Man nennt ihn Herrentag, Männertag, Vatertag oder Himmelfahrtstag – je nachdem, ob man gerade theologisch, familienpolitisch oder bierlogistisch argumentieren möchte. In Wahrheit handelt es sich um jenen rätselhaften deutschen Brauch, bei dem Männer, die sonst keinen Einkaufswagen freiwillig schieben, plötzlich mit Bollerwagen durch die Landschaft ziehen, als gelte es, eine mittelalterliche Nachschubfront zu sichern.
Und mitten hinein in dieses Brauchtumsgewitter tritt Prinz Rupi.
Nicht etwa dezent. Nicht in Funktionsjacke. Nicht mit Klappstuhl, Dosenbier und Leberkässemmel. Sondern als friedensbewegter Alt-Hippie im fürstlichen Gewand, mit Krone, Sonnenbrille, wallendem Haar und jenem Gesichtsausdruck, der sagt: Ich habe die Welt gesehen, sie nicht immer verstanden, aber immerhin farblich angemessen beantwortet.
Mit ihm rollt der unvermeidliche Wagen. Doch wo andere Männer Bierkästen, Grillgut und die letzten Reste zivilisatorischer Selbstkontrolle transportieren, führt Prinz Rupi eine Art fahrbaren Friedensaltar mit sich. Sein Programm heißt: „Make Love Not War“. Damit ist der Männertag im Grunde schon nach wenigen Sekunden moralisch überfordert.
Denn dieser Tag lebt normalerweise vom Gegenteil: vom geräuschvollen Auftreten, vom kollektiven Unterwegssein ohne erkennbares Ziel, vom männlichen Bedürfnis, einmal im Jahr öffentlich zu beweisen, dass Orientierungslosigkeit auch Gemeinschaft stiften kann. Himmelfahrt wird dabei gern sehr wörtlich genommen – nur dass nicht Christus gen Himmel fährt, sondern der Blutalkoholspiegel.
Prinz Rupi dagegen durchquert die Szene wie eine Mischung aus Wanderprediger, Straßenkarnevalist und pazifistischem König von Woodstock. Die Menge jubelt. Fahnen flattern. Die Kleinstadtkulisse scheint zu ahnen, dass hier gerade ein älterer Herr mit Krone den Herrentag unterwandert, indem er ihn ernst nimmt: als Tag der Bewegung, der Botschaft und der milden Verwirrung.
Besonders schön ist die zentrale Ironie: Der Bollerwagen, dieses sakrale Gefährt des deutschen Männertags, wird bei Prinz Rupi nicht zur rollenden Kühlbox, sondern zum mobilen Manifest. Aus dem Transportmittel der Enthemmung wird ein kleiner Wagen der Weltverbesserung. Man möchte fast sagen: Der Vatertag wird entwaffnet.

Frieden schaffen ohne Waffen? Eine ungewöhnliche Überlegung in einer Zeit, in der die Kriegstreiber gedanklich schon vor Moskau liegen … © Tony D.
Natürlich bleibt die Sache verdächtig. Ein Mann mit Krone, buntem Mantel und Friedensparole ist nicht automatisch harmlos. Er könnte jederzeit anfangen, Gedichte vorzutragen, Richard Wagner zu erklären, schräge Geschichten vorzulesen. Oder die Umstehenden auffordern, über die Begriffe Herrentag, Männertag, Vatertag und Himmelfahrtstag einmal grundsätzlich nachzudenken. Spätestens dann würde mancher Bollerwagenfahrer nervös zum Flaschenöffner greifen.
Aber gerade darin liegt der Reiz dieser bildhaften Szene: Es nimmt einen seltsamen deutschen Feiertag beim Wort und dreht ihn zugleich liebevoll durch die Satire. Prinz Rupi erscheint als Gegenentwurf zum gröhlenden Ausflugsmann: nicht nüchtern im engeren Sinne, aber geistig erkennbar auf Sendung. Er zieht nicht aus, um sich selbst zu verlieren, sondern um wenigstens ein Schild durch die Straßen zu schieben, das nach 1968 riecht und trotzdem erstaunlich frisch wirkt.
Am Ende bleibt die Frage, wie dieser Tag nun eigentlich heißen soll. Herrentag? Zu patriarchal. Männertag? Zu ungenau. Vatertag? Auch kinderlose Bierwanderer bestehen darauf. Himmelfahrtstag? Theologisch korrekt, aber im deutschen Brauchtum gefährlich missverständlich.
Vielleicht genügt ein neuer Name: Prinz-Rupi-zieht-den-Frieden-im-Bollerwagen-durch-die-Welt-Tag.
Etwas lang, gewiss. Aber immer noch präziser als „Männertag“.
Hier gibt es das Bild animiert als kleinen Film:
