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Wer sich nicht bewegt, verschwindet

Juni 01, 2026
by Ruprecht Frieling
Ehrenamt, Schlaraffen, Vereine
5 Comments
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Illustration Wer sich nicht bewegt, verschwindet

Wer sich nicht bewegt, verschwindet

Wer sich nicht bewegt, verschwindet

Von Prinz Rupi

Es gibt Ideen, die sind so einfach, dass man sich wundert, warum sie nicht längst umgesetzt wurden. Ein kleiner Aufkleber auf dem Auto zum Beispiel. Eine freundliche, witzige, neugierig machende Botschaft. Sichtbar im Alltag, bezahlbar, unaufdringlich, wirkungsvoll. Kein Großprojekt, keine Satzungsänderung, keine neue Kommission, kein Strategiepapier mit Vorwort, Zwischenbericht und Endfassung. Nur ein kleiner Impuls, der nach außen zeigt: Seht her, es gibt uns noch. Wir sind lebendig. Wir haben etwas zu bieten.

Und doch geschieht oft nichts.

Wer sich seit vielen Jahren in Vereinen, kulturellen Gemeinschaften oder ehrenamtlichen Strukturen bewegt, kennt dieses Phänomen. Eine Idee wird freundlich aufgenommen. Man nickt. Man lobt. Man findet den Vorschlag „eigentlich sehr gut“. Dann wird noch einmal darüber gesprochen, vielleicht auch ein zweites Mal, bis die Sache schließlich in jenem weichen Nebel verschwindet, in dem so viele gute Absichten ihr stilles Ende finden. Niemand war dagegen. Aber auch niemand hat etwas getan.

Das ist vielleicht das eigentliche Drama vieler Gemeinschaften: nicht der offene Widerstand, nicht der heftige Streit, nicht einmal die ausdrückliche Ablehnung. Gefährlicher ist die lautlose Trägheit. Sie trägt ein freundliches Gesicht, spricht versöhnlich, vermeidet Konflikte und bewahrt scheinbar den Frieden. Tatsächlich aber verhindert sie Entwicklung.

Dabei lebt jede Gemeinschaft vom steten Bemühen. Das klingt altmodisch, beinahe moralisch, vielleicht sogar ein wenig nach Küchenphilosophie. Aber es ist wahr. Nichts bleibt lebendig, wenn es nicht immer wieder erneuert, gepflegt, befragt und bewegt wird. Ein Verein, der sich nur noch selbst genügt, beginnt langsam zu erstarren. Eine kulturelle Gemeinschaft, die nur noch die Gegenwart gemütlich ausleuchtet, ohne an ihre Zukunft zu denken, merkt oft zu spät, dass im Hintergrund bereits das Licht ausgeht.

Natürlich ist es verständlich, dass viele Menschen vor allem ein paar schöne Stunden erleben möchten. Gerade in einer Zeit, die von Unsicherheit, Reizüberflutung und Zumutungen aller Art geprägt ist, sehnen sich viele nach Ruhe, Verlässlichkeit und vertrauten Formen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Auch das Spiel, die Geselligkeit, der Humor und das freundschaftliche Miteinander haben ihr gutes Recht. Sie sind kein Luxus, sondern ein Stück Lebensqualität.

Problematisch wird es erst, wenn aus dem Wunsch nach schönen Stunden eine Gleichgültigkeit gegenüber der Zukunft entsteht. Wenn man zwar gerne genießt, was frühere Generationen aufgebaut haben, aber wenig Neigung zeigt, selbst etwas dafür zu tun, dass es weiterlebt. Wenn man Nachwuchs vermisst, aber keine neuen Wege gehen möchte. Wenn man Aufmerksamkeit erwartet, aber jede Form zeitgemäßer Ansprache misstrauisch beäugt. Wenn man Veränderung fordert, solange sie nichts verändert.

In mancher Hinsicht erinnert diese Haltung an den Umgang der Menschheit mit den großen Fragen unserer Zeit. Jeder halbwegs klare Geist weiß, dass wir mit der Erde nicht umgehen können, als hätten wir noch zwei oder drei Ersatzplaneten im Keller. Jeder weiß, dass sich etwas ändern müsste. Und trotzdem geht vieles weiter wie bisher. Man erkennt das Problem, bedauert es, diskutiert es, erklärt es für wichtig — und lebt dann, als beträfe es andere oder eine ferne Zukunft.

Im Kleinen ist das nicht anders. Auch Vereine, Freundeskreise, kulturelle Zusammenschlüsse und Traditionsgemeinschaften können an diesem Widerspruch leiden. Man weiß, dass etwas getan werden müsste. Man spürt, dass die alte Selbstverständlichkeit nicht mehr trägt. Man erkennt, dass Sichtbarkeit, Offenheit und Erneuerung nötig wären. Aber sobald eine konkrete Initiative auf dem Tisch liegt, beginnt das große Abwägen. Ist das nicht zu modern? Zu auffällig? Zu schlicht? Zu teuer? Zu billig? Zu ernst? Zu lustig? Zu ungewöhnlich? Zu anstrengend?

Am Ende gewinnt oft nicht das bessere Argument, sondern die bequemere Untätigkeit.

Das stete Bemühen ist deshalb keine lästige Pflichtübung, sondern eine Haltung. Es bedeutet, sich nicht entmutigen zu lassen, wenn eine Idee nicht sofort zündet. Es bedeutet, Vorschläge nicht schon deshalb aufzugeben, weil sie im ersten Anlauf auf desinteressierte Gesichter treffen. Es bedeutet aber auch, die eigene Gemeinschaft nicht nur zu konsumieren, sondern mitzugestalten.

Gerade traditionelle Vereinigungen brauchen diese Haltung. Tradition ist kein Museum, in dem man gelegentlich den Staub von den Vitrinen wischt. Tradition ist ein lebendiger Zusammenhang zwischen Herkunft, Gegenwart und Zukunft. Wer nur bewahren will, ohne weiterzugeben und zu erneuern, bewahrt am Ende nichts. Wer nur wiederholt, was immer schon war, verliert irgendwann den Sinn dessen, was einmal lebendig gemeint war.

Das gilt auch für einen Verein wie die Schlaraffia. Ihr Spiel, ihre Sprache, ihre Rituale, ihr Humor und ihre eigentümliche Mischung aus Kunst, Freundschaft und heiterer Weltferne sind kostbar. Aber gerade deshalb dürfen sie nicht in selbstzufriedener Innerlichkeit verschwinden. Wer möchte, dass dieses Spiel auch morgen noch gespielt wird, muss heute daran arbeiten, es sichtbar, verständlich und einladend zu machen.

Dazu braucht es keine gigantischen Programme. Manchmal beginnt es mit einer Einladung, einem guten Gespräch, einem originellen Hinweis, einem offenen Abend, einem gelungenen Text, einem Bild, einem kleinen Aufkleber. Nicht alles muss sofort weltbewegend sein. Entscheidend ist, dass überhaupt etwas in Bewegung bleibt.

Natürlich wird nicht jede Initiative erfolgreich sein. Manche Ideen werden verpuffen. Manche werden zerredet. Manche kommen zu früh, manche zu spät, manche gar nicht. Auch das gehört dazu. Wer sich engagiert, muss eine gewisse Frustrationstoleranz entwickeln. Er muss hinnehmen, dass nicht jeder Einfall dankbar aufgenommen wird. Er muss ertragen, dass manche lieber klagen als handeln. Und er darf dennoch nicht verbittern.

Denn Verbitterung ist der leise Tod des Engagements. Sie macht aus Tatkraft Rechthaberei, aus Humor Sarkasmus und aus berechtigter Kritik eine müde Litanei. Das stete Bemühen braucht deshalb nicht nur Ausdauer, sondern auch Heiterkeit. Eine gewisse gelassene Hartnäckigkeit. Die Fähigkeit, über Widerstände zu lächeln, ohne sie zu verharmlosen. Den Mut, weiterzumachen, obwohl man weiß, dass man nicht immer sofort Erfolg haben wird.

Vielleicht besteht darin überhaupt die Kunst des kulturellen Ehrenamts: nicht auf den großen Durchbruch zu warten, sondern immer wieder kleine Türen zu öffnen. Nicht darauf zu hoffen, dass plötzlich alle begeistert mitziehen, sondern dort anzufangen, wo zwei oder drei Menschen bereit sind, etwas zu bewegen. Nicht über die Trägheit der anderen zu verzweifeln, sondern ihr mit Fantasie, Geduld und einer Prise Unverschämtheit zu begegnen.

Denn jede Gemeinschaft, die weiterleben will, braucht Menschen, die mehr tun als nur anwesend sein. Sie braucht Menschen, die fragen, anregen, gestalten, schreiben, werben, organisieren, widersprechen, einladen und gelegentlich auch nerven. Ohne solche Menschen wird aus Tradition Gewohnheit, aus Gewohnheit Routine und aus Routine irgendwann Stillstand.

Das stete Bemühen ist darum kein Pathos, sondern Überlebenskunst. Es hält den Raum offen für Veränderung, ohne das Bestehende achtlos wegzuwerfen. Es verbindet Erfahrung mit Neugier. Es weigert sich, den bequemen Satz „Das haben wir immer so gemacht“ für ein Argument zu halten. Und es vertraut darauf, dass auch kleine Zeichen Wirkung entfalten können.

Vielleicht ist ein Autoaufkleber am Ende nur ein Autoaufkleber. Vielleicht aber ist er auch ein Symbol. Ein Symbol dafür, dass jemand noch nicht aufgegeben hat. Dass jemand sichtbar machen will, was ihm wichtig ist. Dass jemand verstanden hat, dass eine Gemeinschaft nicht allein dadurch lebt, dass man sie liebt, sondern dadurch, dass man sich um sie bemüht.

Und zwar nicht einmal. Nicht gelegentlich. Nicht nur dann, wenn es bequem ist.

Sondern stetig.

© Prinz Rupi 2026

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Das Heiligtum der Schlaraffen: der Ahalla-Schrein

April 14, 2026
by Ruprecht Frieling
Schlaraffen
14 Comments
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Ritter Ei Ei Ei zeigt den Ahalla-Schrein

Ritter Ei Ei Ei der sich Entwickelnde zeigt den Ahalla-Schrein der Praga • Fotos © Prinz Rupi

Das Heiligtum der Schlaraffen

Von Prinz Rupi

Wer in Bielefeld nach den verborgenen Wundern der Stadt sucht, stößt früher oder später auf einen Ort, den Außenstehende kaum kennen, der für Schlaraffen jedoch den Rang eines Heiligtums besitzt. In der Schlaraffenburg des Reyches Ravensbergia in der Hermannstraße 32a steht ein Kunstwerk, das weit mehr ist als ein Möbelstück, weit mehr als ein Erinnerungsort: der Ahalla-Schrein der Allmutter Praga.

Wer ihn sieht, spürt sofort, dass hier Geschichte nicht in Vitrinen erstarrt ist, sondern atmet.

Ein Schrein mit Aura

Behütet wird die kostbare Antiquität von Prof. Dr. Ekkehard Pröve, der im schlaraffischen Spiel den sprechenden Ritternamen „Ei Ei Ei der sich Entwickelnde“ führt. Mit sichtbarer Hingabe pflegt er das ehrwürdige Kleinod und zeigt es gern jenen Besuchern, die den Weg zur Ravensbergia finden.

Der Schrein selbst ist ein kunstvoll gearbeiteter hölzerner Altar der Schlaraffia-Tradition. In ihm werden die Bilder der verstorbenen Schlaraffen, der sogenannten Ahalla-Sassen, verwahrt. In der Symbolik der Schlaraffia ist die Ahalla das Jenseits, der Ort derer, die nicht vergessen werden. Bei Totengedenken, den Ahallafeyern, steht dieser Schrein im Mittelpunkt. Vor ihm verneigen sich die Sassen mit gesenktem Schwert.

Man versteht rasch: Dies ist kein dekoratives Beiwerk schlaraffischer Folklore, sondern ein Ort des Gedächtnisses.

Was ist eigentlich Schlaraffia?

Die Schlaraffia ist ein international verzweigter deutschsprachiger Bund, der sich seit seiner Gründung den Werten Kunst, Freundschaft und Humor verschrieben hat. Entstanden ist die Gemeinschaft 1859 in Prag, als sich Künstler, Literaten und Musiker zu einem Freundschaftsbund zusammenschlossen. Bis heute pflegen die Schlaraffen ein humorvoll-parodistisches Ritterspiel, das das Mittelalter nicht historisch nachstellt, sondern heiter verfremdet.

Die Mitglieder tragen als Erkennungszeichen eine Perle im Revers und werden deshalb auch Ritter von der Rolandnadel genannt.

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Autor Prinz Rupi schrieb das Buch über die Ritter von der Rolandsnadel

Was heute traditionsreich erscheint, begann einst in einer Welt ohne Telefon, ohne elektrisches Licht und ohne Motorfahrzeuge. Niemand konnte damals ahnen, dass aus dieser Prager Gründung einmal ein weltumspannender Bund erwachsen würde.

Verboten, verdrängt, nicht vergessen

Wie so vieles, was aus freiem Geist und unabhängiger Geselligkeit entstand, wurde auch die Schlaraffia in der Zeit des Nationalsozialismus zerschlagen. In den späten dreißiger Jahren verboten die Nationalsozialisten den Bund. Nach dem Ende des Faschismus konnte das schlaraffische Leben im Westen wieder aufblühen. Im Osten war es zwar nicht ausdrücklich verboten, doch weil sich die Schlaraffen nicht dem Kulturbund der DDR unterwerfen wollten, sippten sie im Verborgenen.

Prag blieb dennoch für viele eine Art mythischer Ursprungsort, ein Wallfahrtsziel der Erinnerung. Und genau dort beginnt die erstaunliche Geschichte jenes Schreins, der heute in Bielefeld steht.

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Im goldenen Prag wurde 1859 die Schlaraffia gegründet

Entdeckung im Prager Hotel Alcron

Ein Schlaraffen-Ritter der Ravensbergia, der beruflich in der damaligen ČSSR zu tun hatte, machte sich auf die Suche nach der alten Burg der Praga. Er fand sie in der Stefansgasse, unweit des Wenzelsplatzes, im Hinterhof des Hotels Alcron.

Noch standen dort geschmiedete Eingangstore mit großem „S“ und einem mächtigen Uhu. Dahinter befand sich ein gotisch anmutendes Tor mit Zinnen. Doch die einstige Burg war längst kein Ort schlaraffischen Lebens mehr. Die Räume waren verfallen und dienten nur noch als Abstellkammer des Hotels. Zwischen Gerümpel, Staub und Vergessen entdeckten die Besucher jedoch Wandmalereien mit schlaraffischen Motiven. Es musste sich tatsächlich um die ehemalige Burg gehandelt haben.

Zu retten schien zunächst nichts.

Doch dann fanden sie hinter allerlei altem Plunder eine Holztür. In sie war das Wort „Ahalla“ eingeschnitzt.

Damit war klar: Sie standen vor dem Ahalla-Schrein der Praga.

Diplomatie, Geduld und Westgeld

Was heute beinahe legendär klingt, war damals eine ebenso heikle wie mühselige Unternehmung. Mit viel diplomatischem Geschick, Ausdauer und nicht zuletzt mit Westgeld gelang es schließlich, das Kunstwerk zu erwerben und nach Bielefeld zu transportieren.

Am Heiligabend 1966 traf der Schrein dort ein. Sein Zustand allerdings war unerquicklich: Er bestand kaum noch aus mehr als einem Haufen Altholz. Was einmal ein schlaraffisches Heiligtum gewesen war, wirkte eher wie ein hoffnungsloser Fall für den Sperrmüll.

Doch man gab ihn nicht auf.

Die Tischlerwerkstatt des Bielefelder Oetker-Konzerns nahm sich des beschädigten Werkes an und restaurierte es vollständig. Schon im März 1967 konnte der wiederhergestellte Schrein der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

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Vollständig restauriert: der Ahalla-Schrein aus dem Jahre 1896 steht jetzt in Bielefeld

5,35 Meter Geschichte

Der restaurierte Schrein misst imposante 5,35 Meter. Wegen seiner gewaltigen Höhe muss er in drei Teilen aufgestellt werden. Der reich verzierte Mittelteil mit seinen Flügeltüren dient der Ravensbergia bis heute als Ahalla-Schrein. Im Streiflicht lassen sich auf den Türen sogar Biermalereien erkennen. Das Unterteil wird als Thron genutzt, der obere Teil dient heute als Unterschrank für das Schmierbuch.

So lebt das Objekt nicht nur als museales Stück fort, sondern bleibt in das schlaraffische Leben eingebunden.

Ein Zettel aus dem Jahr 1896

Als wäre die Wiederentdeckung des Schreins nicht schon aufregend genug, förderte die Restaurierung noch ein weiteres Detail zutage. Zwischen den Brettern fand sich ein verstecktes Papier, beschrieben von einem Kunsttischler, der offenbar an der Herstellung des Schreins beteiligt gewesen war. Darauf stand:

„Gearbeitet im Jahre 1896 im Monat Juli unter sehr schlechten Bedingungen. Als größter Hunger und größte Not das Volks zur Verzweiflung trieb. Deshalb rufe ich laut: Ein Hoch der Revolution, es lebe die Anarchie. J. Adam. Fort mit den blutigen Ausbeutern.“

Plötzlich bekam das Objekt eine weitere Stimme. Nicht nur die der Schlaraffen, sondern auch die eines Handwerkers aus einer Zeit sozialer Not und politischer Erregung. Durch diesen Fund lässt sich der Herstellungszeitpunkt des Schreins datieren, und zugleich wird er zu einem kulturhistorischen Zeugnis, das weit über die Geschichte des Vereins hinausweist.

Kleinod mit Seele

Für die Ravensbergia ist der Ahalla-Schrein der Praga ihr wichtigstes Kleinod. Er erinnert an die Gründungszeit der Schlaraffia, an ihre Ideale, an Verluste, an Beharrlichkeit und an die Kraft der Erinnerung.

Vor allem aber erzählt er eine außergewöhnliche Geschichte: von Verfall und Rettung, von Treue zur Überlieferung und von jener eigentümlichen Mischung aus Spiel, Ernst, Kunst und Gemeinschaft, die die Schlaraffia seit jeher prägt.

Dass ausgerechnet in Bielefeld ein solches Heiligtum bewahrt wird, mag überraschen. Wer es jedoch einmal gesehen hat, begreift schnell: Manche der bedeutendsten Orte liegen nicht im grellen Licht der Öffentlichkeit. Manche stehen still in einer Burg, hinter einer unscheinbaren Tür, und warten darauf, entdeckt zu werden.

Autor Prinz Rupi mit Rt Favorito, dem letzten Vorsitzenden des Allscharaffenrates und Rt El Charro vor dem Burgtor der des ersten Schlaraffenreyches in Prag

Autor Prinz Rupi mit Rt Favorito, dem letzten Vorsitzenden des Allscharaffenrates (links) und Rt El Charro (rechts) vor dem Burgtor der ersten Schlaraffenreyches in Prag

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Der visionäre Redakteur – Porträt des Chefredakteurs der Schlaraffen-Zeitung

Februar 15, 2026
by Ruprecht Frieling
Journalismus, porträts, Schlaraffen
12 Comments
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Als RT RAM ist Peter Schaufler Chefredakteur der Schlaraffen-Zeitung

Als Ritter RAM ist Peter Schaufler Chefredakteur der Schlaraffen-Zeitung. Sämtliche Fotos: © Prinz Rupi


Der visionäre Redakteur

Porträt des Chefredakteurs der Schlaraffen-Zeitung

Von Prinz Rupi


Am liebsten sitzt Peter Schaufler vor seinem Wohnwagen auf seinem Stammplatz in Kroatien und genießt die Ferien. Sein Staffordshire-Bullterrier Karli tobt am Hundestrand. Der Mann mit dem charakterstarken eisgrauen Garibaldi-Bart und einem Edelstahl-Ring im linken Ohr hofft, dass sein geliebter Vierbeiner zumindest zwölf oder dreizehn Jahre alt wird. Dann ist er selbst 70 Jahre alt sein und wird das Kapitel »pelziger Freund« nach 40 Jahren Hundehaltung beenden. Dann wird er in den Ferien auch nicht mehr an seinen Job denken müssen, der den größten Teil seines Lebens ausmacht: die Chefredaktion der Schlaffendepesche »Der Schlaraffia Zeyttungen« (DSZ).

Man mag sich einen Chefredakteur der Schlaraffen-Zeitung DSZ vielleicht ähnlich vorstellen wie einen Monsignore des Vatikans, der den »L`Osservatore Romano«, das tägliche Mitteilungsblatt des Heiligen Stuhls und der Vatikanstadt, redigiert: eine anspruchsvolle redaktionelle Arbeit, die unter streng kontrollierenden Blicken erfolgt. – Baumelte nicht jüngst ein Redakteur an der Seufzerbrücke? – Entschuldigung, das war der Chef der Vatikanbank, eine andere Abteilung.

In Bezug auf die Ehrwürdigkeit sind die beiden Periodika ähnlich: Der »Osservatore« wird 1861 gegründet und blickt auf eine über 150-jährige Geschichte zurück. Er veröffentlicht päpstliche Dokumente, Ansprachen des Papstes, Verlautbarungen des Heiligen Stuhls und der Römischen Kurie sowie Berichte über das kirchliche Leben.

KI-Cover der Schlaraffen-Zeitung

Auch an den Schlaraffen geht der Fortschritt nicht vorbei: Im Januar 2026 zierte erstmals ein KI-Bild das Cover der Schlaraffen-Zeitung

Die Schlaraffen-Zeitung (DSZ)

Die DSZ ist das offizielle Organ des im Oktober 1859 in Prag gegründeten Bundes der Schlaraffen. Herausgeber und Verleger ist der Verband Allschlaraffia mit Sitz in Bern, einer Organisation mit komplexen Verbindungen zu den lokalen Schlaraffenvereinen. Die Tätigkeit des DSZ-Chefredakteurs unterscheidet sich insofern von der seiner Kollegen im Vatikan, als kein Papst existiert. Das erleichtert die Arbeit jedoch nicht.

Die Schlaraffen verehren symbolisch den Uhu als Inbegriff der Weisheit und des Humors. Von dort ist stets Wohlwollen, Unterstützung, Motivation und Schutz zu erwarten. Der direkte Auftraggeber des Redakteurs ist eine gewählte Ministerialbürokratie, von der sich die weltweit verstreuten Mitglieder regieren lassen.

Diese Bürokratie besteht aus einer Gruppe hochrangiger Schlaraffen, die für die Verwaltung und Leitung der verschiedenen Angelegenheiten des Bundes zuständig sind. Die gewählten Vertreter sorgen dafür, dass die Traditionen und Bräuche des Bundes gewahrt bleiben und gleichzeitig moderne Anforderungen erfüllt werden. Für Peter Schaufler bedeutet dies, dass er ständig in engem Kontakt mit den Würdenträgern steht, um die Inhalte der DSZ abzustimmen und sicherzustellen, dass sie den Erwartungen der Mitglieder gerecht werden.

Peter Schaufler am Arbeitsplatz

Vollblutjournalist mit großem Herz: Chefredakteur Schaufler am Arbeitsplatz

Große Hingabe an die Redaktion

Peter Schaufler nimmt seine Aufgabe mit großer Hingabe wahr. Trotz der Herausforderungen liebt er die redaktionelle Arbeit und die Möglichkeit, zur Gemeinschaft der Schlaraffen beizutragen. Die DSZ ist nicht nur ein Informationsblatt, sondern auch ein kulturelles Bindeglied, das die Werte und Ideale der Schlaraffen in die Welt trägt.

Sein Wohnwagen und der Stammplatz in Kroatien bieten ihm zweimal pro Jahr eine willkommene Abwechslung vom oft hektischen Alltag des Chefredakteurs. Hier kann er abschalten, neue Energie tanken und sich seiner Familie und seinem geliebten Vierbeiner widmen. Die friedliche Umgebung und der wunderschöne Hundestrand sind der perfekte Rückzugsort, um die Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu finden und Zeit mit seinem Enkelsohn Leon zu verbringen, der seit März 2024 die Familie bereichert.

Während Schaufler die Sonne und das Meer genießt, denkt er darüber nach, wie sich seine Zeitung in Zukunft entwickeln könnte. Er hat viele Ideen und Visionen, wie das Blatt ansprechender und relevanter für die Mitglieder gemacht werden kann. Doch vorerst genießt er die Ruhe und die Zeit mit seinem Hund, wohl wissend, dass ihn zu Hause wieder die vielfältigen Aufgaben der Wortschmiede erwarten.


Buchcover "Die Ritter von der Rolandnadel von Prinz Rupi

Viele weitere Porträts und Lebensberichte von Schlaraffen aus aller Welt finden sich im Buch »Die Ritter von der Rolandnadel« von Prinz Rupi. Erhältlich unter ISBN 978-3-910408-20-3 in jeder Buchhandlung sowie im Online-Buchhandel


Leidenschaft für Musik

Peter Schaufler erblickt am 10. Februar 1960 das Licht der Welt in Judenburg, einer kleinen Stadt am südlichen Rand des Aichfeldes in der österreichischen Steiermark. Diesem Ort ist er bis heute treu geblieben.

Er wird im Zeichen des Wassermanns geboren. Laut Sterndeutern ist er ein netter, zuvorkommender, höflicher, braver, romantischer, hilfsbereiter, durchtrainierter, mehrsprachiger, bügelfreier Apollon …

Gelächter im Hintergrund: Seine Frau, seit vierzig Jahren an seiner Seite und der er zu ihrem 18. Geburtstag seine Liebe gestand, ist hörbar amüsiert über diese Selbsteinschätzung. Gibt es etwa Zweifel? – Tauchen wir tiefer in die Biografie eines Mannes ein, der mit einem wundervoll trockenen Humor ausgestattet ist …

Peter wächst als Sohn eines Betriebsmalers und einer Hausfrau mit einer jüngeren Schwester auf. Das Geld ist knapp, eine Musikschule, die er gerne besucht hätte, bleibt unerschwinglich. Doch kaum ist er siebzehn und verdient als Praktikant ein wenig Geld, investiert er es komplett in eine akustische Gitarre und bringt sich an Lagerfeuern autodidaktisch das Spielen bei. Er wird ein großer Fan von Simon & Garfunkel und Leonard Cohen. Schon bald verfügt er über ein riesiges Repertoire an Songs. Seine Klampfe hält er stets im Kofferraum griffbereit, und er spielt mit einem Freund bei kleinen Feiern, Familientreffen und nach den Sitzungen seiner Jugendorganisation, oder auch in gemütlichen Gaststätten bis in die frühen Morgenstunden.

Nach Grund- und Handelsschule absolviert Peter Schaufler eine Ausbildung zum Programmierer. Er setzt damit auf einen zukunftsträchtigen Berufszweig. Bis zum Eintritt in das Österreichische Bundesheer arbeitet er in einer Bank. In seiner Freizeit spielt er Turnierschach in einem Verein, was gut zu seiner programmierenden Denkweise passt. Der Obmann des Vereins erkennt seine Fähigkeiten und stellt ihn nach der Ableistung des Präsenzdienstes im Judenburger Rathaus an. Dort durchläuft er diverse Abteilungen, angefangen beim Staatsbürgerschaftsverband und im Standesamt.

Einstieg in die Pressearbeit

Nicht nur das geschriebene, auch das gesprochene Wort ist eine Domäne von Chefredakteur Peter Schaufler

Nicht nur das geschriebene, auch das gesprochene Wort ist eine Domäne von Chefredakteur Peter Schaufler

In den frühen 90er Jahren baut er im Judenburger Rathaus eine Umweltabteilung auf. Peter Schaufler übernimmt 1992 die Presseabteilung der Stadt. Er restrukturiert die »Judenburger Stadtnachrichten«, eine Bürgerzeitung, die er redigiert und mit Pagemaker gestaltet, um sie im weiteren Verlauf drucken zu lassen. Dabei setzt er von Anfang an auf Apple-Technologie und arbeitet mit dem Mac. Nebenbei ist er als Standesbeamter aktiv; rund 700 Paare werden sich an ihn erinnern.

Peter Schaufler ist ein Pionier. Er baut für die Stadt einen Info-Fernsehkanal auf, zunächst mit einem Commodore Amiga, und erreicht bald jeden Haushalt in der Gemeinde. Eine kleine Stadt in Österreich wird damit zum Vorreiter in der Vernetzung und tagesaktuellen Information ihrer Bürger. Der Sender liefert einen Serviceblock mit Informationen und Öffnungszeiten diverser Ämter und Behörden und bietet ein Fenster in die Stadt für diejenigen, die nicht mehr aus dem Haus kommen. Täglich fügt er neue Fotos hinzu und erfüllt damit das Bedürfnis der Menschen, teilhaben zu können.

Im Rahmen seiner Tätigkeit besucht Peter ein Seminar in Wien und lernt auf der gemeinsamen Autofahrt in die Bundeshauptstadt den Verantwortlichen für das Kabelfernsehen kennen. An dessen Auto prangt ein Wunschkennzeichen »UHU-1« welches ihn als Ritter Teleandros, einen Oberschlaraffen mit jahrzehntelanger Erfahrung identifiziert. Peter, damals 30 Jahre alt, wird nach anfänglicher Skepsis von Teleandros in den Männerbund der Schlaraffen eingeführt. Bei einer Ahallafeier, einem Totengedenken, findet er Gefallen an den anderen intelligenten, älteren Herren. Er wird zum Knappen Nr. 84 gekugelt und nimmt in den folgenden Jahrzehnten zuverlässig an den wöchentlichen Zusammenkünften teil.

Glasbild Schlaraffia Lietzowia

Ritter von der Rolandnadel – Glasbild in der Burg der Schlaraffia Lietzowia Berlin

Karriere in der Schlaraffia

Peter wird zum Ritter RAM der Internet(t)e geschlagen und kurz darauf zum Kanzler des in seiner Heimatstadt Judenburg agierenden Schlaraffenreyches Castellum Noricum befördert. Nach elf Jahren in diesem Amt schlägt er seinem Paten Ritter Teleandros vor, nach beinahe vierzig Jahre auf dem Thron auch dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Er hat selbst in seiner aktiven Zeit als Gemeindebeamter vier Bürgermeister erlebt und weiß aus seiner vielfältigen beruflichen Erfahrung, dass alles Aufgebaute verloren gehen kann, wenn die eigenen (Partei-)Freunde über Veränderungen nachzudenken beginnen. Die USA erlebt 2024, wie ein Präsident es versäumt, in Ehren abzutreten und jüngeren Kandidaten Platz zu machen, weil er seinen eigenen Vergreisungsprozess nicht wahrhaben will. Sein Vorschlag wird als Angriff auf einen Posten und damit falsch verstanden, im Ergebnis wechselt RAM ins fröhliche Kärntner Schlaraffenreych »Claudium forum« nach Klagenfurt.

Dort hat er – wie könnte es anders sein – unter dem Schutz des UHU an der sogenannten Oppo-Tafel seinen angestammten Platz, ist es doch Aufgabe der Opposition, das Reychsgeschehen zu überwachen und mit tiefgründigem Humor auf so manchen Missstand hinzuweisen. Üblicherweise verbeugen sich Schlaraffen vor dem UHU, der in jeder Burg hoch im Gemäuer sitzt, um damit anzudeuten, dass sie die Hoheit des Symbols der Weisheit anerkennen und ehren. Es scheint kein Zufall zu sein, dass ein weiser Uhu über dieser Oppo-Tafel schwebt.

Auf einer österreichischen Kanzlerarbeitstagung der Schlaraffen, an der RAM teilnimmt, wird über die Zukunft der DSZ gesprochen. Der engagierte Blattmacher kritisiert das bisherige Pamphlet als »schwarz-weißes Käseblatt«, das in Aufmachung und Schriftbild einem deutschen Landser-Heft Ehre machen würde. Die »Beurteilung« wird im Hintergrund vernommen und es dauert nicht lange, da wird er vom Vorsitzenden des Schlaraffenrates Austria gefragt, wie er es besser machen würde. RAM entwickelt ein Konzept für eine moderne, farbenfrohe Zeitschrift. Er präsentiert im Rahmen einer Sitzung des Allschlaraffenrates in Bern eine Nullnummer und zeigt, dass die Herstellungskosten durch eine Verlagerung nach Österreich erheblich gesenkt werden könnten.

Mit dem Ergebnis, dass der neue Chefredakteur der DSZ ab Januar 2004 Ritter RAM heißt. Und er wird der Redakteur mit der längsten Dienstzeit, denn zuvor hat keiner den Job länger als zehn Jahre ausgeübt. Schaufler lässt sich sogar überreden und macht bis 2029 weiter, dann wird er 25 Jahre im Amt sein. Üblicherweise wechselt der Landesverband im Vorsitz des Allschlaraffenrates alle fünf Jahre, und damit auch der Redakteur. Ein Vierteljahrhundert steht Ritter RAM dann wie eine Eiche im Personalkarussell der Bürokraten.

Nun könnte er Bücher schreiben über seine Erlebnisse als DSZ-Chef: Von leiser Kritik bis zu Tiefschlägen weit unter der Gürtellinie hat er alles pariert. Gern werden Fehler auf ihn abgewälzt, doch die Herren rechnen nicht mit einem erfahrenen Statistiker und Sammler. Schaufler löscht keine einzige E-Mail; mehr als 100.000 Dokumente ruhen exakt geordnet auf seinen Festplatten. So fällt es ihm leicht, nachzuweisen, wer im Falle des Falles einen Fehler gemacht hat. Aber es gilt auch, die Daten für die Zukunft zu bewahren.

Der Chef der Schalraffenzeitung mit stets griffbereiter Kamera

Der Chef der Schlaraffenzeitung ist in den Schlaraffenreichen ein gern gesehener Gast – mit stets griffbereiter Kamera

Leidenschaft für das Schlaraffentum

Warum tut sich der Mann das so lange an?

»Ich habe eine unglaubliche Freude am Gestalten und mir liegt einfach viel an diesem Verein, weil ich in der Lage bin, gewisse Dinge im Hintergrund zu steuern, Informationen zwischendurch im Interesse unseres Bundes zu filtern und vor allem auch zahlreichen Freunden helfend und beratend zur Seite zu stehen. Du weißt ja nicht, wie viele Briefe, E-Mails oder Anrufe kommen, wo sich zwei Freunde bekriegen oder falsch verstandene Wortmeldungen zu heftigen Diskussionen oder Auseinandersetzungen führen. Da geht es dann um Anspielungen, aber auch persönliche Animositäten. Das filtere ich tunlichst raus oder ich gehe mit ihnen ins Gespräch und sage: ‚Hör mal zu, das kannst du so nicht machen‘, oder ich schlage etwas vor.«

Er führt zahlreiche Neuerungen und diverse Kolumnen ein und hofft stets, dass die ihm zuarbeitenden Reychsberichterstatter und Landesredakteure ähnliche Freude an ihrem Job empfinden wie er.

Alle acht Wochen eine Zeitung zu produzieren, die den Wünschen und Interessen von mehr als 260 Mitgliedsvereinen in fünf Kontinenten gerecht wird, ist eine echte Herausforderung.

Die Arbeit wird jedoch nicht einfacher, denn der Ton in Schlaraffia ist rauer geworden. Dies führt in der Folge zu härteren und längeren Diskussionen in den einzelnen Schlaraffenreychen, zwischen den Mitgliedern und auch die obersten Gremien bleiben von dieser Entwicklung nicht verschont.

Ob dies eine neue Tendenz innerhalb der Schlaraffen ist, die durch die Corona-Pandemie zutage trat? RAM sieht das pragmatisch: Als er seinerzeit das Kanzleramt übernahm, stellte ihm sein Vorgänger drei große Kartons mit Unterlagen aus vier Jahrzehnten vor die Füße, die er ausmisten und sortieren durfte. Schon damals gab es in diversen Schlaraffenreychen interne Auseinandersetzungen unter den Mitgliedern, die allerdings nie nach außen drangen.

Durch die Pandemie hat Schlaraffia an Intensität verloren. Plötzlich sitzen alle gelangweilt zu Hause und beginnen nachzudenken, sich um Angelegenheiten zu kümmern, die sie vorher niemals berührt hätten, man beginnt zu diskutieren und vielleicht auch zu streiten. Dies führt zu einem Verlust der Ausrittfreude, man geht der Konfrontation vor Ort aus dem Weg, denn das Internet trägt Auseinandersetzungen rasch – und auch anonym – durch die Welt.

Mit dem Uhu als oberster Instanz der Weisheit, eigener Zeitrechnung, eigener Währung und eigener Sprache bilden die Bund der Schlaraffen eine Gemeinschaft, die sich mit Vergnügen selbst persifliert Alle Abbildungen: © Prinz Rupi

Mit dem Uhu als oberster Instanz der Weisheit, eigener Zeitrechnung, eigener Währung und eigener Sprache bilden die Schlaraffen eine Gemeinschaft, die sich mit Vergnügen selbst persifliert. Sämtliche Abbildungen: © Prinz Rupi

Blick in die Zukunft

Ritter RAM ist Realist: Der Bund wird aufgrund der Überalterung einen deutlichen Mitgliederschwund erleben. Von derzeit rund 8.300 Sassen bleiben in den nächsten zehn Jahren vielleicht noch 5.500 übrig, die sich auf Deutschland, Österreich und die Schweiz verteilen, wenn nicht jeder Sasse die Initiative ergreift und Werbung für den Bund macht.

»Chancen, neue Mitglieder zu gewinnen, gibt es nur durch eine Öffnung der Gemeinschaft und indem wir unser schönes Spiel Freunden, Bekannten, Verwandten und natürlich auch der Öffentlichkeit vorstellen«, so Ritter RAM.

Die Burgtore sollten geöffnet werden, Dichterlesungen, Gitarrenkonzerte, Diskussionsveranstaltungen, ein Tag der offenen Tür, die Präsentation des Bundes in der Öffentlichkeit bei Vereinstagen, Stadtfesten etc., die Kontaktaufnahme zu den in der Stadt und Umgebung beheimateten Vereinen, und nicht zuletzt auch die Präsentation des Bundes in den sozialen Medien und dem Internet usw., vor allem aber das persönliche Gespräch mit »Jedermann« soll(t)en Interessenten anlocken.

Es werden Repräsentanten gebraucht, die eine Perspektive sehen und freudig in die Zukunft blicken. Die Veränderung beginnt im Kleinen, in den Reychen und Vereinen.

Ein Mann wie Peter Schaufler kann mit Schwarz-Weiß-Denken nichts anfangen. Er hat Turnierschach auf höchstem Niveau gespielt und als junger Schachspieler aus Judenburg Weltmeister Anatoli Karpov gegenüber gesessen.

»Da lernst du ganz schnell, dass es nicht nur eine zweite Möglichkeit gibt, sondern hundert andere«, meint er, das komme ihm nun in seinem Amt zugute. »Denk in Möglichkeiten, nicht in Schwierigkeiten«, lautet seine Devise, die er gern den Schlaraffen vermitteln möchte.

 

Erfahre mehr über die Schlaraffen

 

Die Leidenschaft bleibt

Chefredakteur RAM fühlt sich ganz besonders als Journalist, wenn er im Uhuversum unterwegs ist. Dann kann er schreiben, was ihm Freude macht, und die Veranstalter von Stiftungsfesten und anderen Events sind heilfroh, wenn er kommt, denn dann ist die Berichterstattung gewährleistet. Er versucht bei seinen Berichten, die Stimmungen einfangen, sodass der Leser bedauert, nicht dabei gewesen zu sein. Solche Artikel sollen auch die Ausrittfreudigkeit der Schlaraffen erhöhen und dienen als Motivation, andere Reyche in anderen Orten zu besuchen, neue Freundschaften zu knüpfen und bestehende zu pflegen.

In jede Ausgabe der Schlaraffen-Zeitung investiert er 135 bis 160 Stunden seiner Lebenszeit. Familie, Freizeit und Ruhestand sind ihm wichtig, doch die Leidenschaft für das Schlaraffentum ist der Brennstoff, der ihn vorwärtstreibt.

Peter Schaufler ist ein Mann, der trotz widriger Umstände und bescheidener Anfänge seinen eigenen Weg gefunden hat. Er ist geprägt von einer tiefen Leidenschaft für Musik, einem scharfen Verstand und einem unerschütterlichen Sinn für trockenen Humor. Seine Geschichte ist ein inspirierendes Beispiel dafür, wie Hingabe und Selbstdisziplin zu einem erfüllten und erfolgreichen Leben führen können.

© Prinz Rupi


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Ritter von der Rolandnadel – die Schlaraffen erstmals öffentlich

November 07, 2025
by Ruprecht Frieling
Freundschaft, Humor, kunst, Schlaraffen
16 Comments
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Cover Buch "Ritter von der Rolandnadel"

Mit »Ritter von der Rolandnadel«, einem ebenso verspielten wie fundierten Buch öffnet Autor Prinz Rupi erstmals die Tore zur Welt der Schlaraffen – eines einzigartigen Weltbundes, der seit über 160 Jahren, weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, die Ideale von Kunst, Humor und Freundschaft pflegt.

In atmosphärischen Reportagen und eindrucksvollen Porträts, die nach Tiefeninterviews entstanden, führt er seine Leserinnen und Leser durch das Reich der »Ritter von der Rolandnadel« und begegnet deren Mitgliedern: visionären Künstlern, wortgewandten Erzählern, leidenschaftlichen Musikern, Freigeistern und Individualisten.

Ritter von der Rolandnadel - Urenkelin Sissy Hallenstein

Sissy Hallenstein, Urenkelin einer der Gründer des Schlaraffenbundes, öffnet erstmals ihre Archive © Fotos : Prinz Rupi

Mit Liebe zum Detail und historischem Tiefgang rekonstruiert der Autor die Anfänge der Schlaraffia im Prag des 19. Jahrhunderts, als Schauspieler und Künstler eine Gegenwelt zur bürgerlichen Enge schufen. Im Zentrum stehen jedoch lebendige Charakterporträts heutiger Schlaraffen, die die intellektuelle Vielfalt des Bundes verkörpern.

Ritter von der Rolandnadel - Humor wird großgeschrieben

Humor ist eine der drei Säulen der Ritter von der Rolandnadel …

So trifft ein überzeugter Narr aus Mallorca auf einen schmunzelnden Juristen aus Osnabrück und einen Wortakrobaten aus dem Ruhrgebiet – jede Miniatur zeichnet ein facettenreiches Bild gelebter Individualität und gemeinschaftlicher Kreativität. Zugleich spart der Autor kritische Themen nicht aus: Er schreibt über die Herausforderungen des Vereinslebens in einer zunehmend digitalisierten Welt, über Mitgliederschwund, historisches Erbe und die Frage nach einer zeitgemäßen Öffnung.

Ritter von der Rolandnadel: Kunst ist eine wichtige Säule

… Kunst ist die zweite Säule des Bundes …

Das Buch vereint Reportage, Porträtband und literarische Erzählung – ein greifbares Zeitdokument über ein lebendiges Kulturprojekt jenseits des Mainstreams.

Ritter von der Rolandnadel: Freundschaft und Gemeinschaft spielen eine wesentliche Rolle

… und Freundschaft wird von den Schlaraffen als dritte Säule genannt

Autor Prinz Rupi kennt die Schlaraffen seit einem halben Jahrhundert. Für die vorliegende Veröffentlichung hat er sich jahrelang im Inneren der Schlaraffia umgesehen – mit journalistischer Genauigkeit und poetischer Leichtigkeit entstand so ein stimmiges, vielstimmiges Porträt einer außergewöhnlichen Kulturgemeinschaft, die seit 1859 weltweit einen eigenwilligen, inspirierenden Beitrag zur deutschsprachigen Kultur leistet. Im Fokus stehen dabei Männer, die Ideale wie Toleranz, Freiheit, Gleichheit und die unbändige Kraft der Kreativität pflegen.

Rolandnadel 3D

Bibliografische Angaben
Prinz Rupi
Ritter von der Rolandnadel
Die Schlaraffen: Kunst, Humor und Gemeinschaft seit 1859
Charles Verlag 2025

Hardcover, 344 Seiten, 70 Fotos und Grafiken, Lesebändchen
ISBN: 978-3-910408-20-3
Ladenpreis 29,00 € (DE), 29,90 € (A)

Schlaraffen Banner

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Der Uhu – Symbol der Weisheit, Hüter des Geistes, Bruder im Scherz

Juli 14, 2025
by Ruprecht Frieling
Kulturgeschichte, Prinz Rupi Kulturstiftung, Schlaraffen
2 Comments
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Dialog mit dem Uhu im Licht des Mondes

Dialog mit dem Uhu im Licht des Mondes – ein stilles Gespräch zwischen Weisheit und Erfahrung. © Prinz Rupi

Der Uhu gilt seit der Antike als mehr als bloßes Sinnbild wilder Natur. In ihm vereinen sich kontemplative Stille, geheimnisvolle Erhabenheit und tiefe Weisheit – Eigenschaften, die ihn seit Jahrhunderten zum Symbol philosophischer Erkenntnis, geistiger Durchdringung und bildungsbürgerlicher Distinktion machen. Kein Wunder also, dass der Uhu nicht nur in Mythen, sondern auch in geistigen Bruderschaften wie der Schlaraffia eine herausragende Rolle spielt.

Der Uhu – Symbol der Weisheit, Hüter des Geistes, Bruder im Scherz

Athenisches Vierdrachmenstück mit Eule

Athenisches Vierdrachmenstück mit Eule, geprägt 450-400 v.u.Z.

Die symbolische Aufladung des Uhus reicht zurück bis in die griechische Antike. Zwar war dort vor allem die Athene-Eule (auch Eule der Minerva genannt) das klassische Sinnbild der Weisheit, doch der Uhu – als ihr größerer, geheimnisvoller Verwandter – fand vor allem im römischen Kulturraum ambivalente Beachtung. Sein nächtlicher Ruf wurde teils als Omen gefürchtet, teils als Zeichen wachender Geistesgegenwart gedeutet – erinnernd an die Haltung stoischer Philosophen: zurückgezogen, unbeirrbar, wach.

Seine Fähigkeit, in der Dunkelheit zu sehen, wurde zum Bild der Erkenntnis im Verborgenen – für jene geistige Kraft, die durch die Schatten des Unwissens hindurchblickt. Im mittelalterlichen Christentum erscheint der Uhu doppeldeutig: als Tier der Einsiedler, klugen Sonderlinge und Ausgestoßenen – eine Figur zwischen Licht und Schatten, zwischen göttlicher Eingebung und weltabgewandter Eigenheit.

Weisheit im Schatten

Bereits Plinius der Ältere nennt ihn in seiner Naturalis historia (77 n. Chr.) einen „Vogel der Einsamkeit“, der belebte Gegenden meidet – ein Wesen, das die Stille sucht wie ein Denker seine Kammer. In der Symbolsprache der Antike galt dies als Zeichen innerer Einkehr:

„Der Uhu flieht das Licht nicht aus Furcht, sondern aus Urteil.“
Pseudo-Apuleius, De Natura Avium

Ein Gedanke, der von christlichen Mystikern aufgegriffen wurde. Hildegard von Bingen (1098–1179) etwa schrieb über ihn: Der Uhu sei ein „Vogel der Nacht, aber nicht des Bösen“, sondern einer, „der das Unsichtbare hört“.

Der Uhu – Sinnbild der Belesenheit

De Natura Avium, Uhu

De Natura Avium, Uhu, 1277 oder danach. Temperafarben, Feder und Tinte, Blattgold und Goldfarbe Blatt: 23,3 × 16,4 cm (9 3/16 × 6 7/16 in.) © The J. Paul Getty Museum

In Aufklärung und Romantik erlebt der Uhu eine Renaissance – nun als Sinnbild geistigen Rückzugs in die Welt der Bücher und Gedanken. Die Vorstellung des belesenen Einzelgängers, der über den Dingen der Welt schwebt, spiegelt sich in seinem Bild. Er wird zum Symbol für die Melancholie des Denkens, die Einsamkeit des Gelehrten – und zugleich für dessen überlegene Weitsicht.

Besonders in literarischen und künstlerischen Kreisen des 19. Jahrhunderts avanciert der Uhu zum ironisch-ehrwürdigen Emblem geistiger Arbeit. In Zirkeln und Gesellschaften erscheint er seither immer wieder – ernst und augenzwinkernd zugleich – als Hüter des gedruckten Wortes und des gepflegten Gesprächs.

Der belesene Uhu

Cover lachender Uhu klein

337 Dichterinnen und Dichtern setzen der mythischen Eule ein literarisches Denkmal in der 452 Seiten starken Anthologie der Prinz-Rupi-Kulturstiftung

In der Zeit der Aufklärung wird der Uhu endgültig zum „philosophischen Vogel“. In Universitätsstuben ziert er Bucheinbände, in Karikaturen erscheint er als Professor mit Hornbrille. Johann Georg Hamann (1730–1788), der „Magus im Norden“, nannte ihn liebevoll den „Bibliothekar des Waldes“.

Ein Berliner Zeichner des Biedermeier stellte ihn auf einem Bücherstapel dar – darüber der Spruch:

Wohl dem, der nachts zu lesen weiß,
statt Schnaps zu saufen und zu schrein,
denn was ein Uhu leise weiß,
muss eines Esels Lärm nicht sein.

Der Uhu bei den Schlaraffen

IMG 0323

Schlaraffen-Ritter Excel-sius mit Uhu

Die traditionsreiche Symbolik des Uhus lebt heute in der Schlaraffia fort – einer weltweiten Vereinigung kulturbegeisterter Männer. Dort ist der Uhu nicht nur Wappenvogel, sondern totemisches Zentrum eines ganzen Denk- und Spielsystems. Die 1859 in Prag gegründete Bruderschaft pflegt ein zeremonielles Spiel aus ritterlicher Sprache, parodistischen Titeln und kunstsinniger Selbstdistanz.

Der Uhu steht dabei für das sogenannte „Uhuversum“ – eine Gegenwelt zur Nüchternheit und Banalität des Alltags. In Federzeichnung oder Bronzefigur thront er über den „Sassen“ – den Mitgliedern der Runde – als mahnende wie inspirierende Gestalt. Seine Botschaft: Bildung ohne Humor bleibt leer. Weisheit zeigt sich oft im Spiel, in der Ironie, im feinen Andeuten. In seinem ernsten Blick liegt der leise Hinweis: „Nimm das Leben ernst – aber nicht zu ernst.“

Die Eule als Verlagsemblem

Uhu-Logo Frieling-Verlag

Der verschmitzte Uhu ist seit 1871 Logo des Frieling-Verlages

Auch in meiner eigenen Familiengeschichte spielte der Uhu eine prägende Rolle. Mein Urgroßvater Wilhelm Frieling wählte ihn als Symbol für das 1871 gegründete Familienunternehmen. In vierter Generation nutzte ich das Emblem für meinen Verlag Frieling & Partner. Unter dem wachsamen Blick des Uhus erschienen im Laufe der Jahrzehnte Werke von über zehntausend Autorinnen und Autoren – darunter auch zahlreiche Schlaraffen.

Der Uhu als kulturelle Chiffre

Ob als schweigsamer Begleiter des Philosophen, als nächtlicher Leser im stillen Turmzimmer oder als majestätischer Wappenvogel in schlaraffischer Runde – der Uhu ist mehr als ein Tier. Er ist eine Chiffre für Geist, Ironie und Tiefe; ein Gleichgewicht zwischen Nachdenklichkeit und Heiterkeit. In einer Welt, die sich oft in Oberflächlichkeit verliert, bleibt er ein Gegenbild – ein Sinnbild für Wissen und Würde.

Uhu im Herzen © Prinz Rupi

Uhu im Herzen © Prinz Rupi

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Die Weisheit des Hofnarren oder: Die Last der Sorgen

August 21, 2024
by Ruprecht Frieling
Lebensweisheiten, Narren, Philosophie, Schlaraffen
2 Comments
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Ein Junge mit Narrenkappe sitzt auf einem Kinderthron und winkt

Gibt das Leben dir Zitronen, zieh eine Narrenkappe an und lächle es einfach weg! © Prinz Rupi

Die Weisheit des Hofnarren oder: Die Last der Sorgen

Es war einmal ein Königreich, in dem ein Hofnarr namens Tullio regierte – zumindest in den Herzen der Menschen. Seine Aufgabe bestand darin, den König und seine Untertanen zu erheitern, doch seine Worte trugen oft eine tiefere Weisheit in sich.

Eines Tages, während einer prächtigen Festlichkeit, trat Tullio vor den König und fragte: »Majestät, was ist schwerer zu tragen: die Krone auf dem Kopf oder die Sorgen im Herzen?«

Der König, in bester Laune, lachte laut und antwortete: »Natürlich die Krone, Narr! Sie ist aus purem Gold und wiegt schwer auf meinem Haupt.«

Tullio grinste schelmisch und begann, eine Geschichte zu erzählen:

In einem fernen Land lebte einst ein Bauer namens Jakob, der nur einen einzigen Ochsen besaß. Eines Tages lief der Ochse weg, und alle Dorfbewohner kamen zu Jakob und sagten: ‚Wie schrecklich!‘

Jakob antwortete nur: ‚Wer weiß, was gut oder schlecht ist?‘

Einige Tage später kehrte der Ochse zurück – und brachte eine ganze Herde wilder Pferde mit. Die Dorfbewohner waren erstaunt und sagten: ‚Wie wunderbar!‘

Doch Bauer Jakob blieb gelassen: ‚Wer weiß, was gut oder schlecht ist?‘

Jakobs Sohn versuchte, eines der wilden Pferde zu reiten, fiel herunter und brach sich ein Bein. Die Dorfbewohner bedauerten ihn und sagten: ‚Wie schrecklich!‘ Jakob entgegnete wieder: ‚Wer weiß, was gut oder schlecht ist?‘

Wenig später brach Krieg aus, und alle jungen Männer des Dorfes wurden eingezogen, außer Jakobs Sohn, der wegen seines gebrochenen Beins verschont blieb. Die Dorfbewohner jubelten: ‚Wie glücklich ihr seid!‘

Doch Jakob sagte erneut: ‚Wer weiß, was gut oder schlecht ist?'“

Tullio blickte in die Runde und schloss: »Majestät, das Leben ist wie ein Narrenspiel. Die Krone mag schwer sein, doch es sind die Sorgen im Herzen, die wir oft selbst erschaffen, indem wir Dinge sofort als gut oder schlecht bewerten. Lasst uns wie Jakob sein und mit einem offenen Geist durch das Leben gehen.«

Der König war still und dachte nach.

Dann lächelte er und sagte: »Vielleicht trägst du die schwerere Last, Tullio. Denn es ist eine Kunst, Weisheit in das Gewand des Humors zu hüllen.«

Und so wurde Tullio, der Narr, nicht nur zum Liebling der Menschen, sondern auch zur Stimme der Weisheit am Hofe.


Bei dem Text handelt es sich um eine Fechsung zum 1. Schlaraffischen Hofnarren-Konvent in Boston, Oktober 2024


© Prinz Rupi 2024

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Siegfried Sack † – Der sakrale Bildhauer

April 16, 2024
by Ruprecht Frieling
Bildende Kunst, Dresden, Prinz Rupi, Sammlung Frieling, Schlaraffen
6 Comments
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Porträt Siegfried Sack aka Schlaraffenritter Graph Pinsel

Siegfried Sack aka Schlaraffenritter Graph Pinsel aus Dresden • Sämtliche Fotos © Prinz Rupi

Dresden, die wunderschöne Landeshauptstadt von Sachsen, beherbergt zahlreiche einzigartige Orte und Viertel, von denen jeder eigenen Charakter besitzt. Einer dieser Flecken ist Laubegast, das im Südosten von Dresden liegt und für seine ruhige Lage und seinen historischen Charme bekannt ist. Hier schuf Graph Pinsel, der eigentlich Siegfried Sack hieß, Kunstwerke, die die Sinne verzaubern.

»Zur Bleiche 12« im Dresdener Stadtteil Laubegast ist ein heiliger Ort, der Besuchern eine eigene Welt eröffnet. Hinter einem hohen Hoftor verbirgt sich die Wunderwelt des bildenden Künstlers Graph Pinsel. Öffnet man das Tor, taucht man in eine faszinierende Welt der Kunst ein.

Siegfried Sack schuf hier in seinem Atelier Kunstwerke, die die Sinne verzaubern. Seine Werke zeugen von seiner beeindruckenden künstlerischen Begabung und seiner Leidenschaft für Farben und Formen. Besucher haben die Gelegenheit, in eine Welt der Schönheit und Kreativität einzutauchen und sich von der Magie der Kunst verzaubern zu lassen. HIER geht es weiter →

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Helmut Rosenthal – Der Lionel Hampton von Hermsdorf

Dezember 23, 2022
by Ruprecht Frieling
Musik, Schlagzeuger, Schlaraffen
4 Comments
Helmut Rosenthal aka Rt Xyl-=-peer begleitet von seinem Freund Dieter »El Charro« Steinmetz aka Jk Dieter

Helmut Rosenthal aka Rt Xyl-O-peer begleitet von seinem Freund Dieter »El Charro« Steinmetz aka Jk Dieter. Foto: © Prinz Rupi

Blasmusik erklingt. Gemessenen Schrittes betritt ein weißhaariger Herr die Bühne und schiebt ein schimmerndes Xylophon herein. Der Musiker in Anzug mit Weste, silberner Krawatte und Rolandnadel am Revers fasst die Schlegel und legt los. Es erklingt das Paradestück aller Xylophonspieler, der »Zirkus Renz«. Dann: Trommelwirbel! Der Virtuose zaubert eine Augenbinde hervor, legt sie an und spielt blind weiter. Applaus! APPLAUS! Der Solist genießt den Beifall. Er ist glücklich, immer noch vor Publikum spielen zu können, zumal er inzwischen mehr als neunzig Lenze zählt. Im Alter von 93 Jahren ist Helmut Rosenthal aka Rt Xyl-O-peer am 23.12.2022 von der Bühne des Lebens abgetreten. HIER geht es weiter →

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Die Legende vom Schlaraffenland

November 11, 2022
by Ruprecht Frieling
Legenden, Märchen, Parabel, Schlaraffen
23 Comments
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Das Schlaraffenland

Wo liegt das Schlaraffenland – wenn nicht in uns? KI-Kunst ©Prinz Rupi

Die Legende vom Schlaraffenland

Prinz Rupi gräbt versunkenes Wissen aus

 

Die Legende vom Schlaraffenland ist eine uralte Geschichte, die von einem Land erzählt, in dem es allen Menschen an nichts mangelte. Prinz Rupi hat sie ausgegraben und erzählt sie hier.

HIER geht es weiter →

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