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wondratschek carmen 600pix

Ein Original-Wondratschek aus der Sammlung Frieling

Darf man ein Buch lediglich für einen einzigen Leser schreiben, der es dann möglicherweise für immer unter Verschluss hält? – Wolf Wondratschek (* 14. August 1943) darf es. Oder besser gesagt: Er tut es einfach, weil es ihm Spaß macht. Mit seinem Coup löst der James Dean der deutschen Poesie erbitterte Diskussionen im Netz aus.

Autor Markus Walther findet es »irgendwie dekadent«. Buch-Bloggerin Daphne Buchundmoor hingegen zieht den Hut: »Genial gelöst! Er hat jetzt Geld in der Kasse und weiß, wer nach seinem Ableben die Rechte an seinem Werk besitzt!« Self-Publisherin Patrizia Prudenzi bewundert den Mut, weil ein Autor »doch ein Publikum haben« will. Der Schweizer Designer Chris Hoefliger ahnt: »Vielleicht kommt eine Zeit, in der wir Wondratscheks Werke aufgehängt im Museum bestaunen dürfen«.

Michael Lang, langjähriger Chefredakteur von »Markt und Technik«, kritisiert, dass mit dem Verkauf an eine einzelne Person zwei wesentliche Aspekte eines literarischen Werks geändert werden: »Das Objekt wird mit der allgemeinen Nichtverfügbarkeit als Unikat (besonders im Kunstmarkt) früher oder später ein Spekulationsobjekt … Als Spekulationsobjekt wird aber auch sein Inhalt der Allgemeinheit entzogen/vorenthalten. Das wiederum ist eigentlich ein großer Schritt zurück im Literaturverständnis. Mich verwundert diese fast schon reaktionäre Handlungsweise besonders bei einem Autor, wie Wondratschek umso mehr, als er in den 60ern und 70ern noch groß über eine Demokratisierung der Literatur tönte«.

Die Szene faucht! – Was ist geschehen?

Wolf Wondratschek, einer der unkonventionellsten Autoren deutscher Sprache, hat seinen neuen Roman »Selbstbild mit Ratte« an einen einzigen Leser verkauft. Ein Senior Consultant einer Unternehmensberatung hat tief in die Tasche gegriffen. Nach Schätzungen des Züricher »Tagesanzeiger« legte er 40.000 Euro auf den Tisch, um das Manuskript sein eigen nennen zu dürfen. So wie sich andere Gemälde eines Malers kaufen und an die Wohnzimmerwand hängen, kaufte er sich ein Manuskript.

Wondratschek begann als Self-Publisher

Für Wondratschek ist sein neuester Coup Methode. Vor einem halben Jahrhundert begann er als Self-Publisher. Er zog durch die Hallen der Frankfurter Buchmesse und offerierte ein privat gedrucktes Bändchen mit Gedichten. »Die haben mich angestarrt und aus Barmherzigkeit ein Exemplar für fünf Mark abgekauft«, erzählt der Dichter heute. Kein Jahr später waren dieselben Gedichte Bestseller. »Chucks Zimmer« war der für lange Zeit meistgekaufte Gedichtband. 300.000 Exemplare wurden abgesetzt.

Mit dem unter alternativen Buchliebhabern hoch angesehen Vertrieb »Zweitausendeins« verkaufte Wondratschek bald darauf seine Bücher in hohen Auflagen am Buchhandel vorbei direkt an das interessierte Publikum.

Wondratschek fordert Gold für ein Gedicht

Bald öffneten sich die Türen angesehener Verlage. Diogenes-Verleger Daniel Kehl veröffentlichte einige seiner Werke trotz geforderter Vorauszahlungen, die sich kaum einspielen ließen. Als Wondratschek, der angeblich kein Interesse an Geld hatte, für »Carmen oder Bin ich das Arschloch der achtziger Jahre« von Kehl mit einer Kiste Gold entlohnt werden wollte, kam es zum Krach.

Doch der Autor blieb auf Erfolgskurs. Nach einer Lesung aus seinem symphonischen Gedicht »Carmen« im Münchner Marstall traf er in der einstigen Schwabinger Szene-Kneipe »Romagna Antica« Filmemacher Bernd Eichinger. Der von dem Text begeisterte Starregisseur schickte seinen Chauffeur los, der kam nach einer halben Stunde mit einem Briefumschlag voller Geldscheine wieder. Eichinger wollte unbedingt dieses Gedicht haben. Er veröffentlichte es später in einer nummerierten und vom Autor signierten Vorzugausgabe in 280 Exemplaren (siehe Abbildung), bevor der Text als Taschenbuch erschien.

Wondratschek: Außenseiter mit Humor

Mit seinem Coup, »Selbstbild mit Ratte« an einen einzigen Leser zu veräußern, bewies sich Wolf Wondratschek erneut als Unikum der Verlagsszene. Der Autor versteht es meisterhaft, mit ungewöhnlichen Aktionen für Schlagzeilen zu sorgen und auf sich aufmerksam zu machen. Gleichzeitig liefert er höchste literarische Qualität und hat auch noch viel Spaß dabei.

Bezeichnend für den Humor, den der Außenseiter des Buchmarkts an den Tag legt, dürft seine »amtliche Verlautbarung« aus »Früher begann der Tag mit einer Schusswunde« sein. Damit erläutert er kongenial den Umgang mit den Begriffen »Wertsack«, »Wertbeutel«, »Versackbeutel« und »Wertpaketsack«. Noch heute glauben viele, der Mustertext für Beamtendeutsch sei ein amtliches Dokument der Deutschen Bundespost.

Ich habe mich auf YouTube an dem herrlichen Text versucht:

 

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Lustiges Ostergedicht

April 01, 2015
by Ruprecht Frieling
Lyrik, Ostern
0 Comment
Ostergruesse

Fröhliche Ostern © Foto: W. R. Frieling

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Wie führt man ein erfolgreiches Interview?

März 28, 2015
by Ruprecht Frieling
Interview, Journalismus, Presse
2 Comments
© http://depositphotos.com?ref=4638917

© Depositphotos.com

Das Interview ist eine der individuellsten, wertvollsten und spannendsten Darstellungsformen im Journalismus. Dabei sind vier goldene Gebote zu beachten, um Missverständnisse und spätere Vorwürfe zu vermeiden.

Das Wort »Interview« ist relativ neu und schwappte aus dem Anglo-Amerikanischen in unseren aktiven Wortschatz. Ursprünglich stammt es vom französischen »entrevue« ab. Damit wurde ein persönliches Treffen von Monarchen bezeichnet, woraus wiederum die aktuelle Bedeutung »Unterredung« wuchs. Heute verstehen wir unter einem Interview ein mit dem Ziel der Veröffentlichung geführtes Gespräch. HIER geht es weiter →

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Sandra Uschtrin präsentiert neues Handbuch für Autoren

März 24, 2015
by Ruprecht Frieling
Ratgeber für Autoren, Self-Publishing
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Verlegerin Sandra Uschtrin

Verlegerin Sandra Uschtrin

Sandra Uschtrin ist ein Urgestein in der deutschen Verlagslandschaft. Seit 30 Jahren hat sie sich die Fort- und Weiterbildung von Autoren auf die Fahnen geschrieben. 1985 erschien – damals noch im Grafenstein-Verlag – ihr erstes Handbuch, das sich dem Berufsfeld des Autors widmete. Damals stand sie ganz allein auf weiter Flur. Von einigen Zuschussverlagen abgesehen gab es niemanden, der sich für den Nachwuchs interessierte und ihn als Zielgruppe erkannte.
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Marketing: E-Books vorbestellen

Februar 20, 2015
by Ruprecht Frieling
E-Book, KDP, Kindle
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E-Books vorbestellen – ein Marketing-Tipp

Vorfreude ist die schönste Freude Foto: Simone Peter  / pixelio.de

Lesen schenkt Freude. Foto: Simone Peter / pixelio.de

Seit dem 14. August 2014 bietet Kindle Desktop Publishing (KDP) die Möglichkeit, Bücher vorbestellen zu lassen. Der große Vorteil dieser Funktion ist, dass der Self-Publisher sein Elektrobuch bereits vor dem Veröffentlichungsdatum auf Facebook, Twitter, der eigenen Website und an anderer Stelle bewerben kann, um das Interesse an der Neuerscheinung zu steigern. Außerdem wirken sich Vorbestellungen schon vor der Veröffentlichung auf den Verkaufsrang und damit auf die Sichtbarkeit im Kindle-Shop aus. Das Buch wird automatisch von mehr Lesern gefunden. [ssp id=1850772846]

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Die Welt auf der Orange – Verhüllt um zu verführen

Januar 27, 2015
by Ruprecht Frieling
Buchkunst, Orangenpapier
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index Bereits vor Jahren hat die Stiftung Buchkunst den Titel »Verhüllt um zu verführen – Die Welt auf der Orange« als eines der schönsten Bücher des Landes ausgezeichnet. Ansonsten würde ich jetzt unverzüglich einen weiteren Pokal aus dem Ärmel zaubern und dem Potsdamer Vacat Verlag überreichen. Denn er hat mit der Veröffentlichung einen bibliophilen Sonnenschein vorgelegt, der in jeder Hinsicht ein leuchtender Stern am Bücherhimmel ist.
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»Ball der Sterne« in München

Januar 26, 2015
by Ruprecht Frieling
München
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Erstmals lädt das Deutsche Theater München zu einem »Ball der Sterne« am 7. Februar ein. Für die musikalische Untermalung sorgen die Münchner Symphoniker, Hugo Strasser und seine Big Band sowie die Band Da Capo.

Zudem stehen Gesangseinlagen aus Klassik und Musical auf dem Programm. Mit Roberta Valentini wid die Hauptdarstellerin des Musical-Klassikers »Elisabeth« vorgestellt. Außerdem tritt der österreichische Tenor Nikolai Schukoff auf, der 2006 an der Bayerischen Staatsoper kurzfristig für Placido Domingo als »Parsival« einsprang.

Tischplätze beim »Ball der Sterne« kosten € 48,00 bis € 88,00, Flanierkarten € 34,00.

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Amazon Rezensent Nummer 1 im Kreuzverhör

Januar 19, 2015
by Ruprecht Frieling
Amazon, Self-Publisher
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Rezensentin aus Leidenschaft: Apicula, Amazons No. 1

Rezensentin aus Leidenschaft: Apicula, Amazons-Rezenstin No. 1

»Man muss jedem dankbar sein, der seinen Klick-Finger stillhalten kann«

Seit sieben langen Jahren residiert sie in Amazons exklusiver »Hall of Fame«. Mit 2.346 Bewertungen zu den unterschiedlichsten Produkten hat sie sich in die Herzen der Kunden geschrieben und hält seit über einem Jahr Platz 1 der Rezensenten-Topliste. Apicula, Amazons Top-Rezensent, Spitzenkraft unter Amazons rund viereinhalb Millionen Produktbewertern, verhält sich aus guten Gründen scheu wie ein Reh. Ruprecht Frieling lockte die Königin der Rezensenten zu einem ausführlichen Gespräch aus der Deckung.
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Bitterböse Beichte eines Literaturagenten

November 26, 2014
by Ruprecht Frieling
Autor sucht Verleger, Literaturagent, Self-Publisher, Verlagswesen
1 Comment
Wer bestimmt, was Leser lesen?

Wer bestimmt eigentlich, was Leser lesen?

Unter dem Pseudonym Werner Schatten veröffentlicht ein vorgeblicher Ex-Cheflektor eines deutschen Großverlages und jetziger Literaturagent eine bittere Satire auf den Buchbetrieb. »Bekenntnisse eines Literaturagenten« heißt seine schriftliche Beichte, die sich zugleich als »Anleitung zur Karriere als Bestseller-Autor« verstanden wissen will. HIER geht es weiter →

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Science-fiction real: Tschuri, der singende Komet

November 14, 2014
by Ruprecht Frieling
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Die Rosetta-Mission der europäischen Raumfahrtbehörde ESA ist erfolgreich. Das abgekoppelte Mini-Labor »Philae« landete am 13.11.2014 nach fast elfjähriger Reise durch Zeit und Raum auf dem Kometen »Tschuri«, um ihn näher zu untersuchen. Eigentlich sollte nur das Magnetfeld gemessen werden – doch dabei entstand eine faszinierende Tonaufnahme: Der Komet singt und erzeugt eine faszinierende Sci-Fi-Musik.
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