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Berliner Philharmoniker im Sängerkrieg der Heidehasen

April 22, 2010
by Ruprecht Frieling
Berliner Philharmoniker, Ruprecht Frieling, Sängerkrieg der Heidehasen
5 Comments


Einen musikalischen Eindruck vom philharmonischen „Sängerkrieg“ gibt es auf meinem YouTube-Video. Im Hintergrund brummt der Berichterstatter mit …

Jahr für Jahr findet in Obereidorf ein bedeutsamer Sängerkrieg statt: die Heidehasen treffen sich und tragen Lieder vor, die sie selbst getextet und komponiert haben. Doch in diesem Jahr gibt es etwas Besonderes: Denn Lamprecht VII., König der Hasen und Karnickel, möchte seine Tochter mit dem besten Sänger vermählen und damit seinen Nachfolger bestimmen.

Besonderes interessiert an einem glatten Wahlsieg ist Musikdirektor Wackelohr. Mit hunderttausend Hasentalern versichert er sich der Unterstützung des Ministers für Hasengesang. Doch unerwartet tritt ein ernst zu nehmender Konkurrent auf, und der heißt Lodengrün. Damit dieser Erfolg versprechende junge Hase seinen Auftritt verpasst und gar nicht erst zum Sängerstreit antritt, verstellt Wackelohr dessen Uhr. So verschläft Lodengrün den Beginn des Wettstreits. Er steht viel zu spät auf und hoppelt zum Festplatz, verzweifelt eine Hasenarie singend: „Als ich heute früh erwachte, fand ich meine Uhr verstellt …“ – Ob Lodengrün es rechtzeitig schafft, den Sängerkrieg der Heidehasen und damit als Obereidorfs Superhase die Prinzessin zu gewinnen?

Der „Sängerkrieg der Heidehasen“,
über den ich an anderer Stelle schon ausführlich geschrieben habe, ist ein Hörspiel nach dem Buch des Helgoländer Autors James Krüss mit der Musik von Rolf Wilhelm. Das 1952 vom Bayerischen Rundfunk produzierte Hörspiel prägte bundesdeutsche Nachkriegskinder und ist manchem Silberschopf noch in bester klingender Erinnerung. Es gab mehrere Versuche, den Stoff für Puppenkisten und Musicalbühnen aufzubereiten, doch das Original blieb bislang unerreicht und sollte schon aus diesem Grunde in keiner Musiksammlung fehlen.

Die Berliner Philharmoniker stellten sich also einer besonderen Herausforderung, als sie unterstützt von Schülern der Rixdorfer Grundschule aus Neukölln als Chor das märchenhafte Singspiel als erheiterndes Vergnügen für Klein und Groß gestalteten und gleichzeitig daraus ein Lehrstück über den Musikbetrieb entwickelten.

Posaunist Thomas Leyendecker stellte dazu ein Salonorchester aus Philharmonikern zusammen, das mit enormer Spielfreude, spürbarer Begeisterung für den Stoff und ausstaffiert mit Hasenohren auf der Bühne des ausverkauften Berliner Kammermusiksaals brillierte. Dabei wurde vor allem der parodistische Ansatz der Hasenoper herausgearbeitet. „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ bezieht sich nämlich gedanklich auf Richard Wagners „Sängerkrieg auf der Wartburg“ im „Tannhäuser“ sowie auf „Die Meistersinger von Nürnberg“. Sogar der Name „Lodengrün“ spielt auf Wagners Wunderwerke und seinen „Lohengrin“ an.

Musikalisch
löste Leyendecker dies elegant: er verwob beispielsweise Wagners Vorspiel zum ersten Aufzug der „Meistersänger“ mit der Lodengrün-Fanfare und verwendete auch zahlreiche andere Zitate aus Wagners Werken. Insofern verknüpfte er „echte“ Opernmusik mit den Schlagern der Hasenoper, die vom begeisterten Publikum vielstimmig mitgeschunkelt wurden.

Die handelnden Figuren wurden instrumental durch Solisten repräsentiert. Trompeter Guillaume André Jehl gab humorvoll den Heidehasen Lodengrün, der bereits beim Vorspiel mit dem Allegro von Joseph Haydns Trompetenkonzert Es-Dur das Publikum zu Beifallsstürmen hinriss. Cellistin Rachel Helleur verkörperte eine Prinzessin, um die wohl jeder Hase zwischen Feld und Heide stürmisch ringen würde. Klarinettist Alexander Bader verkörperte einen würdevollen Hasenkönig, der sich spielerisch Achtung verschaffte, und auch alle anderen Musiker glänzten spielerisch wie mimisch.

PS. Seit Jahren bin ich nicht mehr so erfüllt und freudig aus der Berliner Philharmonie gegangen. Ich hoffe, dass es zu weiteren Aufführungen vom „Sängerkrieg der Heidehasen“ kommt, und ich wünsche mir, die Inszenierung möge auf DVD erscheinen. Allen, die gern singen und lachen, sei zudem die historische Originalaufnahme der grasgrün-frischen Hasenoper ans Herz gelegt.

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Über den Verfasser
Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi schreibt seit einem halben Jahrhundert Bücher und schwimmt dabei vergnügt gegen den Strom.
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5 Comments
  1. Brunopolik 22. April 2010 at 16:49 Antworten

    Das ist wieder einer Deiner so erfrischenden Berichte über ein Kulturereigniss mehr am Rande unserer Kultur, die aber so oft in den Medien kaum Beachtung finden. Dank gebührt Dir und dem Opern-Blog dafür.

  2. Frieling 22. April 2010 at 19:21 Antworten

    Danke Bruno, wir sind wohl beide bemüht, Perlen des Musiktheaters zu finden und vorzustellen. Die Kollegen der Holzmedien interessieren sich leider nur selten für Innovationen, sie bevorzugen Produktionen, die sowieso schon gut im Licht stehen.

  3. CaptainCook 23. April 2010 at 15:43 Antworten

    Da kann ich mich Brunopolik nur anschließen, solche Kleinoder gehen gar zu oft in den Medien unter. Gottseidank gibt es noch die Bloggosphäre!

  4. gummibaer007 24. April 2010 at 12:06 Antworten

    diemusiker als „bunnys“ , wie niiiedlich ….
    🙂

  5. Pingback: Der Sängerkrieg Der Heidehasen - Ruprecht Frieling

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