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Stadt der Hunde

November 13, 2009
by Ruprecht Frieling
Neuköllner Oper, Sinem Altan, wilhelm ruprecht frieling
29 Comments

Überall Beton

Überall Beton …     
Foto: © Wilhelm Ruprecht Frieling

Mit 107.000 gemeldeten und einer enorm hohen Zahl »illegaler« Hunde wird Berlin von vielen gern »Dog-City«, die »Stadt der Hunde« genannt. Nicht nur in den Problembezirken ist der vierbeinige Begleiter oft der einzige Sozialkontakt vereinsamter Singles oder ein Prestigeobjekt, das gesellschaftliche Aufwertung verspricht. Der treueste Freund des Menschen wird zum Spiegel familiärer und sozialer Zustände. Grund genug für Tina Müller (Text) und Sinem Altan (Musik), daraus eine Mini-Oper zu machen.

Premierengäste der »Stadt der Hunde« in der »Neuköllner Oper« mussten zu ihrer Erleichterung nicht durch einen Haufen von Tretminen waten, um in das gerade mal 50 Personen fassende Studio zu gelangen. Dafür wurden sie am Eingang des Zwingers mit künstlichem Schnee überschüttet, denn das Stück spielt in einer kalten Winternacht.

Drei Hunde treffen sich auf einer spärlich beleuchteten Strasse. In der Luft liegt das dominante Parfum von Nero (Fabian Martino), einem zähnefletschenden Pitbull-Dobermann-Rottweiler-Mix, der sich für den König des Kiezes hält. Er trifft dort die Schönste der Strasse, die selbst verliebte Mopshündin Dilara (Nina Ahrens), die von ihrem Besitzer Murat aufgegeben wurde, weil er sich inzwischen in einen goldenen Audi verliebt hat und keinen Hund mehr braucht. Besucht werden die beiden Kiezgrößen von Schäfer (Christian Bayer), der sich für fein und rechtschaffen hält, angeblich in Diensten der Polizei steht, und dennoch offensichtlich vertrieben wurde.

Gemeinschaftsgefühl ist den Tieren fremd: sie kläffen, fauchen und giften sich untereinander an, und im Extremfall gibt es einen Biss in die Kehle. Dabei befinden sie sich in ähnlichen Situationen, alle drei wurden vernachlässigt und schließlich verstoßen. Fressen und gefressen werden lautet nun ihre Devise als Hunde-Desperados. Und so ziehen sie auf der Suche nach Futter durch die Neuköllner Nacht. Dabei suchen sie, und das wird zum inszenatorischen Höhepunkt der Geschichte, eine chinesische Garküche heim, die sie zum Entsetzen des Kochs plündern.

Die drei Hunde sehen im Leben des Streuners ihre große Chance und sehen sich als einsame Wölfe ohne Freunde, die ein rebellisches Rudel bilden. Gleichzeitig träumen sie davon, wieder in menschliche Obhut zu kommen und heulen ihre Sehnsucht in die Nacht. Als Schäfer- und Kampfhund sich beide in den Mops verlieben, bricht die Gemeinschaft allerdings schnell wieder auseinander …

Die von Mario Portmann spartanisch inszenierte »Hundeoper« spiegelt das Verhältnis von Herr und Hund ebenso wider wie die Brutalität, mit der auf engstem Raum großer Ballungsgebiete Menschen und Tiere aufeinander prallen. Die drei »Hunde« singen und spielen ihre jeweiligen Rollen überzeugend, der anfangs zagende Fabian Martino baute schnell stark auf. Musikalisch begleitet vom Pianisten Alexander Klein lieferten die Protagonisten einige rockige Songs, Soli und Terzette. Komponistin Sinem Altan schaffte es dabei, der Figur des Mopses eine eigene »türkische« Tonalität zu verleihen, die den Charakter auch stimmlich vom »deutschen« Schäfer und dem bissigen Nero differenzierte.

Mehr von der Neuköllner Oper

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29 Comments
  1. gummibaer007 13. November 2009 at 18:44 Antworten

    klingt wie ein „mischmasch“ diverser disney-hundefilme …
    🙂

  2. Anonym 13. November 2009 at 19:02 Antworten

    Habe gerade einen Bericht in der Abendschau gesehen und finde es wirklich interessant.

  3. Frieling 13. November 2009 at 19:28 Antworten

    Stimmt, die hatten gestern Abend gedreht. Habe ich leider nicht gesehen.

  4. Frieling 13. November 2009 at 19:29 Antworten

    Na ja …

  5. Spieler7 13. November 2009 at 19:57 Antworten

    Warum soll es den Hunden heutzutage auch besser gehen als den Menschen? Zeitgeist rules!

  6. Frieling 13. November 2009 at 20:08 Antworten

    Schon Friedrich der Große meinte: »Hunde, wollt ihr ewig leben« …

  7. Spieler7 13. November 2009 at 20:32 Antworten

    Bei Menschen wie bei Hunden: Es geht immer um die Wurscht!

  8. Frieling 13. November 2009 at 20:35 Antworten

    Bei muslimisch geführten Hunden allerdings streng ohne Schweinefleisch, wie ich in der »Hundeoper« gelernt habe 🙂

  9. Spieler7 13. November 2009 at 20:48 Antworten

    Da kommen die Hunde auch in den Himmel und kriegen Jungfrauen ab? Super!

  10. Frieling 13. November 2009 at 20:54 Antworten

    Auf sicher! Jede Menge Welpen!

    😉

  11. gummibaer007 13. November 2009 at 21:06 Antworten

    ich habe bisher ja nur diesen blickwinkel…
    🙂

  12. Spieler7 13. November 2009 at 21:06 Antworten

    Die dann alle ihre Häufchen in Berlin machen….

  13. Frieling 13. November 2009 at 21:09 Antworten

    Habe heute mittag erst auf Herbstlaub getreten, unter dem eine schmierige Explosion zündete … passt zu Freitag, 13.

  14. Spieler7 13. November 2009 at 21:33 Antworten

    Das relativiert sich natürlich, wenn die Mitglieder des Hofstaats danach die Schuhe auf Hochglanz polieren! 😉

  15. Frieling 13. November 2009 at 21:36 Antworten

    So sei es! Mögen sie sich am Geruche sättigen …

  16. Anonym 13. November 2009 at 21:36 Antworten

    (… na also: da kriege ich doch auch noch ’n Buch geschrieben… rrrrrrrrrrrrrrrrrrr… irgendwann… immer diese Schleichwerbung für Berlin… rrrrrrrrrrrr…)

  17. Frieling 13. November 2009 at 21:47 Antworten

    Versuchst du dich heute als bajuwarische Gebirgsbracke?

  18. Anonym 13. November 2009 at 22:00 Antworten

    Wieso versuchen? – Wuff!

    Immer diese Schleichwerbung für… – ach, habe ich schon gesagt…

  19. Frieling 13. November 2009 at 22:04 Antworten

    Bei Fuß!

  20. Anonym 13. November 2009 at 22:07 Antworten

    Würde ich ja machen – aber ich packe es ja nich‘, bis B zu kommen…

    Chch… – Bzw.: Rrrrrrrrr…

  21. Frieling 13. November 2009 at 22:09 Antworten

    München hat doch auch ein Herz für Vierbeiner, oder?

  22. Anonym 13. November 2009 at 22:12 Antworten

    In M gibt es mehr Hunde (relativ der Zahl der Hominiden) als in B; im Ernst: stand letztens wieder wo; merkt man besonders auch als notorischer Jogger, chch..

  23. Frieling 13. November 2009 at 22:19 Antworten

    Kräfig und immer wieder ins Glück zu treten, das ist des Joggers Freude!

  24. Prinz Rupi 13. November 2009 at 22:24 Antworten

    Hilfe, meine Pupse stinken nach Salami!

    Hilfe! Meine Pupse stinken nach Salami! Foto: ©Christel W/pixelio. de

    Leute, ich brauche dringend Hilfe. Denn mein Hund stinkt. Pardon, er duftet nicht, er riecht einfach nur abartig. Manchmal stinkt er sogar infernalisch, und auch mein ständige…

  25. Anonym 13. November 2009 at 22:37 Antworten

    „Ich werd mir eine Hacke kaufen/ins Erdreich muss der Kackehaufen!“; ich weiß, den kennst Du schon, aber ich darf das, ich bin senil…

  26. Frieling 13. November 2009 at 22:40 Antworten

    Ich habe ein Herz für (senile) Hunde!

  27. Anonym 13. November 2009 at 23:20 Antworten

    Der Tierheimdirektor faxt mir, es würden Leine, Näpfe und Beißknochen gebraucht, und ich soll mich ruhig auch an Angehörige der Intelligenzia wenden – die hätten Kohle, hähä…

  28. bhasita 24. November 2009 at 22:04 Antworten

    Interessantes Projekt!
    Das hätte ich gerne gesehen, aber ich bin out of Berlin seit sechs Jahren!
    Dafür kann ich mir jetzt hier in OBB zwei Hunde leisten, in Berlin wollte ich keine, weil es schon viel zu viele gab.
    Und vor allem: Zuviele unverantwortliche Halter.

  29. Annalein111 22. März 2011 at 17:22 Antworten

    Naja, letztlich gibt es für alles ein Zielpublikum … 😉

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