
Der nächtliche Ruf des Uhus hallt nicht nur durch das Dickicht des Waldes – nun hat er auch einen festen Platz im poetischen Kanon der deutschsprachigen Gegenwartslyrik gefunden. In der soeben erschienenen Anthologie Der lachende Uhu versammelt sich ein vielstimmiger Chor von 337 Dichterinnen und Dichtern, die der mythischen Eule ein literarisches Denkmal setzen – mal verspielt, mal weise, mal mit einem Augenzwinkern, das selbst Aristophanes gefallen hätte. Bereits am Tag der Veröffentlichung erklomm der Band den 1. Platz der Amazon-Bestsellerliste für Naturlyrik. HIER geht es weiter →

»Der Lachende Uhu« heißt ein Gedicht-Wettbewerb, zu dem die Schlaraffia Lietzowia und die Prinz Rupi Stiftung einladen. Illustration: © Prinz Rupi Kulturstiftung
Mit überwältigendem Erfolg ging der Gedicht-Wettstreit der Schlaraffia Lietzowia e.V. und der Prinz-Rupi-Kulturstiftung zu Ende: 343 Teilnehmerinnen und Teilnehmer reichten mehr als 1.000 Gedichte ein – ein eindrucksvoller Beleg für die Begeisterung am kreativen Spiel mit Sprache und Vers.
Unter dem Motto »Der lachende Uhu« waren Literaturfreunde dazu eingeladen, Gedichte rund um den Uhu – den Wappenvogel der Weisheit, des Wissens und der Kultur – oder die Tierwelt im Allgemeinen zu verfassen. Gesucht wurden kreative und inspirierende Texte, die sich auf besondere Weise mit der faszinierenden Welt der Tiere auseinandersetzen.
Eine unabhängige Jury wird in den kommenden Monaten drei herausragende Gedichte küren und mit Geldpreisen auszeichnen. Aufgrund der überwältigenden Teilnahme wird zudem je ein Gedicht pro Autorin bzw. Autor in einer Anthologie veröffentlicht. HIER geht es weiter →

Lutz Görner wurde am 1. Januar 1945 in Zwickau geboren. Er verstarb am 3. April 2024 in Gummersbach bei Köln
Deutschlands bekanntester Rezitator aus der Zeit, als die Menschen noch das Zuhören beherrschten, ist in den Bücherhimmel aufgestiegen. Lutz Görner ist tot.
Lutz Görner wurde durch das Fernsehen bekannt. Von 1993 bis 2010 führte er sonntagmorgens durch eine feste Sendung auf 3sat. Seine 200-teilige Serie »Lyrik für alle«, eine kleine gesprochene Literaturgeschichte der Lyrik vom Barock bis heute, scharte eine treue Hörerschaft um sich. Diese traf ihn auch auf zahlreichen Rezitationsabenden, bei denen er Werke von Heine, Brecht und anderen deutschsprachigen Dichtern vorstellte.

Bilder aus glücklichen Jahren enger Verbundenheit: Prinz Rupi, Karin Kulmer und Lutz Görner vor dem historischen Rathaus in Münster, in dem 1648 der Westfälische Friede besiegelt wurde
Görners Rezitationskunst stand in der Tradition des Vortrags epischer Gedichte, wie dem »Nibelungenlied« oder »Beowulf«, die zur Unterhaltung und Bildung an Höfen und in Klöstern von Minnesängern und Barden praktiziert wurden.
Hunderttausenden ermöglichte er mittels seiner Kunst die Entdeckung der Meisterwerke deutscher Dichtkunst. Sein Aufstieg zum führenden Rezitator deutscher Sprache war kein Zufall: In seiner Person vereinten sich schauspielerisches Talent und rhetorische Begabung mit umfassender Bühnenerfahrung und der Akribie eines Forschers, der Jahre in die Vorbereitung eines einzigen Programms investierte.
»Jeder der geht
belehrt uns ein wenig
über uns selber.
Kostbarster Unterricht
an den Sterbebetten.
Alle Spiegel so klar
wie ein See nach großem Regen,
ehe der dunstige Tag
die Bilder wieder verwischt.«
Mit seiner sonoren Stimme, die tief aus seinem Inneren kam, erreichte er resonant und klangvoll die Ohren seiner Zuhörer, die ihm jahrzehntelang dankbar die Treue hielten und sich um die umfangreichen CD-Boxen rissen, die der geschäftstüchtige Künstler in beeindruckenden Auflagen herausbrachte.
Im letzten Lebensjahrzehnt trat Lutz Görner noch im Rahmen von ihm inszenierter und begleiteter Klavierabende auf. Diese Abende waren eine Mischung aus Literatur und Musik, hauptsächlich von Komponisten des 19. Jahrhunderts. Es entstanden Programme über Franz Liszt, Frédéric Chopin, Richard Wagner, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Giacomo Meyerbeer, Robert Schumann sowie italienische Musik von Rossini, Donizetti und Bellini.
Einer seiner Lieblingskünstler war Max Ernst. Als wir im April 2005 in der Berliner Nationalgalerie seine Skulptur »Capricorn« sahen, wurde mir klar, was meinen Freund Lutz Görner mit Max Ernst verband.

Lutz Görner, Amadeus Kulmer, Prinz Rupi und Karin Görner, geb. Kulmer vor der Plastik »Capricorn« von Max Ernst
Der Titel der Skulptur, »Steinbock«, deutet schon auf den gemeinsamen Nenner hin: Steinböcke sind hart und diszipliniert und setzen hohe Standards, sowohl für sich selbst als auch für andere. Sie agieren zielstrebig und ambitioniert, mit einem starken Wunsch, in ihrem Beruf und anderen Lebensbereichen erfolgreich zu sein. Lutz Görner war ein Expressionist, Dadaist, Surrealist, Dichter und Denker, der gern strahlte. Für seinen handverlesenen Freundeskreis war er ein bisweilen schwieriger Typ. Nun hat sein facettenreiches, kreatives Genie sein inspirierendes Spiel beendet.
Ruhe in Frieden!
Prinz Rupi
»Nur durch die Liebe und den Tod berührt der Mensch das Unsterbliche. «
Alexandre Dumas fils
«

Christian Morgensterns Gedicht von 1909 zeigt: Auch bei den ersten Automobilen Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zu Unfällen. © Prinz Rupi
Seinen Nachruhm verdankt das 1909 entstandene absurde Gedicht von Christian Morgenstern (1871– 1914) den beiden Schlussversen, die zu geflügelten Worten geworden sind. Zur Entstehungszeit des Gedichts war der technische Standard des Autofahrens noch denkbar gering. Und doch berührt uns das groteske Gedicht noch immer – und mit ihm der Konflikt Palmströms zwischen der von ihm verfochtenen eigensinnigen Logik und der Wirklichkeit.
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Mit der Zeile »Dunkel war’s, der Mond schien helle … « beginnt das populäre Scherzgedicht eines bislang unbekannten Verfassers, das vielen seit Kindheitstagen bekannt ist.
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Seine 80 Lenze sieht man Slammer Eberhard Kleinschmidt nicht an. Bei einem ausgedehntem Spaziergang auf dem Gelände der Berliner Bundesgartenschau lief er dem Berichterstatter fast davon … Foto © Ruprecht Frieling
Voll Tatendrang stürmt der dichtende Opa Eberhard die Literaturbühnen in Kneipen, Kaschemmen und Cafés und präsentiert mit Elan seine Texte. Nun veröffentlicht der Berliner Periplaneta Verlag unter dem programmatischen Titel »Der Wandernde Dichter« ausgewählte Texte aus der Feder des Bühnenpoeten. Mit 80 Lenzen zählt Eberhard Kleinschmidt zu den ältesten deutschen Slammern. HIER geht es weiter →

Auch in schweren Zeiten: Habt Sonne im Herzen! © Ruprecht Frieling
»Das ist mein Freund nicht, der die Sonne nicht mag«
Cäsar Flaischlen

Der 1938 geborene Blogger, Querdenker, WebARTist und Dada-Nerd Brunopolik am heimischen Schreibtisch. © Foto: Ruprecht Frieling
Horst A. Bruno ist ein Phänomen: Er malt und schreibt seit mehr als einem halben Jahrhundert, verbirgt seinen Klarnamen aufgrund gesellschaftlicher Zwänge unter einem Pseudonym und ist immer noch ganz vorn dabei, wenn es um die Nutzung neuer Medien zur Verbreitung seiner Kunst geht. Prinz Rupi besuchte den 1938 geborenen Osnabrücker Blogger, Querdenker, WebARTisten und Dada-Nerd, der als Brunopolik durch die virtuelle Welt turnt.
Schon als Kind entwickelte sich die Lust von Horst A. Bruno am Malen und Schreiben. Aber wer durchs Leben kommen will, muss einen Beruf haben, in dem man Geld verdienen kann. Und so begann der Start in eine bürgerliche Angestellten-Laufbahn bei Banken und Versicherungen. Künstlerische Ambitionen fanden nur in den freien Zeiten Gelegenheit, sich zu entfalten.
Wie geschaffen dafür war der sich 1969 gründende Werkkreis Literatur der Arbeitswelt, in dem Horst A. Bruno nicht nur für seine inzwischen entstandenen Stories eine Öffentlichkeit bis hin in Schulbücher fand, sondern der ihn auch politisch emanzipierte.
Erst ein für Bruno glücklicher Vorruhestand mit 55 ermöglichte noch einen Hochschulbesuch, wo ihm wichtige Kenntnisse über Kunst von Beuys bis Duchamp vermittelt wurden. Damit öffnete sich sein Weg vom Schreiben in die bildende Kunst. Es folgten Ausstellungen seiner Bilder von Köln über Schwerin bis Hamburg.
Eine entscheidende Wende seiner künstlerischen Ausrichtungen trat ein, als er sich das Internet durchs Bloggen erschloss. Ganz neue Räume für seine Kreativität schaffte ihm dieses Medium, zumal er sich kurz zuvor sein Pseudonym Brunopolik zugelegt hatte. Unter diesem Namen konnte er nun unbegrenzt und ungehemmt unterwegs sein. Zunächst als Blogger, später mit eigener Homepage sowie auf Twitter, Facebook und Instagram

Screenshots von Haiku-Strophen aus dem Poetry-Text der PolitikerInnen-Worte mit dem Titel „Richtige Richtung – Im Medizinern Land“
Brunopoliks Poetry-Texte entstehen ausschließlich aus Sprache, die im Internet gefunden wird, wie beispielsweise Reden der Bundestagsabgeordneten. Er fertigt daraus Lyrik und Poesie »außerhalb sprachlicher Logik«. Die Texte werden gebaut bzw. konstruiert, und zwar in Haiku-Metrik.
Derartige Kunst-Aktionen interaktiver Kunst entwickeln sich dann zu Kampagnen wie die »PolitikerInnen-Worte«. Der Künstler konzentriert sich auf dessen mediale Substanz: – Blog – Twitter – Facebook – Google – Instagram. Seine Poetry auf Screen-Shots ist beliebig reproduzierbar – wie die Siebdruck-Bilder eines Andy Warhol.
Die daraus entstehenden Screenshots einzelner Haiku/Tanka-Strophen seiner Poetry-Texte aller Art verbreitet er via Twitter, Facebook, Instagram sowie seiner Website im Netz und stellt sie dort als Download zur freien Verfügung. Sie können ausgedruckt und gerahmt vielfältige Verwendung finden, beispielsweise als Plakate im öffentlichen Raum oder in Fenstern zur Sicht nach draußen geklebt und damit Zeichen setzend.
Brunopolik darf man auch als politischen Künstler verstehen. In turbulenten Zeiten des Umbruchs und gegen das Scheitern gerichtet werden seine jüngsten Arbeiten durch den Begriff Solidarität bestimmt, den er mit Essays in dem Online-Forum der Berliner Gazette, aber auch in seiner Performance mit Ratespielen der PolitikerInnen-Worte verbreitet.
Im hohen Alter hofft Brunopolik, dass junge Leute kapieren, was er künstlerisch treibt und sein Werk fortführen und vervielfachen. Nachfolger sind bislang noch nicht in Sicht, und so stellt sich für ihn als Künstler auch die klassische Frage des Scheiterns.
Für Brunopolik ist Literatur-Nobelpreisträger Samuel Beckett mit seinem Scheitern eine Gottheit. »Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern. (Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better)« lautet eine berühmte Sentenz des irischen Schriftstellers.
Er kennt die Problematik, den Begriff »Kunst« greifen und formelhaft erklären zu wollen. Er weiß, dass die Bewertung eines »guten« Kunstwerks von Regeln abhängt, die ihrerseits nur von ihrem Erfolg abhängen. Denn letztlich gerät jedes Kunstwerk, also auch Bücher, mit der Veröffentlichung in einen gnadenlosen Kreislauf.
Diese sich in den eigenen Schwanz beißende Logik geht wie folgt: Weil es gut ist, ist ein Werk erfolgreich, und weil es erfolgreich ist, ist es gut. So lautet die nicht von Vernunft, sondern von wirtschaftlichem Nutzen geprägte derzeitige Sichtweise. Doch was bedeutet das im Umkehrschluss? Ist ein Werk, das erfolglos ist, zwangsläufig auch schlecht, denn sonst wäre es wohl erfolgreich? Neben der »öffentlichen Meinung«, die von den ebenfalls im Rad rennenden Kunstkritikern gemacht wird, gibt es nichts, was die Benotung erklärt.
Das nach dieser Formel aussortiert Schlechte, letztlich also des Gescheiterten, verwehrt eine Archivierung des Gescheiterten. »Die Außerbetrachtnahme des sogenannt Schlechten also«,schreibt Manuela Branz in ihrem lesenswerten Aufsatz »Gelungenes Scheitern«, führt »zur Stabilisierung des Realitätszirkels: Nur im Notierten lässt sich jene Erschöpfung einer Idee erkennen, das für uns das Gute herstellt; im Vergessenen aber scheint nichts Wahres gelegen zu haben, im Verlorenen scheint kein Verlust auszumachen zu sein.«
Brunopolik weiß genau: Wenn er seine Kunst aufgibt, gibt er sich selbst auf. Solange es geht, will er daran festhalten. Manchmal ist er ziemlich weit unten. Doch dann hilft ihm die Kunst, wieder aufzustehen.
Ruprecht Frieling
Ich bin bekennender Post-Junkie. Mit meinem Briefträger Stefan verbindet mich ein fast intimes Verhältnis. Leider ist in den letzten Jahrzehnten der Eingang »realer Post«, also fassbarer Briefe und Päckchen, enorm zurückgegangen. Stattdessen sausen tausende nüchterne Mails durch den Äther, werden gelesen, beantwortet und automatisch abgelegt. HIER geht es weiter →
Darf man ein Buch lediglich für einen einzigen Leser schreiben, der es dann möglicherweise für immer unter Verschluss hält? – Wolf Wondratschek (* 14. August 1943) darf es. Oder besser gesagt: Er tut es einfach, weil es ihm Spaß macht. Mit seinem Coup löst der James Dean der deutschen Poesie erbitterte Diskussionen im Netz aus.
Autor Markus Walther findet es »irgendwie dekadent«. Buch-Bloggerin Daphne Buchundmoor hingegen zieht den Hut: »Genial gelöst! Er hat jetzt Geld in der Kasse und weiß, wer nach seinem Ableben die Rechte an seinem Werk besitzt!« Self-Publisherin Patrizia Prudenzi bewundert den Mut, weil ein Autor »doch ein Publikum haben« will. Der Schweizer Designer Chris Hoefliger ahnt: »Vielleicht kommt eine Zeit, in der wir Wondratscheks Werke aufgehängt im Museum bestaunen dürfen«.
Michael Lang, langjähriger Chefredakteur von »Markt und Technik«, kritisiert, dass mit dem Verkauf an eine einzelne Person zwei wesentliche Aspekte eines literarischen Werks geändert werden: »Das Objekt wird mit der allgemeinen Nichtverfügbarkeit als Unikat (besonders im Kunstmarkt) früher oder später ein Spekulationsobjekt … Als Spekulationsobjekt wird aber auch sein Inhalt der Allgemeinheit entzogen/vorenthalten. Das wiederum ist eigentlich ein großer Schritt zurück im Literaturverständnis. Mich verwundert diese fast schon reaktionäre Handlungsweise besonders bei einem Autor, wie Wondratschek umso mehr, als er in den 60ern und 70ern noch groß über eine Demokratisierung der Literatur tönte«.
Wolf Wondratschek, einer der unkonventionellsten Autoren deutscher Sprache, hat seinen neuen Roman »Selbstbild mit Ratte« an einen einzigen Leser verkauft. Ein Senior Consultant einer Unternehmensberatung hat tief in die Tasche gegriffen. Nach Schätzungen des Züricher »Tagesanzeiger« legte er 40.000 Euro auf den Tisch, um das Manuskript sein eigen nennen zu dürfen. So wie sich andere Gemälde eines Malers kaufen und an die Wohnzimmerwand hängen, kaufte er sich ein Manuskript.
Für Wondratschek ist sein neuester Coup Methode. Vor einem halben Jahrhundert begann er als Self-Publisher. Er zog durch die Hallen der Frankfurter Buchmesse und offerierte ein privat gedrucktes Bändchen mit Gedichten. »Die haben mich angestarrt und aus Barmherzigkeit ein Exemplar für fünf Mark abgekauft«, erzählt der Dichter heute. Kein Jahr später waren dieselben Gedichte Bestseller. »Chucks Zimmer« war der für lange Zeit meistgekaufte Gedichtband. 300.000 Exemplare wurden abgesetzt.
Mit dem unter alternativen Buchliebhabern hoch angesehen Vertrieb »Zweitausendeins« verkaufte Wondratschek bald darauf seine Bücher in hohen Auflagen am Buchhandel vorbei direkt an das interessierte Publikum.
Bald öffneten sich die Türen angesehener Verlage. Diogenes-Verleger Daniel Kehl veröffentlichte einige seiner Werke trotz geforderter Vorauszahlungen, die sich kaum einspielen ließen. Als Wondratschek, der angeblich kein Interesse an Geld hatte, für »Carmen oder Bin ich das Arschloch der achtziger Jahre« von Kehl mit einer Kiste Gold entlohnt werden wollte, kam es zum Krach.
Doch der Autor blieb auf Erfolgskurs. Nach einer Lesung aus seinem symphonischen Gedicht »Carmen« im Münchner Marstall traf er in der einstigen Schwabinger Szene-Kneipe »Romagna Antica« Filmemacher Bernd Eichinger. Der von dem Text begeisterte Starregisseur schickte seinen Chauffeur los, der kam nach einer halben Stunde mit einem Briefumschlag voller Geldscheine wieder. Eichinger wollte unbedingt dieses Gedicht haben. Er veröffentlichte es später in einer nummerierten und vom Autor signierten Vorzugausgabe in 280 Exemplaren (siehe Abbildung), bevor der Text als Taschenbuch erschien.
Mit seinem Coup, »Selbstbild mit Ratte« an einen einzigen Leser zu veräußern, bewies sich Wolf Wondratschek erneut als Unikum der Verlagsszene. Der Autor versteht es meisterhaft, mit ungewöhnlichen Aktionen für Schlagzeilen zu sorgen und auf sich aufmerksam zu machen. Gleichzeitig liefert er höchste literarische Qualität und hat auch noch viel Spaß dabei.
Bezeichnend für den Humor, den der Außenseiter des Buchmarkts an den Tag legt, dürft seine »amtliche Verlautbarung« aus »Früher begann der Tag mit einer Schusswunde« sein. Damit erläutert er kongenial den Umgang mit den Begriffen »Wertsack«, »Wertbeutel«, »Versackbeutel« und »Wertpaketsack«. Noch heute glauben viele, der Mustertext für Beamtendeutsch sei ein amtliches Dokument der Deutschen Bundespost.
Ich habe mich auf YouTube an dem herrlichen Text versucht:
