
Eduard »Eddi« Fischer: »Erdkugel mit beweglichen Augen«, 1977 Theatermaske, ø 62 cm. ©Ruprecht Frieling, Sammlung Frieling
Die Theatermaske »Erdkugel mit beweglichen Augen« stammt aus der Werkstatt des berühmten Kostümplastikers Eduard »Eddi« Fischer. Seine Plastik wurde eingesetzt in Manfred Wekwerths Inszenierung von Bertolt Brechts »Das Leben des Galilei«. Das Stück handelt vom Leben des großen Naturwissenschaftlers, der angesichts der Folterinstrumente der Heiligen Inquisition seine Lehre von der Bewegung der Erde widerrief. Am 10. Februar 1978 hatte das Drama Premiere in Brechts Hausbühne, dem »Berliner Ensemble« am Schiffbauerdamm.
Der 1916 in Chiesch bei Karlsbad geborene, ungewöhnlich innovative Theaterplastiker Eddie Fischer versorgte die Theater in der halben Welt mit seinen einzigartigen Masken und Plastiken. Mit Feuer speienden Drachen für Wagners Oper »Siegfried«, steinernen Gästen für »Don Giovanni« und beweglichen Kühen für Händel-Opern schrieb er Theatergeschichte. Fischer zählte zum engsten Kreise der Künstler, die am Berliner Brecht-Theater arbeiteten. Fischers Kollegen waren Helene Weigel, der Chefdramaturg Joachim Tenschert, der Komponist Paul Dessau, der Bühnenbildner Karl von Appen, die Schauspieler Ekkehard Schall, Ernst Busch, Hilmar Thate.
»Eddi Fischer«, erinnert Gisela May, die Grande Dame des Berliner Ensembles, »war ein Unikum. Der baute alles, was wir brauchten. Er hat eine Kuh hergestellt, die mit den Augen blinkern und die Zunge rausstrecken konnte«.
Fischer verdankt seinen Ruf in erster Linie seinen Kostümplastiken von Tieren, angefangen von den ersten Arbeiten auf die diesem Gebiet für das Märchen »Das Tierhäuschen« von Samuil Marschak bis zum Drachen aus dem gleichnamigen Bühnenstück von Jewgeni Schwarz am Deutschen Theater Berlin sowie der Kuh in der Inszenierung »Purpurstaub« von Sean O`Casey am Berliner Ensemble.
Ebenso bedeutsam sind Fischers Theatermasken. Auf diesem Gebiet erarbeitete er 1954 gemeinsam mit Bertolt Brecht und Karl von Appen für die Inszenierung »Der Kaukasische Kreidekreis« die ersten Masken. Neben dem »Berliner Ensemble« schuf Eddi Fischer seine Theaterplastiken auch für das »Deutsche Theater«, die »Deutsche Staatsoper«, die »Komische Oper«, die »Volksbühne« und viele andere mehr. Markenzeichen seiner Tiernachbildungen und Masken waren schöne runde Glubschaugen, die oft zu Lacherfolgen führten.
Die Kostümmaske »Erdkugel mit beweglichen Augen« steht als Unikat typisch für die Kunst des Plastikers. Die gewaltige Erdkugel wurde einem Schauspieler übergestülpt, der damit auf die Bühne ging. Mit einem raffinierten Gestänge, das im Inneren der Kugel verborgen ist, konnte er die Augen der Maske bewegen. Bei einem Gewicht von vierzig Pfund hatte der Mime mit dem Ungetüm einiges zu schleppen, und es wird ihm unter der Last der Weltkugel auch mächtig warm geworden sein.
Eduard Fischer verstand sich als Kascheur. Für ihn umfasste dieses Gebiet: Theaterplastik, Kostümplastik, Herstellung von Spezialmasken, Requisitenanfertigung, Gliederpuppenherstellung und viele andere Arbeiten.
Weiterführende Literatur:
Werner Ruppelt: Eduard Fischer Kostümplastiken für das Theater. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft Berlin (DDR) 1975
