Offen gestanden: Nie hätte ich gedacht, siebzig Jahre alt werden zu können. Die Ärzte hatten mir bereits mit 50 ein baldiges Ende prophezeit. Nun, auch Weißkittel können irren. Hurra! Ich lebe immer noch.
Facebook schreibt zum Geburtstag, ich sei »eine lebende Legende«. Eine derartige »Legende« war bislang für mich einer wie Keith Richards von den »Rolling Stones« oder mein Freund, der Liedermacher Hannes Wader. – Aber ich?
Ich sehe es positiv: Was kann einem Geschichtenerzähler Schöneres passieren, als Teil der eigenen Geschichte zu werden? Als schillernder Stern am Bücherhimmel, als Paradiesvogel der Büchernarren, als Pionier für Fortschritt und Moderne und als führender Experte für blanken Wahnsinn.
Meinen 70. Geburtstag feierte ich gemeinsam mit Freunden in einem Bücherhotel in Mecklenburg-Vorpommern. Die Chefin der Herberge mit Alleinstellungsmerkmal, führte über das weitläufige Gelände und erzählte, wie alles wuchs und wurde. Ihr Team kümmerte sich liebevoll um uns, ich stehe kurz davor, fest dorthin ins »betreute Wohnen« zu übersiedeln.
Der Intendant von Literaturradio Hörbahn, Dr. Uwe Kullnick, schuf aus diesem Anlass eine hörenswerte Reportage über das außergewöhnliche Landhotel.
Dr. Lutz Kreutzer, Chef vom Self-Publishing-Day, las ein Kapitel aus seinem köstlichen Roman »Taubenblut«.
Sprechtrainerin »Abenteuerstimme« Brigitte Mayer fertigte aus meinem Kinderbuch »Der Roboter Archimedes und der Kanonenkönig« ein spannendes Hörspiel, das in Kürze erscheint. Die Erlöse sollen Kindern in der Ukraine zugutekommen.
Schließlich spendeten die Gäste € 750,00 für das Hilfswerk Silbernetz.
Ich bin kein Sympathisant des Altwerdens, spüre den allmählichen Verfall an allen Ecken und Enden und werde vor allem langsamer. Wie schön, wenn man da noch Träume hat, die in Projekte fließen. Jedenfalls habe ich noch einiges vor. Ich freue mich auf neue Herausforderungen und all die wundervollen Menschen, mit denen ich sie teilen darf.
Bei der US-Schriftstellerin Tawni O´Dell lese ich: »Geschichten und die Frage, wie sie den einzelnen Leser, die einzelne Leserin berühren und beeinflussen, bestimmen letztendlich, ob ein Schriftsteller ernst zu nehmen ist oder nicht.« Unter diesem Aspekt freue ich mich besonders, weil meine Lebensabschnittsgeschichte »Der Bücherprinz« zehntausende Leser berührt hat und weiterhin mit Gewinn gelesen wird.
Ich habe viel bewegt, und wenn es mir gelungen ist, kleine Kunstwerke zu schaffen, die Menschen berühren, zum Nachdenken oder gar Umdenken zu bewegen, dann ist viel erreicht. Jedes gute Buch ist ein Sieg über die allgemeine Dummheit. Er beweist, dass Kreativität mehr wert ist als alle hohlen Plattitüden zusammen.
In grauen Stunden fürchte ich, gescheitert zu sein, und alles sei umsonst gewesen. Der Zweifel ist dem Künstler eigen. Aber dann schaue ich zurück und betrachte das (leider viel zu schmale) Werk, das ich hinterlasse. Und schon bekomme ich wieder Luft und Lust, weitere Dinge zu tun – viel Verrücktere eigentlich als bisher, denn was hat man noch zu verlieren?
Deshalb folge ich weiterhin meinem Stern!
