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Ossi-Wessi-Witze

Dezember 30, 2007
by Ruprecht Frieling
wilhelm ruprecht frieling
0 Comment

3 359 01646 7 CoverGross 20060723 153716Es geht mitunter deftig zu, wenn der Ossi über den Wessi und bisweilen auch über sich selbst lacht, weiß der Verlag des schon in der verflossenen DDR höchst beliebten Satiremagazins »Eulenspiegel«. Geschäftstüchtig, und wahrscheinlich von einem Wessi gut beraten, legten die Verlagsobristen deshalb ein schmales Büchlein auf, das einige der durchaus derben Scherze sammelt. Das fragt dann beispielsweise: »Was ist der Unterschied zwischen dem Schlips eines Wessis und einem Kuhschwanz?« und antwortet frech: »Der Kuhschwanz bedeckt das Arschloch ganz«.

Über einen derartigen Witz können Ossis, wie der Rezensent aus eigenen Testreihen bestätigen kann, herzhaft lachen. Aber auch Wessis heben ihre Mundwinkel sichtbar, werden derartige Schoten zum Besten gegeben. »Es gibt drei Arten, eine Firma in den Bankrott zu wirtschaften: Durch Frauen – das macht am meisten Spaß. Durch Sauferei – das klappt hundertprozentig. Durch einen Westler als Geschäftsführer – das geht am schnellsten«. Hier schwingen Erfahrungen mit den nach der Wende von West nach Ost schwärmenden Glücksrittern durch, die für zehntausende heute arbeitsloser Ostdeutscher bitter waren. Deshalb heißt auch der kürzeste Ossi-Witz: »Treffen sich zwei Ossis auf Arbeit …«.

Im Witz eines Volkes spiegelt sich sein Verhältnis zur Obrigkeit, zum Machtapparat und zu seiner Umwelt. Witze, über die der Osten lacht, zeigen, wie tief der Graben zwischen den Staatsvölkern der ehemaligen BRD und DDR immer noch ist. »Ossi und Wessi am Ostseestrand. Wessi: „Sehen Sie mal, da vorn geht der Rettungsschwimmer, der mir heute Vormittag das Leben gerettet hat.“ – „Ich weiߓ, sagt der Ossi, „er hat sich schon bei mir entschuldigt.“«.

Wessis sind in den Scherzen, über die Ossis laut lachen, dumm, hohl, hinterhältig, geldgierig und im weitesten Sinne asozial. Dabei wird unterstellt, dass viele von ihnen gern die Mauer wieder hochziehen würden, um die Subvention des »Beitrittsgebietes« endlich beenden zu können. »Warum lächeln die Chinesen so hintergründig, wenn sie einem Westdeutschen begegnen? – Weil die Chinesen ihre Mauer noch haben«.

Soll also die im Titel des Buches gestellte Frage »Wo geht’s denn hier zum Aufschwung«, beantwortet werden, dann antwortet der gewitzte Ossi darauf: »Da entlang! Immer den Bach runter!«. Wer dieses Büchlein als Spiegel des Zeitgeistes liest, der sieht tatsächlich kohlrabenschwarz.

Wo geht’s denn hier zum Aufschwung?
Ossi-Wessi-Witze
Eulenspiegel Verlag 2006
ISBN 978-3-359-01646-5


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No Comment
  1. Brunopolik 30. Dezember 2007 at 10:23 Antworten

    Dieser Beitrag schließt ja wunderbar an
    meine „Schule der Arbeitslosen“ an.
    Rabenschwarze Satire garniert mit
    Ossi-Wessi-Witzen in diesen grauen
    letzten Tagen des Jahres. So kommt
    Freude auf!

    L.G. B.

  2. olafneumann 30. Dezember 2007 at 11:06 Antworten

    Deutschland einig Witze Land…
    Grüsse von Ibizas Ostküste (Hier erzählt man sich gerne Mallorquiner Witze)
    Olaf

  3. Frieling 30. Dezember 2007 at 11:42 Antworten

    Mallorquiner Witze wären bestimmt einen eigenen Eintrag wert. Gibt es darüber Literatur?

  4. Frieling 30. Dezember 2007 at 11:42 Antworten

    Solche Büchlein finden sich bei uns unter dem Tannenbaum …

  5. Brunopolik 30. Dezember 2007 at 11:50 Antworten

    Dann kann im neuen Jahr nichts mehr schief gehen!

  6. caramellino 30. Dezember 2007 at 12:26 Antworten

    So sehen die Ossis die Wessis? Weshalb muss immer ich als Vorlage dienen *grübel*

    ich glaube das kauf ich mir, danke für den Hinweis

  7. Frieling 30. Dezember 2007 at 12:53 Antworten

    Aus jeden Fall ist es ein Schmunzeln wert!

  8. Trithemius 30. Dezember 2007 at 13:01 Antworten

    Man hat ja im Osten lange Zeit Grund für subversiven Witz gehabt, der ja immer eine sprachliche Ohnmachtsgeste ist. Jetzt, wo die alten Figuren weg sind, werden die Rollen mit Wessis neu besetzt, was nicht verwundert, denn Wessis haben die alte DDR ja für je eine symbolische Mark aufgekauft und ausgeplündert. Leider war ich nicht smart genug.

  9. Frieling 30. Dezember 2007 at 13:04 Antworten

    Das ging mir, ehrlich gesagt, ebenso. In Ahrenshoop wurden mir Künstlerhäuser am Meer für einen Pfennigbetrag angeboten, heute sind sie allerdings (im Unterschied zu den meisten Unternehmen) Millionen wert.

  10. Spieler7 30. Dezember 2007 at 17:58 Antworten

    Es gibt ja Witze über alle möglichen Randgruppen: Ostfriesen, Schwaben, Berliner und auch die Bayern kommen nicht ungeschoren davon. Bei den Ost-West-Witzen schwingt allerdings eine gehörige Portion (verständlicher) Erbitterung mit. Bemerkenswert, 17 Jahre nach der „Wiedervereinigung“.

  11. Frieling 30. Dezember 2007 at 18:19 Antworten

    Ich habe den Eindruck, das manifestiert sich und überträgt sich auch auf die Folgegenerationen, die von der DDR selbst nichts mehr mit bekommen haben.

    Zu offensichtlich sind die Ergebnisse der Ungleichgewichts zwischen West und Ost, und die enorm starke Identifikation mit einstigen Ostmarken hat Züge von Nationalismus (wenn man denn das in diesem Zusammenhang so nennen darf).

  12. Spieler7 30. Dezember 2007 at 18:27 Antworten

    Ja, das stimmt wohl. Und nicht einmal die „ostdeutsche Pastorentochter“ bewirkt hier etwas.

    Ich habe neulich übrigens „Rotkäppchen“-Sekt getrunken, so schlecht war der auch nicht.

  13. Frieling 30. Dezember 2007 at 18:34 Antworten

    Der gehört doch auch längst einem West-Konzern (Mumm)!

  14. Spieler7 30. Dezember 2007 at 19:32 Antworten

    Was du wieder alles weißt!

    Raubst mir meine letzten Illusionen…

  15. merdingen 30. Dezember 2007 at 19:51 Antworten

    Alle Ossi-Witze zu mir! 😉

  16. Frieling 30. Dezember 2007 at 19:59 Antworten

    Du hast noch Illusionen???

    In welcher Gedankenkiste versteckst Du die denn?

  17. Frieling 30. Dezember 2007 at 20:00 Antworten

    Sehr wohl, Ossi!

  18. Spieler7 30. Dezember 2007 at 20:09 Antworten

    Ich habe festgestellt, dass ich mit zunehmendem Alter immer kindlicher werde. Eine Art Peter-Pan-Syndrom, das ich gerne pflege.

  19. Frieling 30. Dezember 2007 at 20:19 Antworten

    Da haben wir was gemeinsam, allerdings hatte ich schon als Kind wenig Illusionen.

  20. Spieler7 30. Dezember 2007 at 20:47 Antworten

    Vielleicht versuchst du es mit einem sprechenden Flaschenöffner, das Leben ändert sich schlagartig damit.

  21. Frieling 30. Dezember 2007 at 20:51 Antworten

    Zumindest der Getränkekonsum steigt …

  22. Spieler7 30. Dezember 2007 at 21:05 Antworten

    Nein, eben nicht! Man kann leere Flaschen verschließen und wieder öffnen, das Wunderwek spricht jedes Mal tadellos!

  23. Frieling 30. Dezember 2007 at 21:09 Antworten

    Aber das Teil hat keine Speicherkraft, da müssen wir noch etwas warten, bis er uns auch etwas vorliest.

  24. Spieler7 30. Dezember 2007 at 21:17 Antworten

    Jetzt wo du es sagst…

    Ich habe mich schon gewundert, dass unsere Konversationen bisher recht einseitig verliefen. Aber durchaus angenehm, es kommen keine Widerworte!

  25. Frieling 30. Dezember 2007 at 21:24 Antworten

    Das wird sich im Zuge der technischen Entwicklung rasch ändern!

  26. MisterPocket 30. Dezember 2007 at 21:25 Antworten

    Na dann mal her mit dem Schmöker, ich sehe schon lange schwarz (sind hier Herren von der GEZ anwesend?). Übrigens gibt es auch bei uns morgen Rotkäppchen Sekt, UND Spreewald Gürkchen!

  27. Frieling 30. Dezember 2007 at 21:27 Antworten

    und darauf eine Halloren-Kugel!

  28. MisterPocket 30. Dezember 2007 at 21:36 Antworten

    Und Othello Kekse, die mit extra viel Kakao drin!

  29. Frieling 30. Dezember 2007 at 21:39 Antworten

    Die leckere Bambina-Schokolade bitte nicht vergessen!

  30. deleted user 31. Dezember 2007 at 01:11 Antworten

    Moooooment !

    Zitat:

    »Es gibt drei Arten, eine Firma in den Bankrott zu wirtschaften: Durch Frauen – das macht am meisten Spaß. Durch Sauferei – das klappt hundertprozentig. Durch einen Westler als Geschäftsführer – das geht am schnellsten«.

    Einspruch Euer Ehren !

    die vierte Art:

    „lese meinen blog“

    ..dann brauchst du gar nicht erst anfangen …
    eine Firma zu gründen!

    Kreissaalgespräch:
    „Es ist…eine….Mondgeburt“

    Viel erfolg (kleingeschrieben) trotzdem weiterhin

    Hochachtungsvoll !
    *muhlach* 😉

    PS: *kicha*…

    und..Ost west….was für ein Gesprächsthema…
    tztztz..sind ja schon fast amerikanische Zustände hier…

    http://youtube.com/watch?v=5Gvh0LwqjnA&feature=related

    *muh-nett-rüberlach…Howdy!!!* 😉

  31. Volker Hecht 1. Januar 2008 at 11:10 Antworten

    Hallo, Ihr „Keksperten“,
    dieser Kommentar bringt das sprichwörtliche Fass zum überlaufen !
    „Rotkäppchen“ hat „Mumm“ übernommen und wenn ich mich nicht irre auch die renomierte Marke Eckes. Das ist eines der wenigen Beispiele, dass es auch anders geht!
    Ich bin stolz darauf dass wir wieder zusammen sind und wir sollten in Ost, West, Norden und Süden weiterhin gemeinsam lachen und gemeinsam arbeiten ! Wir haben ein wunderschönes Land !
    Viele Grüße von einem EUROPÄER aus Dessau und Euch allen ein gesundes neues Jahr 2008 !!!!!!!

    Volker Hecht
    Dessau in Sachsen-Anhalt

  32. Frieling 1. Januar 2008 at 12:19 Antworten

    Stimmt!

    »1993 wurde Rotkäppchen über ein Management-Buy-Out an Mitglieder der Geschäftsführung privatisiert. Als Privatmann stieg auch der Spirituosenhersteller Harald Eckes ein. Er behält seine Anteile an Rotkäppchen, hat die Anteile an der Eckes Spirituosen & Wein GmbH aber abgegeben.
    2002 kaufte das Freyburger Traditionsunternehmen den Wiesbadener Sekthersteller Mumm. Mit der Übernahme der Marken Mumm, Jules Mumm, MM Extra und Geldermann hat sich Rotkäppchen an die Spitze der deutschen Markenproduzenten katapultiert. Mit einem Absatzrekord von 111,5 Millionen Flaschen und einem Marktanteil von 34,2 Prozent avancierte Rotkäppchen-Mumm zum absatz- und umsatzstärksten Unternehmen der Branche.« (aus: Manager-Magazin)

    Danke für den Hinweis!

  33. Kirschherz 21. Januar 2008 at 22:52 Antworten

    Meines Wissens ist es genau andersherum…werther Prinz…

  34. Frieling 21. Januar 2008 at 22:55 Antworten

    Genau, vielleicht liest Du mal die Kommentare direkt über Dir, bitte?

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