
Das John McLaughlin Quintet im Berliner Admiralspalast: Pianistin Jany McPherson, Bassist Étienne M’Bappé, Drummer Ranjit Barot, Drummer und Keyboarder Gary Husband sowie Gitarrist und Bandleader John McLaughlin © Ruprecht Frieling
Mit John McLaughlin betritt ein Grandseigneur alter Schule die Bühne im Berliner Admiralspalast: weiße Hose, weißes Hemd, bestickte Seidenweste, eleganter Binder. Über all dem leuchtet silberhell das weiße Haarkleid eines englischen Lords, der sich keiner Perücke bedienen muss. Das ist der Star des Quintetts, das seinen Namen trägt und dem man seine 82 Lenze kaum glauben mag. HIER geht es weiter →

Das nächste Abenteuer wartet gleich nebenan: Mit Blumenhemd, Sonnenbrille und Strohhut zum New Healing Festival
Das hochsommerliche »New Healing Festival« ist ein farbenfrohes Miteinander von Folkies, jungen und alten Hippies, Esoterikern und Menschen mit Eigensinn. Sie verbringen eine unbeschwerte Woche, umgeben von Zelten wie kleinen Burgen und rollenden Wohnheimen. Sie baden gemeinsam im See und tanzen rauschend bis zum Sonnenaufgang zu elektronischen Beats. HIER geht es weiter →

Helmut Rosenthal aka Rt Xyl-O-peer begleitet von seinem Freund Dieter »El Charro« Steinmetz aka Jk Dieter. Foto: © Prinz Rupi
Blasmusik erklingt. Gemessenen Schrittes betritt ein weißhaariger Herr die Bühne und schiebt ein schimmerndes Xylophon herein. Der Musiker in Anzug mit Weste, silberner Krawatte und Rolandnadel am Revers fasst die Schlegel und legt los. Es erklingt das Paradestück aller Xylophonspieler, der »Zirkus Renz«. Dann: Trommelwirbel! Der Virtuose zaubert eine Augenbinde hervor, legt sie an und spielt blind weiter. Applaus! APPLAUS! Der Solist genießt den Beifall. Er ist glücklich, immer noch vor Publikum spielen zu können, zumal er inzwischen mehr als neunzig Lenze zählt. Im Alter von 93 Jahren ist Helmut Rosenthal aka Rt Xyl-O-peer am 23.12.2022 von der Bühne des Lebens abgetreten. HIER geht es weiter →

Der 83-jährige Chris Farlowe und der erst 30-jährige Gitarrist Krissy Matthews rockten gemeinsam das Berliner Quasimodo. Am Schlagzeug: Eddie Edward Fillip • Fotos: © Prinz Rupi
Wenige Tagen zuvor musste die britische Rockröhre Chris Farlowe in einem Hamburger Krankenhaus wegen Herzproblemen notversorgt werden. Doch schon stand die Legende auch schon wieder in Berlin auf der Bühne und sang »I don´t need no doctor«. Das deutsche Gesundheitssystem findet er Klasse, nur das Frühstück im Krankenhaus sei »very poor«, meinte Farlowe.
Der am 13.10.1940 in London geborene Chris Farlowe begann seine Karriere als Coversänger. Er spielte und produzierte mit Mick Jagger von den Rolling Stones, mit Jimmy Page, Albert Lee und Rod Stewart. Seine größten Erfolge hatte er als Sänger von »Colosseum«, wo er die gesamte Palette seiner Stimme einsetzen konnte.
»Colosseum« wurde 1968 vom Schlagzeuger Jon Hiseman und dem Saxofonisten Dick Heckstall-Smith gegründet. Die Beiden hatten zuvor mit der Graham Bond Organization gespielt und danach mit John Mayall’s Bluesbreakers den europäischen »weißen Blues« popularisiert.
Dick-Heckstall-Smith wiederum war Gründungsmitglied von »The Hamburg Blues Band«, die er 1982 gemeinsam mit Leadsänger Gerd Lange in Hamburgs legendärem Jazzlokal Onkel Pö ins Leben rief. Mit dieser Band spielte Chris Farlowe anlässlich des 40-jährigen Bandjubiläums am 6. Oktober 2022 im Berliner Club Quasimodo.
Wie ein Urgroßvater wirkte er neben dem erst 30-jährigen Supertalent Krissy Matthews, der durch feingliedrige Soli brillierte. Das Miteinander zeigt augenfällig, dass Blues keine Frage des Alters ist.
Ausgewählte Musikstücke können gute Laune spenden und auch in Krisenzeiten Herzen zum Strahlen bringen. Der US-Komponist John Adams hat mit seinem vier Minuten kurzen Orchesterstück »Short ride in a Fast Machine« ein solches Kunstwerk der Gute-Laune-Musik geschaffen, das anspruchsvolle Zuhörer zum Lachen, rhythmischem Mitgehen und ekstatischem Vergnügen bringen kann. HIER geht es weiter →

Jayne Freeman und Adam Piggott: außergewöhnlich ausgefeiltes Melodiespiel auf der Gitarre und eine wolkenlos klare Begleitstimme
Jayne Freeman und Adam Piggott sind Wildwood Jack. Das Musikantenpaar tingelt quer durch Europa und steht für unabhängige Straßenmusik, die keine Grenzen kennt. Dem künstlerischen Duo kann man jederzeit auf Konzerten, Kleinkunstfestivals oder an der nächsten Straßenecke begegnen. Jetzt machen sie mit ihrer liebevoll produzierten CD »Liberty Ship« auf sich aufmerksam.
Im Sommer 2014 stieß ich auf einer Reise stromab der Donau auf den kanadischen Singer-Songwriter Neill Young, der vor dem Ulmer Münster auftrat. Wenige Tage später durfte ich in Bregenz auf der Seebühne die farbenprächtige Premiere von Mozarts »Zauberflöte« genießen. Von dort ging ich auf Spurensuche nach dem Heimatdichter Franz Michael Felder, dessen hochpoetischen Dorfroman »Reich und Arm« ich herausgab. Schließlich machte mich ein Flyer auf ein buntes Gauklerfest in Voralberg aufmerksam, und schon rollte ich neugierig nach Feldkirch.
Feldkirchs Innenstadt präsentierte sich als großes Freilufttheater. Aus der ganzen Welt waren Gaukler, Fakire, Jongleure, Artisten und Musikanten gekommen, um ihre Kunststückchen aufzuführen. Zwei Tage lang verwandelten sie die Montfortstadt in eine Welt der Attraktionen, Illusionen und Musik. Es machte Freude, stundenlang durch die Altstadt zu schlendern.
Das außergewöhnlich ausgefeilte Melodiespiel einer akustischen Gitarre und eine wolkenlos klare Begleitstimme mit sanftem Vibrato lockten mich auf einen schattigen Platz, auf dem zwei Straßenkünstler musizierten. Das Paar präsentierte hochpoetische Lieder in englischer Sprache und wechselte dabei zwischen Akustikgitarre, Akkordeon und Ukele. Da die Akteure beim Feldkircher Gauklerfestival keine Gage erhalten, sondern lediglich eine Übernachtung und ein kleines Taschengeld bekommen, leistete ich meinen Obolus in den Hut, der vor ihnen stand und lud sie zum Mittagessen ein. Wenig später saßen wir uns im Gastgarten eines fremdenfreundlichen Wirtshauses gegenüber und plauderten.
Jayne Freeman und Adam Piggott stammen aus England. Sie lernten sich 1991 an der Universität Hull kennen und lieben. Sie heirateten und begannen, miteinander Musik zu machen und aufzutreten. 2002 bezogen sie ein Haus in Hastings, East Sussex. Die Musikbesessenen spielten in verschiedenen Bands und versuchten sich auch im Kabarett. Die Magie der Musik, der Auftritte und des Reisens zog sie in ihren Bann und mutig verkauften sie im Sommer 2013 ihr Eigenheim, um ins kalte Wasser des freien Künstlertums zu springen. Seitdem vagabundieren die beiden Troubadoure als »Wildwood Jack« durch die Lande. In Clubs, auf Kleinkunstfestivals, bei Hauskonzerten, in Cafés und Bars, auf Hausbooten und in Theatern bringen sie dem Publikum ihre selbst geschriebene und komponierte britische Volksmusik nahe.
Die ersten drei Alben von Wildwood Jack, »Retrospective«, »Anytime Now« und »The Firefly and the Half Diamond« sind längst ausverkauft und nur noch als digitaler Download zu haben. Aktuell gibt es mit »Liberty Ship« Album No. 4, eine liebevoll gestaltete CD. Das Duo beschreibt in zwölf Songs reale und imaginäre Reisen auf einem Schiff namens »Freiheit«.
In »Unsinkable Sam« geht es um Schiffskater Sam, der den Untergang des deutschen Schlachtschiffs »Bismarck« am 23. Mai 1941 sowie der britischen »Cossack« und »Ark Royal«, auf die er sich jeweils rettete, überlebte und damit zur Legende wurde. »Montgomery Canal« ist ein Liebeslied, das die mitunter neblige Stimmung auf dem Kanal im Osten von Wales schildert. In einer Liedzeile von »The Captain and Me« verweben sie sogar ihre eigene kleine Geschichte: »We sailed from the island / We sailed tob e free / Me and the captain, the captain and me». Und wer die CD aufmerksam bis zum Schluss anhört, wird mit dem Kinderlied »Hush Little Baby« belohnt, auf dem auch Alans Vater Gordon zu hören ist, der wenige Tage nach der Aufnahme starb.
Wildwood Jack ist ein Duo, das Aufmerksamkeit verdient. Jayne und Adam erzählen wundervolle Geschichten in ihren brillanten Songs. Sie singen mit filigraner Leichtigkeit und spielen mit ausgefeiltem Fingerpicking, dass Zuhören zur puren Freude wird.
Wer mit dem Schiff »Freiheit« unterwegs ist, der kann nicht untergehen.
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Hannes Wader sagt Adieu • Foto: Karl-Anton Koenings
Wader sagt Adieu. Hannes Wader, der wohl nachhaltigste deutsche Liedermacher, hat sich nach 50 erfolgreichen Bühnenjahren entschlossen, der Bühne Adieu zu sagen. Im Herbst 2017 trat der 75-jährige zu seiner letzten großen Tournee an, die am 30. November im Berliner Tempodrom endete.
Wer sich von dem berühmtesten deutschen Protestsänger, der Legende der Ostermarsch-Bewegung, dem Aktivisten der Friedens-, Anti-Kernkraft- und Attack-Bewegung, dem Singer/Songwriter, der den Wunsch vor allem junger Menschen, die Welt zu verändern, dichtend, singend und spielend begleitete, verabschieden wollte, tat gut daran, sich eine Eintrittskarte zu sichern und war im Berliner Tempodrom dabei.

Abschied vom Publikum: Liedermacher Hannes Wader • Foto: Ruprecht Frieling
Nach seinem offiziellen Abgang von der Bühne zieht sich Wader, wie er mir nach dem Konzert bei einer Feier im engsten Freundeskreis in der Bristol-Bar des Berliner Hotel Kempinski verriet, keinesfalls in den Ruhestand zurück: Bereits 300 Seiten seiner Autobiographie hat der Meister des geschliffenen Wortes zu Papier gebracht.
Mit etwas Glück wird sein lang ersehntes Werk bald das Licht der Öffentlichkeit erblicken.
Inzwischen ist Waders Autobiographie erschienen. »Trotz alledem« ist ein faszinierendes Werk der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Es ist ein anschauliches Beispiel für das Vermögen eines starken Charakters, seinen Jugendträumen zu folgen und ein Leben lang daran zu arbeiten, diese zu verwirklichen. H I E R geht es zu meiner Besprechung.
Mach´s gut, Hannes. DANKE für fünfzig wunderbare Jahre!
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• Zum 70. Geburtstag von Hannes Wader
• Wader und Wecker in memoriam Franz Josef Degenhardt
• Hannes Wader hat große Pläne
• Hannes Wader, Klaus Hoffmann, Reinhard Mey, Herman van Veen & Romy Haag

Die Abenteuer des Clarinetto Marco Thomas (Erzähler) und Ensemble Clarinetto Müller-Lüdenscheidt-Verlag 2013
Marco Thomas, Professor für Klarinette und Kammermusik an der HdK Bremen, erzählt die wundersame Reise der kleinen Es-Klarinette »Clarinetto«, die auf eine abenteuerliche Suche nach ihren Verwandten geht. Mittels einer Zeitmaschine saust das Instrument durch Zeit und Raum.

Hannes Wader & Ruprecht Frieling
Lieber Hannes,
heute wirst Du 70 Jahre jung! Ich gratuliere Dir dazu aus vollem Herzen und wünsche Dir für das nächste Jahrzehnt wie in allen Jahren zuvor stets ein volles Haus und ein unverändert begeistertes Publikum. HIER geht es weiter →
Wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag verstarb am 14. November 2011 der Liedermacher, Schriftsteller, promovierte Jurist und Rechtsanwalt Franz Josef Degenhardt in Quickborn bei Hamburg.
Degenhardt war einer der großen deutschen Singer-Songwriter, die sich gegen Unrecht, atomare Bewaffnung und kalten Krieg einsetzen.
Zu Ehren seines verstorbenen Freundes Franz Josef Degenhardt trägt Hannes Wader ein Lied vor, das »Väterchen Franz« gewidmet ist.
Hannes Wader singt »Väterchen Franz« in memoriam Degenhardt
Franz Josef Degenhardt singt »Spiel nicht mit den Schmuddelkindern«
Franz Josef Degenhardt singt »Väterchen Franz«
