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Johanna Szameit: Wunderwelt der Natur

Dezember 08, 2008
by Ruprecht Frieling
johanna szameit, sammlungen, wilhelm ruprecht frieling, Wunderkammer
43 Comments
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Johanna Szameit presst die Wunderwelt der Natur zwischen zwei Glasplatten und verlötet sie dann. Fotos: © Wilhelm Ruprecht Frieling/Sammlung Frieling

Johanna Szameit, eine leidenschaftliche Radwanderin und Hobbybotanikerin, findet einen Großteil der Herrlichkeiten, die sie in ihren filigranen Miniaturen verwendet, am Wegesrand. Sie sammelt Sporen, Blüten und Blätter und nimmt sie mit in ihre Wohnung in Berlin-Reinickendorf. Dort trocknet sie ihre Schätze und presst sie anschließend mit einer alten Buchbinderpresse, die ihr der Zufall schenkte. Anschließend drapiert sie die getrockneten Pflanzenteile zwischen zwei Glasscheiben und verschließt diese mit einem Lötrand.

Auf diese Weise entstehen wunderbare kleine Pflanzenbildnisse, die an die streng-formalen Arbeiten des Fotografen Karl Blossfeldt erinnern, der sich als Vertreter der Neuen Sachlichkeit in den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhundert auf Urformen der Kunst spezialisierte.

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Johanna Szameit: »Gespräch«, 18,6 x 5,5 cm, Rahmenmaß 21,0 x 15 cm

Die Künstlerin Johanna Szameit geht aber darüber hinaus. Sie malt und gestaltet selbst und schafft neben ihren Pflanzenbildern phantastische Miniaturgemälde, die sie teilweise übereinander klebt, um räumliche Effekte zu erzielen. Auch diese Bilder werden in selbst gelötete Rahmen fest eingeschmolzen. Diese Rahmen sind teils streng, teils äußerst phantasievoll gestaltet. Ihre dekorativ geschwungene Linien sowie floralen Ornamente und die Aufgabe von Symmetrien enthalten Elemente des Jugendstil.

Löten ist eine sehr alte Technik, die nachweislich schon um 5000 vor unserer Zeitrechnung bekannt war. Gold, Silber und Kupfer wurden von unseren Vorvätern mit Hilfe lötfähiger Legierungen miteinander verschmolzen. Die berühmte Goldmaske des altägyptischen Königs Tutanchamuns ist beispielsweise mit Hilfe der Löttechnik geschaffen worden.

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Johanna Szameit: »Paar«, 8,5 x 6,8 cm, Rahmenmaß 18,5 x 11,5 cm

Johanna Szameit verweigert sich dem etablierten Kunstbetrieb und lehnt eine Zusammenarbeit mit Galerien ab, um ihre Arbeiten preiswert abgeben zu können. Sie akzeptiert keine Atelierbesuche und betreibt auch keine Homepage.

Johanna Szameit

Johanna Szameit

Ihr ist wichtig, den Liebhabern ihrer Kleinodien persönlich zu begegnen. Deshalb hat sie sich vor Jahren entschlossen, ihre Produktion ausschließlich auf einem Kunstmarkt anzubieten, der jeweils zu Ostern und an den Adventswochenenden auf dem Mexikoplatz in Berlin-Zehlendorf stattfindet. Dort wird sie dann von Fans und Sammlern belagert und innerhalb kurzer Zeit »geplündert«.

Seit einigen Jahren hat die Künstlerin auch begonnen, kleine Skulpturen und Plastiken aus kleinteiligem Trödel und bemaltem Pappmaché zusammenzusetzen. Diese Arbeiten haben eine wundervolle Leichtigkeit, es entstehen phantasiereiche Luftwesen, die jede Wunderkammer bereichern.

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Über den Verfasser
Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi schreibt seit einem halben Jahrhundert Bücher und schwimmt dabei vergnügt gegen den Strom.
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43 Comments
  1. Spieler7 8. Dezember 2008 at 19:10 Antworten

    Ich habe als Kind vierblättrige Kleeblätter zwischen Buchseiten gepresst, aber das ist wohl etwas anderes…

  2. MisterPocket 8. Dezember 2008 at 19:15 Antworten

    Oh wie schön! Erinnert mich ein wenig an meine Jugend, da hingen gerahmte Trockenblumen an den Wänden im Wohnzimmer, das war damals ganz „IN“

  3. Frieling 8. Dezember 2008 at 19:41 Antworten

    Das wäre immerhin ein Anfang einer neuen Karriere … 😉

  4. Spieler7 8. Dezember 2008 at 19:45 Antworten

    „Talismänner & andere Glücksbringer GmbH“!

  5. greatmum 8. Dezember 2008 at 19:46 Antworten

    Oh, das ist eine wunderschöne Idee!! Sollte man sich merken und vielleicht im nächsten Jahr einmal selbst versuchen.

    Danke für diesen wunderbaren Tipp !

  6. Frieling 8. Dezember 2008 at 19:48 Antworten

    Abgerundet mit einem Schuss Voodoo-Zauber!

  7. Frieling 8. Dezember 2008 at 19:49 Antworten

    Die Natur schenkt uns die schönsten Ideen!

  8. Frieling 8. Dezember 2008 at 19:49 Antworten

    Stimmt, kann ich mich auch noch vage dran erinnern.

  9. Spieler7 8. Dezember 2008 at 19:53 Antworten

    Jau, prima Idee!

  10. Frieling 8. Dezember 2008 at 19:55 Antworten

    Es gibt doch jetzt diese Ein-Pfennig-GmbHs, um den Limiteds das Wasser abzugraben.

  11. Spieler7 8. Dezember 2008 at 20:04 Antworten

    Ob das schon ausreicht, um den Kapitalismus in die Knie zu zwingen?

  12. Frieling 8. Dezember 2008 at 20:05 Antworten

    Immer diese hoch gesteckten Ziele!

  13. Spieler7 8. Dezember 2008 at 20:09 Antworten

    Nicht kleckern, sondern klotzen!

  14. Frieling 8. Dezember 2008 at 20:10 Antworten

    Gern, wenn denn der Hauch einer Chance bestünde!

  15. MisterPocket 8. Dezember 2008 at 20:14 Antworten

    Na ja, du bist ja auch noch nicht ganz so alt wie ich…

  16. Spieler7 8. Dezember 2008 at 20:16 Antworten

    Ich studiere gerade erneut Alfred Döblins vierbändiges Werk zum November 1918, um zu lernen, was man beim nächsten Mal besser machen muss…

  17. Frieling 8. Dezember 2008 at 20:18 Antworten

    Das ist jetzt aber ein verspätetes Nikolauspräsent, dass du mich jünger rechnest!

  18. Frieling 8. Dezember 2008 at 20:19 Antworten

    Immerhin fließt im Teil »Karl und Rosa« auch Blut, was dich als Krimispezialisten freuen mag …

  19. Spieler7 8. Dezember 2008 at 20:22 Antworten

    Das ist auch mein Lieblingsband!

  20. ela793 8. Dezember 2008 at 20:50 Antworten

    Das gefällt mir!

  21. Frieling 8. Dezember 2008 at 20:51 Antworten

    Freut mich!

  22. xrotbartx 8. Dezember 2008 at 21:38 Antworten

    Die Frau mit ihrer Vertriebsmeinung gefällt mir gut. Find ich erstaunlich, woraus man alles Kunst machen kann. Müsste man direkt mal hinfahren zu einem der Märkte.

  23. Frieling 8. Dezember 2008 at 21:40 Antworten

    Dazu müsste sich Herr Rotbart aber ins wilde Berlin hinein trauen …

  24. Anonym 8. Dezember 2008 at 22:07 Antworten

    Grade das letzte Bild gefällt mir richtig gut. Wobei auch die Stiefmütterchen toll sind. Ich finde das die Blumen noch so lebendig wirken. Wirklich eine tolle Arbeit.

  25. Frieling 8. Dezember 2008 at 22:10 Antworten

    Es zeigt ein Paar in einer auf die beiden einstürzenden Welt. Lustig finde ich, dass die Künstlerin den einen Arm der Figur mit dem Bleistift aus dem eigentlichen Bild heraus verlängert hat.

  26. Anonym 8. Dezember 2008 at 22:20 Antworten

    Oh, so genau hatte ich es gar nicht betrachtet. Stimmt. Ja mit dem verlängerten Arm bekommt das Bild noch eine andere Dimension dazu und es irritiert, da es nicht der Regel „gehorcht“ das es ein Bild und drum rum ist das Passepartout.

  27. Juleika 8. Dezember 2008 at 22:23 Antworten

    Die gelben Butterblumen, ja die würden sich im Esszimmer gut machen.
    Feine Idee von Frau Szameit.

    Ich habe solche Bilder mit unseren Mädels als sie klein waren immer mit selbst gesammelten, getrockneten, gepressten Blättern gemacht. Mäuse, Vögel, Igel …
    Gern gesehene Geschenkebei Oma, Opa, Patin, Kinderarztpraxis, Krankenhäuser usw.

  28. Melawi 9. Dezember 2008 at 06:46 Antworten

    Das sind ungewöhnliche Arbeiten!
    Wirklich sehr schön!

  29. xrotbartx 9. Dezember 2008 at 08:55 Antworten

    stimmt. und das wird schwierig. :>>

  30. Mara 9. Dezember 2008 at 22:51 Antworten

    Vorweihnacht

    Danke für die Blumen, Prince Rupi,
    und Dank an die fleißige Sammlerin.
    Ja, die Hand greift ins Leere –

    komme grade von WP, die es seit dem 6.Dezember wieder in ihrem Blog schneien lassen – zum Entzücken aller, die (fast) nie Schnee vor ihrer Haustür haben.
    (Aber, .. die aus Sakatchewan ..)

  31. Frieling 11. Dezember 2008 at 14:50 Antworten

    »Natur ist glücklich. Doch in uns begegnen
    sich zuviel Kräfte, die sich wirr bestreiten:
    wer hat ein Frühjahr innen zu bereiten?
    Wer weiß zu scheinen? Wer vermag zu regnen?«

    Rilke

  32. Frieling 11. Dezember 2008 at 14:53 Antworten

    »nicht rasten und nicht rosten,
    Weisheit und Schönheit kosten«

    Joseph Viktor von Scheffel

  33. Frieling 11. Dezember 2008 at 14:58 Antworten

    »Die Natur in ihren schönen Formen spricht figürlich
    zu uns, und die Auslegungsgabe ihrer Chiffernschrift
    ist uns im moralischen Gefühl verliehen.«

    Kant

  34. NewbieNews 11. Dezember 2008 at 21:28 Antworten

    Bei ihm – obwohl er eine völlig andere Handschrift hatte, assoziiere ich immer die Briefschrift meiner Großmutter: s-pitz, s-teil, wohlgesetzt und filigran in Gedanken und Worten…
    Das Ginkgoblatt, das mir der Wind kürzlich auf meine Treppe wehte, ist nun auch Pschyrembel-trocken und gelbgrändert grün –
    und steht nicht zum Tausch.

  35. chrisbie 12. Dezember 2008 at 08:48 Antworten

    Wie schafft die Künstlerin es nur, die Farben so zu erhalten- sieht genial aus!

  36. Frieling 12. Dezember 2008 at 09:30 Antworten

    Das ist Natur pur – vielleicht isoliert der Luftentzug? Ich habe Arbeiten von ihr, die schon seit Jahren an der Wand prangen – die Farbe bleibt unverändert.

  37. chrisbie 12. Dezember 2008 at 12:01 Antworten

    Doll! Würd ich mir wohl auch an die Wand hängen ohne Weiteres 😉 Bei dem dristen Mausgrau da draußen hinter’m Fenster täte ein Farbkleck, wie dieser wohl ganz gut.

  38. Sigrid 15. Juli 2009 at 15:04 Antworten

    Wunderschöne Objekte – die Natur ist immernoch der beste Künstler 🙂

  39. Frieling 15. Juli 2009 at 17:20 Antworten

    Danke für dein Interesse!

  40. Lill-Y 23. September 2009 at 20:27 Antworten

    Ich habe als Kind von jedem Ausflug Blumen mitgebracht, die ich zwischen zwei Löschblättern in einem dicken Buch gepresst habe.
    Leider blieben nicht alle Blüten so farbenfroh, wie diese hier.
    Ich glaube mich sogar zu erinnern, dass Stiefmütterchen ihre kräftige Farbe sehr schnell verlieren.

  41. Dagmar2 24. November 2009 at 13:20 Antworten

    Wie lange bleiben die Blätter grün ? Ich meine, die müssen doch irgendwann mal verwelken ?

  42. Frieling 24. November 2009 at 13:23 Antworten

    Bis jetzt ist alles unverändert, und ich bin immer noch begeistert!

  43. Annabelle 13. Oktober 2011 at 07:25 Antworten

    Die sehen wirklich wunderschön aus! Wir sind gerade umgezogen und haben da noch ein paar Wände frei… Arbeitsteilung funktioniert auch, ich sammle die Blumen und Blätter und mein Freund lötet die Rahmen 🙂 Bei aller Liebe zur Emanzipation, das kann er besser als ich 😀

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