
Lutz Görner wurde am 1. Januar 1945 in Zwickau geboren. Er verstarb am 3. April 2024 in Gummersbach bei Köln
Deutschlands bekanntester Rezitator aus der Zeit, als die Menschen noch das Zuhören beherrschten, ist in den Bücherhimmel aufgestiegen. Lutz Görner ist tot.
Lutz Görner wurde durch das Fernsehen bekannt. Von 1993 bis 2010 führte er sonntagmorgens durch eine feste Sendung auf 3sat. Seine 200-teilige Serie »Lyrik für alle«, eine kleine gesprochene Literaturgeschichte der Lyrik vom Barock bis heute, scharte eine treue Hörerschaft um sich. Diese traf ihn auch auf zahlreichen Rezitationsabenden, bei denen er Werke von Heine, Brecht und anderen deutschsprachigen Dichtern vorstellte.

Bilder aus glücklichen Jahren enger Verbundenheit: Prinz Rupi, Karin Kulmer und Lutz Görner vor dem historischen Rathaus in Münster, in dem 1648 der Westfälische Friede besiegelt wurde
Görners Rezitationskunst stand in der Tradition des Vortrags epischer Gedichte, wie dem »Nibelungenlied« oder »Beowulf«, die zur Unterhaltung und Bildung an Höfen und in Klöstern von Minnesängern und Barden praktiziert wurden.
Hunderttausenden ermöglichte er mittels seiner Kunst die Entdeckung der Meisterwerke deutscher Dichtkunst. Sein Aufstieg zum führenden Rezitator deutscher Sprache war kein Zufall: In seiner Person vereinten sich schauspielerisches Talent und rhetorische Begabung mit umfassender Bühnenerfahrung und der Akribie eines Forschers, der Jahre in die Vorbereitung eines einzigen Programms investierte.
»Jeder der geht
belehrt uns ein wenig
über uns selber.
Kostbarster Unterricht
an den Sterbebetten.
Alle Spiegel so klar
wie ein See nach großem Regen,
ehe der dunstige Tag
die Bilder wieder verwischt.«
Mit seiner sonoren Stimme, die tief aus seinem Inneren kam, erreichte er resonant und klangvoll die Ohren seiner Zuhörer, die ihm jahrzehntelang dankbar die Treue hielten und sich um die umfangreichen CD-Boxen rissen, die der geschäftstüchtige Künstler in beeindruckenden Auflagen herausbrachte.
Im letzten Lebensjahrzehnt trat Lutz Görner noch im Rahmen von ihm inszenierter und begleiteter Klavierabende auf. Diese Abende waren eine Mischung aus Literatur und Musik, hauptsächlich von Komponisten des 19. Jahrhunderts. Es entstanden Programme über Franz Liszt, Frédéric Chopin, Richard Wagner, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Giacomo Meyerbeer, Robert Schumann sowie italienische Musik von Rossini, Donizetti und Bellini.
Einer seiner Lieblingskünstler war Max Ernst. Als wir im April 2005 in der Berliner Nationalgalerie seine Skulptur »Capricorn« sahen, wurde mir klar, was meinen Freund Lutz Görner mit Max Ernst verband.

Lutz Görner, Amadeus Kulmer, Prinz Rupi und Karin Görner, geb. Kulmer vor der Plastik »Capricorn« von Max Ernst
Der Titel der Skulptur, »Steinbock«, deutet schon auf den gemeinsamen Nenner hin: Steinböcke sind hart und diszipliniert und setzen hohe Standards, sowohl für sich selbst als auch für andere. Sie agieren zielstrebig und ambitioniert, mit einem starken Wunsch, in ihrem Beruf und anderen Lebensbereichen erfolgreich zu sein. Lutz Görner war ein Expressionist, Dadaist, Surrealist, Dichter und Denker, der gern strahlte. Für seinen handverlesenen Freundeskreis war er ein bisweilen schwieriger Typ. Nun hat sein facettenreiches, kreatives Genie sein inspirierendes Spiel beendet.
Ruhe in Frieden!
Prinz Rupi
»Nur durch die Liebe und den Tod berührt der Mensch das Unsterbliche. «
Alexandre Dumas fils
«

Das Gedicht »Vereinsamt« von Friedrich Nietzsche ist ein zentrales Werk des Philosophen, das Einsamkeit und Entfremdung thematisiert. Einsamkeit setzt den Ton für das gesamte Gedicht. Prinz Rupi spricht den Text und liefert eine Interpretationshilfe. HIER geht es weiter →
Mit der Zeile »Dunkel war’s, der Mond schien helle … « beginnt das populäre Scherzgedicht eines bislang unbekannten Verfassers, das vielen seit Kindheitstagen bekannt ist.
HIER geht es weiter →
Seit Monaten steckt ein Virus mit dem futuristischen Namen SARS-CoV-2 Millionen Menschen in ein Gefängnis sozialer Abgeschiedenheit. Vor allem bei älteren Menschen verstärkt der Hausarrest Gefühle von Alleinsein, Einsamkeit und Niedergeschlagenheit. Die heimische Wohnung wird manchem zur Kerkerzelle, deren Maße lediglich Ausflüge vom Sofa zum Schlafzimmer und von der Küche zum Bad gestatten. Als besten literarischen Beitrag zu diesem Thema habe ich das Gedicht »Der Panther« von Rainer Maria Rilke aufgezeichnet. HIER geht es weiter →
